Fedor Holz – Jenseits des Tellerrands

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Fedor Holz ist bisher vor allem durch eine Charity-Aktion und sein Globetrotterleben aufgefallen. Bei der EPT in Barcelona legte er allerdings einen Hot Run hin und gewann kurz hintereinander einen Seat für den €50.000er Super High Roller, einen €2.000er Side Event und €25.000 für einen weiteren vierten Platz. Wir unterhielten uns mit dem Kölner über Reisen und Projekte sowie seine außergewöhnlichen Erfolge als Staker.

PZ: Fedor, man sagt, du hättest im vergangenen Jahr sehr erfolgreich Staking betrieben und seist mittlerweile einer der erfolgreichsten Backer in der Szene überhaupt. Was ist dran an diesem Gerücht?

FH: Einiges. Ich habe vor einem Jahr mit dem Staking angefangen, und ich will nicht zuviel verraten, aber ich hatte mit der WCOOP 2013 einen gigantischen Start.

Mein Plan war, ein paar Leute an die Hand zu nehmen, sie zu coachen und nach vorn zu bringen. Ich hab mir die Leute auf den Midstakes herausgesucht, sie kontaktiert und relativ schnell gemerkt, ob das passt oder nicht.

Mittlerweile kenne ich sie nicht nur alle persönlich, sondern es ist auch allen der Sprung zu den High Stakes geglückt. Wir sind alle sehr zufrieden, wie das mit dem Staking insgesamt gelaufen ist.

PZ: Wie bist du ausgerechnet auf dieses Poker-Segment? Das ist ja hochspekulativ und damit ziemlich riskant.

FH: Staking ist insgesamt eine komplexere Angelegenheit als man denkt. Und genau diese Komplexität liegt mir. Ich könnte mehr Geld verdienen, wenn ich nur Stunde für Stunde coachen würde.

Da habe ich ja den entsprechenden Background zum Beispiel als RunItOnce-Coach. Aber mir geht es um das größere Bild.

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Casa Esperanze - Hilfsprojekt in Chile.

Ich will die Spieler eigentlich viel umfassender begleiten und dabei auch ein engeres Band auf der persönlichen Ebene knüpfen.

Daraus entsteht dann eine ganz eigene Loyalität. Selbst einer meiner bisher größten Volltreffer, der die Sunday Million und einige weitere Turniere gewonnen hat und eigentlich kein Staking mehr braucht, hält mir da die Treue und räumt mir immer noch Vorkaufsrechte ein.

PZ: Gab es Vorbilder für deine Art des Stakings? Zum Beispiel der Russe Max Katz?

FH: Der gerade nicht. Die Russen hatten lange Zeit ein gutes Konzept. Nur ging es dabei mehr um Prozente, die vor allem durch den Einsatz von großen Summen Gewinne brachten.

Aber so groß kann ich nicht spielen. Und mir geht es eben auch darum, die Spieler qualitativ und menschlich nach vorn zu bringen.

Wenn du es zum Beispiel mit Fußball vergleichst, würde ich mich eher als Manager und Trainer sehen, während sich Leute wie Max Katz eher als Sportwetter betrachten. Vielleicht mach ich am Ende nicht so viel Gewinn, aber es macht mir auf meine Art und Weise auch mehr Spaß.

Meine Vorbilder sind eher Leute wie Elio Fox oder Calvin Anderson. Die sind vor allem auch gute Ausbilder. Da kenne ich die Spieler, die sie staken.

Und ich weiß auch, dass sie eine enge Bindung zu ihren Stakees haben. Und das ist genau auch mein Ansatz.

PZ: Du warst hier in Barcelona bisher extrem erfolgreich. Sind das die Früchte langer, harter Arbeit?

Innerlich hat wohl jeder Spieler diese Erwartung und dieses Gefühl, dass einem nun endlich Gerechtigkeit widerfährt (lacht).

Fedor Holz
Fedor Holz bei der WPT in Baden 2013.

Aber genau auf diese Art von Denken hab ich in den vergangenen zwei Jahren mein Augenmerk gelegt. Das sind eigentlich für Poker riskante Emotionen, von denen man da besetzt wird.

PZ: Du hast hier ein €50.000er Super High Roller gespielt. Ist das schon deine Kragenweite? Oder wie weit sind Gruissem, Reinkemeier & Co qualitativ noch entfernt?

FH: Das kann ich momentan noch gar nicht so genau einschätzen, da ich erst zwei dieser ultrateuren Turniere mit ihnen gespielt habe.

Aber sie haben denselben Denkansatz wie ich. Sie experimentieren mit Meditation und autogenem Training, lesen viel und denken auch über den Tellerrand der reinen Poker-Theorie hinaus.

Sie haben einfach verstanden, dass Poker nicht nur das Spielen, sondern vor allem auch der Mensch dahinter ist. Unter diesen Aspekten betrachtet, sind sie auf jeden Fall Vorbilder.

PZ: Vorbilder scheinen sie in jedem Fall auch bezüglich ihrer Charity-Aktivitäten zu sein. Du hast über ein eigenes Projekt selber knapp 50.000 Dollar gesammelt. Wo geht das Geld hin?

FH: Das Geld geht an die Organisation „Casa Esperanza“ in Valdivia/ Chile. Das ist Einrichtung für Kinder, die ihre Familien verloren haben oder in furchtbarer Armut aufwachsen.

Das ist in Chile ein Riesenproblem. Wir wollen von dem Geld letztlich ein Kinderheim bauen. Das Ganze hat gerade erst angefangen und wir suchen noch nach einem richtigen Haus am richtigen Ort. Ein zweites Haus nehmen wir in Angriff, sobald die ersten Erfolge sichtbar werden.

PZ: Charity-Projekte von Pokerspielern scheinen ja regelrecht zu einer Mode geworden zu sein?

FH: Das stimmt. Ich denke, dass die meisten Pokerspieler ein großes Herz haben, nur über solche Dinge bisher überhaupt nicht nachgedacht haben.

Philipp Gruissem uganda
Vorbild Philipp Gruissem - Motivation durch Hilfe.

Ich habe für mich entschieden, dass diese Art von Verantwortung zu meinem Leben dazu gehört.

Ich hab einfach gemerkt, dass ich einfach motivierter bin, wenn ich andere Menschen mit einbinden kann, mehr Spaß habe und einer gewissen inneren Leere entgehe, von der in letzter Zeit ja in Verbindung mit Poker oft die Rede ist.

PZ: Zum erfüllten Pokerleben scheint für dich ja auch eine gewisse Rastlosigkeit zu gehören. Du bist eigentlich permanent auf Reisen.

FH: Ja, meine große Leidenschaft. Und Poker hat es ermöglicht. Im Blut hab ich das durch meine junge und abenteuerlustige Mutter, mit der ich schon als Kind viel unterwegs gewesen bin.

Allerdings versuche ich Reisen und Poker soweit es geht auseinanderzuhalten. Wenn ich Poker spiele, dann jedes Turnier was angeboten wird.

Aber ich umgebe mich eben auch gern mit Menschen, die mit Poker gar nichts zu tun haben. Ich war jetzt kürzlich zum Beispiel sechs Wochen in Südamerika, und da hab ich keine einzige Hand gespielt.

Interview: Christian Henkel und Dirk Oetzmann

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