"Fünf Bracelets gehen nach Deutschland!"

Michael Keiner
Kapitän beim Nations Cup im Herbst - Michael Keiner.

2. Teil des Interviews mit Michael Keiner: Warum die CAPT so beliebt ist und wieso die Erfolge bei der EPT erst der Auftakt für eine erfolgreiche deutsche Bilanz bei der WSOP waren. Außerdem: Was war da los in Dortmund?

 

PL: Was macht die CAPT denn so außergewöhnlich?

MK: Die Turniere in Österreich sind einfach immer hervorragend organisiert. Edgar Stuchly (CAPT-Manager, Anm. d. Red.) weiß genau, was die Spieler möchten und richtet sich auch danach. Auf der einen Seite gibt es neben den Turnieren immer gute Cash Games auf verschiedenen Limits, auch Omaha-Tische, und es sind auch immer Tische verfügbar. Das Rake ist zwar mit bis zu €15,- etwas zu hoch, aber das wird durch viele Kleinigkeiten wieder wettgemacht.

PL: Zum Beispiel?

MK: Spieler erhalten beispielsweise Soft Drinks gratis, in manchen Casinos sogar ein Glas Bier oder Wein, oder es gibt ein paar Mitternachtssnacks, Obst, alles Mögliche. Das sind alles keine wichtigen Dinge, aber sie machen einem den Aufenthalt eben doch sehr angenehm. Wenn ich da an Dortmund und die unsägliche Verpflegungspauschale danke...

PL: Dazu kommen wir noch. Sie kommen dann natürlich auch zur Poker EM in Baden/Österreich im Oktober?

MK: Selbstverständlich. Ich bin ja schließlich auch noch Kapitän des deutschen Teams beim Nations Cup.

PL: Und wer wird sonst noch dabei sein?

MK: Ganz sicher ist das noch nicht. Wahrscheinlich Sebastian Ruthenberg, Katja Thater und Alexander Jung. Es müssen eben Spieler sein, die gute Allround-Fähigkeiten haben, denn jeder muss ja in drei verschiedenen Disziplinen antreten. Übrigens genau in den drei, die ich vorhin im Zusammenhang mit der WSOP genannt habe.

PL: Bleiben wir noch einen Moment in Europa. Einige Spieler waren mit der Organisation der EPT Dortmund in Hohensyburg nicht ganz zufrieden.

MK: Das ist die bei weitem höflichste Beschreibung, die ich bisher über dieses Chaos gehört habe. Das fängt schon damit an, dass man neben den ja beträchtlichen Startgebühren auch noch eine saftige Verpflegungspauschale bezahlen muss, und als wäre das nicht genug, bezahlt man tatsächlich auch noch Eintritt. Wenn es Ihnen also gelingt, einen Tag zu überstehen, werden Sie am folgenden Tag bestraft, weil Sie dann ja wieder Eintritt bezahlen müssen. Und ich weiß gar nicht, wie viel Cola ich trinken muss, um 25,- Euro Pauschale zu verbrauchen.

PL: Bei den hiesigen Casinopreisen? Wahrscheinlich zwei.

MK: Stimmt auch wieder. Und dann fängt das Turnier auch noch geschlagene anderthalb Stunden zu spät an. Es war von Anfang bis Ende eine Katastrophe, und ich bin froh, dass die EPT dort nie wieder stattfinden wird. Von dem Rebuy-Skandal ganz zu schweigen.

PL: Und das trotz der Moulin-Rouge-Tänzerinnen. Wo lägen denn Alternativen?

MK: Möglich wäre zum Beispiel Baden-Baden mit dem großen Kursaal, die Mutter der deutschen Casinos. Auch in Hamburg ließe sich etwas machen. Es ist einfach nur eine Frage der richtigen Organisation. Ich persönlich tippe aber eher auf Österreich.

PL: Und wo da?

MK: Das ist noch nicht spruchreif. Ich kann dazu nichts sagen.

PL: Nicht nur in Dortmund verlief die EPT-Saison mit drei Siegen für deutsche Spieler ja sehr erfolgreich.

MK: Und wie. Das war eine fantastische Saison.

PL: Sebastian Ruthenberg sagte auf die Frage nach den Gründen: „Variance is a bitch." War der Erfolg Zufall oder ist er das Ergebnis einer Entwicklung?

MK: Eindeutig letzteres! Wir haben in Deutschland inzwischen eine unglaublich breite und spielstarke Schicht von Spielern, die kaum schlechter ist als die Spitzenspieler. Spieler, die nach einem leicht erkennbaren Schema vorgehen, gibt es heute praktisch überhaupt nicht mehr. Ich bezeichne das gerne als „Vorsprung durch Technik".

PL: Was genau bedeutet?

MK: In der Entwicklung steckt viel typische deutsche Gründlichkeit. Während z. B. die Italiener sich einfach in die Casinos stürzen und Pokerbücher gar nicht erst in die Hand nehmen, setzen sich die Deutschen erst einmal in die Bibliothek, studieren und analysieren, nutzen die zahllosen Angebote im Internet, und dann setzen sie sich an die Tische. Deshalb kommt der Erfolg deutscher Spieler zwar etwas später, aber dafür umso nachhaltiger. Mit italienischen Verhältnissen ist das überhaupt nicht zu vergleichen. Die glauben, wer am meisten setzt, hat Recht. Es war geradezu vorhersehbar.

PL: Dann können wir von den deutschen Spielern auch ein paar gute Nachrichten von der WSOP erwarten? Vielleicht auch wieder von Ihnen? Immerhin gehören Sie dem ziemlich erlauchten Kreis deutscher Braceletgewinner an.

MK: Ich hatte in letzter Zeit so eine Art Bubble-Phase. Jedes Mal, wenn ich kurz vor den Geldrängen war, habe ich einen Coin Flip oder sogar mit pre-Flop deutlich dominierenden Händen verloren. So etwas ist natürlich immer bitter, aber als Pokerspieler muss man da eben durch. Vielleicht ist es ja jetzt in Las Vegas schon so weit. Auf jeden Fall wird es deutsche Erfolge geben. Auch wenn ich mich da weit aus dem Fenster lehne, behaupte ich: Fünf Bracelets gehen nach Deutschland.

PL: Vielen Dank für das Gespräch.

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