Marcel Luske und die FIDPA – wer kriegt es geregelt?

Marcel Luske, WPT Baden 2013
Erfolgreich, aber nicht genug - Marcel Luske und die FIDPA.

Die FIDPA hat ein Poker-Regelwerk erarbeitet, das Konflikten und Meinungsverschiedenheiten am Tisch weltweit ein Ende setzen soll. Kann sich das Konzept durchzusetzen?

Marcel Luske war schon als Gentleman und Poker-Original bekannt, als die meisten der heutigen Nerds und Stars noch Strampelanzüge trugen – und manche von ihnen scheinen das ehrlich gesagt auch immer noch zu tun.

Als „global Player“ beschloss Luske im Jahr 2007 gemeinsam mit der Vereinigung der Turnierdirektoren (TDA) , ein Problem anzugehen, das alle Spieler angeht, die weltweit unterwegs sind: unterschiedliche Casino-Regeln, die dazu führen können, dass es zu unnötigen Reibungen und Missverständnissen kommt.

Das Konzept der Federation Internationale de Poker Association (FIDPA) ist so einfach wie kraftvoll: die Einführung eines international angewandten Regelwerks. Seit 2008 liegt das Regelbuch vor, es besteht aus 81 Einzelregeln und ist kostenlos als Download auf der Webseite der FIDPA verfügbar.

„Ob man im Bellagio spielt oder im Wynn, oder in einem Turnier irgendwo auf der Welt, man ist immer von den Hausregeln abhängig“, beschreibt Luske die unbefriedigende, derzeitige Situation.

„Also muss man als Spieler überall, wohin man reist, neue Regeln lernen. Das Problem dabei ist nicht, dass die Regeln zu kompliziert sind, das Problem ist, dass es keine Kontinuität gibt.“

Das Wohl der Spieler steht für die FIDPA im Vordergrund, aber ein einheitliches Regelwerk wäre auch den Mitarbeitern förderlich, erklärt Luske.

fidpalogo
FIDPA-Logo.
 

„Mit einem überall geltenden Regelsatz könnten Dealer und Floormen weltweit arbeiten, wo immer sie möchten, ohne sich ihrer Kenntnisse unsicher zu sein und ohne an jedem Arbeitsplatz neu eingearbeitet werden zu müssen.“

Da sich die Gesetzgebung von Land zu Land teilweise deutlich unterscheidet, musste das Regelwerk mehrfach angepasst werden. Seitdem entschlossen sich eine Reihe nationaler Pokervereinigungen dazu, sich dem FIDPA-Regelwerk zu verpflichten.

Dazu gehören u. A. Deutschland, Großbritannien, Österreich, Italien, Dänemark, Finnland, die USA, Brasilien und der größte Teil Osteuropas.

Zu den bevorzugten Mitgliedern gehört allen voran das Bellagio in Las Vegas, das bereits seit fünf Jahren mit dem allgemeinen Regelwerk arbeitet, außerdem die Circus Groupe, die Australian Poker League (APL) und die Gruppe Holland Casino.

„Die Vereinigung der Turnierdirektoren (TDA), der Global Poker Index (GPI) und PokerStars spielen nach unseren Regeln.“

Trotzdem ist Luske mit den Ergebnissen nicht zufrieden.

„Als Spieler möchte ich Ärger mit dem Casino vermeiden und glaubwürdig sein. Das ist keine Frage des Geldes, es ist eine Frage des Prinzips, des Respekts und des gesunden Menschenverstands.

Das Problem besteht ja nicht darin, dass die Veranstalter und Turnierleiter nicht bereit wären, ein einheitliches Regelwerk anzuwenden. Das Problem ist, dass sie nicht zusammenarbeiten.

Wenn ein Unternehmen eine Neuerung einführt, sagt die Konkurrenz sofort, ‚wenn die das machen, machen wir es nicht‘. Die FIDPA kann hier als Katalysator fungieren, als neutrales und verbindendes Element.

Beispiele dafür, wie wertvoll Einheitlichkeit sein kann, gibt es in großer Zahl.

Marcel Luske, WPT Baden 2013
"Es geht um Glaubwürdigkeit."
 

Geht beispielsweise ein Spieler all-in und muckt seine Hand dann sofort, wenn ein Call annonciert wird, ist eine Regel sinnvoll, nach der alle involvierten Spieler ihre Karten zeigen müssen.

Ansonsten wäre dem Chip-Dumping Tür und Tor geöffnet.

Oder nehmen wir die Frage, wann ein Spieler am Tisch zu sein hat, damit seine Hand nicht für tot erklärt wird. Bei der ersten gegebenen Karte? Nach der letzten?

Theoretisch könnte ein Spieler, der z. B. gerade aus dem Waschraum zurückkehrt, einem Gegner in die Karten sehen, während er gerade um den Tisch geht, um zu seinem Platz zu gelangen.

Um eine solche Situation auszuschließen, wird in den FIDPA-Regeln statuiert, dass ein Spieler an seinem Platz sitzen muss, wenn das Kartengeben beginnt.

Allerdings folgt nicht jedes Casino dieser Regel.

„Wenn imDer der Ball über die Linie läuft, ist das Aus. Egal, in welchem Land man sich befindet. Warum sollte für Poker nicht dasselbe gelten?“, fragt Luske.

Eigentlich hat der Poker-Grandseigneur die Antwort bereits selbst gegeben.

Poker, das steht außer Frage, kann von einer vereinheitlichten Regelung profitieren, aber es wird schwierig bleiben, allgemeine Akzeptanz zu erreichen.

Der Konkurrenzkampf auf der einen Seite und die egozentrische Grundhaltung von Spielern und Veranstaltern dieses hoch individualisierten Spiels auf der anderen Seite verhindern ein schnelles Arrangement.

Solange sich diese Einstellung nicht ändert, wird es die FIDPA weiterhin schwer haben, Poker unter einem einzelnen, globalen Dach zu einen.

Möge das Regelwerk auch noch so gut konzipiert sein.

Über den Autor: Dirk Oetzmann
Dirk Oetzmann ist leitender Redakteur bei PokerListings/Europa.

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