„FTPDoug“ - ein Rattenfänger von Hameln?

rattenfaenger

Es war der Account auf 2+2 auf dem vor und nach dem Black Friday die wichtigsten FullTilt-Statements um den Planeten tickerten. Nach Meinung vieler trugen die Beschwichtigungen und Falschdarstellungen von „FTPDoug“ dazu bei, dass außerhalb der USA noch länger auf FullTilt gespielt wurde und ein Großteil der Klienten die wirkliche Lage um ihre Bankrolls völlig unterschätzte.

Nun hat sich der Mann hinter dem Account-Namen geoutet: Ein Ire namens Shyam Markus gleich zusätzlich bekannt, bei New FullTilt Poker als Poker Room Manager zu arbeiten. In der Szene wird nun leidenschaftlich darüber diskutiert, ob das akzeptabel ist.

Shyam Markus ist das, was man im Englischen einen „Yes-Man“ nennt. Er macht zuverlässig seinen Job. Fragen nach dem Wie und Warum bleiben in der Regel aus. Bei FullTilt kümmerte er sich schon vor dem Black Friday um einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Von 2006 bis Mitte 2008 hatte er sich die Autorenschaft des Accounts „FTPDoug“ noch mit einem Kollegen geteilt. Danach postete nur noch er selber, und das anonym.

Nicht Besonderes eigentlich. Wenn man mal davon absieht, dass der 2+2-Account „FTPDoug“ für FullTilt nach dem Black Friday eine Art Sprachrohr für die internationale Poker-Community darstellte. Was hier gepostet wurde, galt als offizielles Statement. Was hier versprochen wurde, galt als wahr.

full tilt fragezeichen

Was danach passierte, ist bekannt. Und dass vor allem noch viele Nicht-Amerikaner in den Wochen nach dem Black Friday fahrlässig mit einem Großteil ihrer Bankroll jonglierten und auf FullTilt weiterspielten, daran hatte „FTPDoug“ keinen unwesentlichen Anteil.

Der Anonymus spielte – ähnlich wie der Rattenfänger von Hameln - auf seiner Flöte das Lied vom gesunden und ungefährdeten FullTilt und ein Großteil der Community folgte ihm ins Verderben.

Nun hat sich der Ire Shyam Markus also als Besitzer des Accounts geoutet und gleichzeitig mitgeteilt, dass er seinen Job auch unter PokerStars als Poker Room Manager behalten will.

Ist der Mann noch haltbar? Blicken wir zurück auf das, was Markus an Unwahrheiten bewusst verbreitet hat und wie ehrlich er sich jetzt um Aufklärung bemüht. Denn davon wird in Zukunft viel bezüglich seiner Glaubwürdigkeit abhängen.

„FTPDoug“ trat nach dem Black Friday erstmals am 28. April in Erscheinung. Während man in seiner Firma eine Woche lang beharrlich zu den Vorkommnissen geschwiegen hatte, bereitete Konkurrent PokerStars längst die Auszahlung seiner US-Spieler vor.

Die lapidare Aussage von „FTPDoug“ lautete: „Die Auszahlung der US-Spieler genießt bei uns oberste Priorität. Wir arbeiten unter Hochdruck daran.“ Ein erstes Update zu dieser Null-Aussage wurde für eine Woche später versprochen. Für viele das erste Vorzeichen eines drohenden Untergangs. Doch „FTPDoug“ postete in den Wochen danach eine Durchhalteparole nach der anderen in seinen Thread. 

Prämien, wie Iron Medals, FTP Points und unbezahlter Rakeback würden erst in Cash transformiert und dann sicher, schon bald, noch vor dem allgemeinen Cashouts vorgenommen. Auf die direkt gestellte Frage, „Ist FullTilt bankrott?“ antwortete „FTPDoug“: „Nein. FTP-Business ist weltweit in gesunder Verfassung und trotz einiger kurzfristiger Herausforderungen operieren wir ganz normal.“

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings schon klar, dass das Geld auf den noch verfügbaren Spielerkonten längst zur Auszahlung von Shareholdern und der Finanzierung des operativen Geschäfts verwendet wurde. In Brasilien wurde die Auszahlungsoption gestrichen und auch die Moneybookers-Option war weltweit nahezu nirgends mehr verfügbar.

guttenberg
"...Full Tilt operiert ganz normal."

Selbst das DOJ analysierte später in einer Studie, dass einige Posts von „FTPDoug“ nachweislich dazu geführt haben, dass Non US-Spieler bezüglich ihrer Bankroll unnötige Risiken eingegangen sind.

Shyam Markus hat diesbezüglich kürzlich eine Erklärung abgegeben. Darin heißt es: „Ich wurde gefragt, ob ich diese Meldungen, die ich zumal meist nicht selber geschrieben hatte unter meinem Account posten könne. Ich fand das unproblematisch.

Außerdem habe ich nie geglaubt, dass Aussagen der Posts zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht der Wahrheit entsprachen.“

Ein schmales Statement des „Yes-Man“ Shyam Markus, das genau betrachtet einmal mehr keine Antworten gibt. Markus wird in Zukunft vielleicht mal wieder in die Position geraten, wo sein Wort weit reichende Konsequenzen für Hunderttausende von Spielern haben könnte.

Bis dahin sollte er sich vielleicht folgende Fragen gestellt haben: Warum hast du die Aussagen nicht genauer auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft? Warum hast du deinen Namen für diese Statements hergegeben? Warum bist du für so lange Zeit anonym geblieben? Und: Wie würdest du dich in der gleichen Situation heute verhalten?

 

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