Full Tilt - $60 Mio. verschenkt?

Full tilt abbuchung
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Hat der Pokerraum seine Spieler „auf Kredit“ spielen lassen, ohne sie zu informieren?

In der Zeit zwischen September 2010 und Februar 2011 schrieb Full Tilt Poker seinen Spielern Gelder gut, ohne sie von deren Bankkonten abzuheben, schreibt Noah Stephens-Davidowitz unter Berufung auf die Aussage einer Pressemitteilung des Bezirksstaatsanwalts und der Aussage eines angeklagten Mittelsmanns.

Spieler, die mittels „E-Checks“ bei Full Tilt einzahlten, erhielten das Geld sofort auf ihrem Account gutgeschrieben. Im Normalfall sollte das Geld dann innerhalb von 1-3 Werktagen vom Bankkonto der Betreffenden abgebucht werden. Zahlreiche Spieler aus den USA berichten allerdings, dass die Abbuchung nie stattgefunden hat. Sie hatten ein Guthaben in ihrem Poker-Account, für das sie gar nichts bezahlt hatten.

Der Vorfall ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Jetzt hat die Aussage von Bradley Franzen für Aufklärung darüber gesorgt, wie groß die dadurch entstandene Finanzlücke tatsächlich ist. Franzen war einer der Mittelsmänner, die dafür sorgten, dass die drei großen angeklagten Pokerräume reibungslos Geld transferieren konnten. Franzen hat sich schuldig bekannt.

Laut seiner Aussage akzeptierte Full Tilt Deposits von Spielern über längere Zeit, obwohl man die Zahlung mangels eines Finanzdienstleisters gar nicht abwickeln konnte. Full Tilt ließ damit seine Kunden in der Hoffnung auf Kredit spielen, die gutgeschriebenen Summen später von deren Bankkonten abbuchen zu können. Offenbar versuchte man hier, sich Spieler zu sichern, von denen PokerStars keine Einzahlungen akzeptierte.

Es handelte sich also nicht um ein Versehen oder einen Computerfehler, wie zunächst angenommen wurde. Laut Franzens Schätzung beläuft sich die entstandene Schadenssumme auf rund $60 Mio.

Anfang März begann Full Tilt, die vorgestreckten Gelder von den Spielern einzusammeln. Tausende von Spielern erhielten eine Email (siehe Bild oben), in denen sie darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie eine Abbuchung zu erwarten hätten und deshalb Vorsorge treffen sollten, dass ihre Konten entsprechend gedeckt sind. Wenige Tage später erfolgte dann der Zugriff.

Viele Empfänger der Email fürchteten einen Spamangriff oder glaubten, dass sie die Mail fälschlicherweise erhalten hatten. Einige änderten sofort ihre Bankdaten oder räumten die Konten. Andere glaubten, einem Hackerangriff zum Opfer gefallen zu sein, als ihre Konten plötzlich Fehlbeträge aufwiesen.

Laut Angaben eines FT-Mitarbeiters löste die Aktion eine Welle von Beschwerden aus. Dennoch wurden unbestätigten Meldungen zufolge 70% der Abbuchungen erfolgreich durchgeführt. Dann kam es jedoch zu den Ereignissen des Schwarzen Freitag, und alle Zugriffe von FT wurden komplett blockiert.

Den Spielern ist durch das Vorgehen Full Tilts zu keinem Zeitpunkt ein Schaden entstanden – im Gegenteil. Wer sein Konto rechtzeitig leergeräumt – und sich damit ungerechtfertigt einer Zahlung entzog, die er selbst in Auftrag gegeben hatte, spielt seit einiger Zeit vermutlich völlig umsonst auf FT. Allerdings könnten die aufgetretenen Auszahlungsschwierigkeiten von FT teilweise den fehlenden Einzahlungen geschuldet sein.

$60 Mio. sind auch für ein Unternehmen wie Full Tilt keine Kleinigkeit.

Quelle und Links zu Franzens Aussage sowie die Pressemitteilung des Bezirksstaatsanwalts: subjectpoker.

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