Face the Ace - Langeweile für Fortgeschrittene

face the ace
Kein Ass im Ärmel.

Groß angekündigt und durchaus mit guten Ansätzen, ist die neue Poker Heads-up Show „Face the Ace" leider eine Enttäuschung, die zurecht fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Und das trotz - oder wegen - Sopranos-Gastgeber Steve Schirripa.

Die Amerikaner sind den Europäern ja bekanntlich immer einen Schritt voraus und haben deshalb die erste Heads-up-show mit Online-Qualifikanten ins Fernsehen gebracht. „Stimmt gar nicht", rufen da manche schon zurecht, denn die Full Tilt Heads-up Challenge hat ja schon mehrere Ausgaben hinter sich, und da auch bei NBC ausschließlich Mitglieder der Full Tilt Pro Teams antreten, darf man die Sendung getrost als Kopie betrachten.

Das muss an sich noch nichts Schlechtes sein, ist den deutschen Zuschauern die Ausgangslage dadurch schon hinlänglich bekannt: Ein Amateurspieler, der sich online qualifiziert hat, darf gegen einen Profi antreten. Vier davon verbergen sich hinter den verschlossenen Türen, von denen der Herausforderer eine wählen muss. Hervortreten wird dann eine der folgenden Personen: Patrik Antonius, Andy Bloch, Allen Cunningham, Chris Ferguson, Phil Gordon, Gus Hansen, Jennifer Harman, Phil Ivey, John Juanda, Howard Lederer, Erick Lindgren, Mike Matusow, Huck Seed, Erik Seidel, oder Gavin Smith. Mit anderen Worten, hinter jeder Tür lauert der Zonk.

Howard Lederer
Die Nerven zum Zerreißen gespannt - Howard Lederer.

Gelingt es dem Amateur, eine Runde zu gewinnen, darf er $40.000 mit nach hause nehmen oder um $200.000 gegen einen weiteren antreten. In einer möglichen dritten Partie geht es dann um die berüchtigte Million Dollar. Oder gar nichts, denn sollte ein Profi gewinnen, wird eine wohltätige Institution mit Geld bedacht. Natürlich nur mit $10.000, soviel sollen Benachteiligte denn auch wieder nicht bekommen. Und der Kandidat muss ja sowieso gegen die Wohltätigkeit antreten, an sich schon mal eine undankbare Ausgangsposition. Die Amerikaner verstehen eben was von sozialer Gerechtigkeit.

Eingeleitet und moderiert wird die Sendung von Steve Schirripa, ansonsten als Bösewicht aus den Sopranos bekannt und inzwischen in Las Vegas ansässig. Er begrüßt den ersten Kandidaten, einen ehemaligen Marine- und Navy-Soldaten, der auch schon mal angeschossen worden ist (kommt beim amerikanischen Publikum immer gut an), zunächst mit einigen launischen Worten zu dessen Übergewicht und stellt ihn dann seiner hübschen hawaiianischen Assistentin vor. Das hört sich dann so an:

Schirripa: „Das ist Megan aus Hawaii. Warst du schon mal auf Hawaii?"

Kandidat: „Ja."

Schirripa: „Da sehen alle so aus wie Megan, wusstest du das?"

Kandidat: „Ja."

Schirripa: „Sieh sie nicht so an, als hätte sie ein Kotelett um den Hals hängen. Du sabberst mich gleich voll, Kumpel."

Hübsche hawaiianische Assistentin: „Hi hi hi."

Der (un-)glückliche Kandidat ist ein echter Abenteurer. Sollte er die Million gewinnen, gäbe er seiner Mutter und seiner Schwester etwas und kauft sich vom Rest ein Auto. Er erwischt ausgerechnet Phil Ivey, nimmt ihm jedoch in nur drei Händen alle Chips ab, da er zunächst Asse und in der dritten Hand Damen erhält. Ivey wirkt im Übrigen ungefähr so motiviert wie ein Beamter kurz vor Feierabend, was auch daran liegen könnte, dass der Kandidat ihn nur danach fragt, wann er denn das WSOP Main Event gewinnt, als ob seine anderen sieben Bracelets keinerlei Bedeutung hätten. Jedenfalls zeigt sich der Ex-Soldat von seiner eigenen Leistung während der dreiminütigen Partie so beeindruckt, dass er es gar nicht erst auf eine zweite ankommen lässt.

Der zweite Kandidat ist nicht nur noch dicker und darf sich deshalb ebenfalls ein paar besonders lustige Sprüche anhören, er schlägt auch Erick Lindgren und setzt sich danach auch noch gegen Howard Lederer durch und wird in der folgenden Episode um die Million spielen. Trotzdem ist die gesamte Sendung ungefähr so aufregend wie das einstige Testbild. Da nützen auch die bemühten Konversationsversuche von Lederer und Lindgren nichts. Untermalt von alberner „Wer-wird-Millionär-Musik" und begleitet von einem widerwillig klatschenden, geschätzte 15 Personen zählenden Studiopublikum entwickelt Face the Ace den Charme einer nächtlichen Quizsendung, und Schirripas Moderation bewegt sich etwa auf demselben Niveau, sodass er durchaus auch fragen könnte: „Nennen Sie eine Autofirma mit zwei Buchstaben, die mit „V" beginnt und den Golf herstellt."

Pokerspieler lernen hier nichts und werden auch nicht unterhalten, aber für sie ist die Sendung ohnehin nicht gemacht, wie sonst ließe sch erklären, dass die möglichen Outs in einer All-in-Showdown-Situation extra alle eingeblendet werden? Nicht-Pokerspieler werden sich nach dieser Show wahrscheinlich aber eher Bridge zuwenden, weil sie sich dort mehr Action versprechen. Die weiteren Folgen finden Sie auf pokertube.com (wenn Sie möchten).

 

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