Fabio Sperling: „Wie ein Strategiespiel“

Fabio Sperling

Fabio Sperling ist Deutschlands Turnierspieler der Stunde. Jedes Turnier, was er momentan anfasst, scheint zu Gold zu werden. Hier in San Remo hat er es nun schon wieder in den dritten Tag geschafft. Wir sprachen mit dem Siegburger über das Phänomen des „Laufes“, seine bevorzugten Onlineturniere und die drei Spieler, die er momentan am meisten bewundert.

PZ: Fabio, ist das was du gerade erlebst der berühmte „Hot Run“?

FS: Oder mit anderen Worten: ein Upswing. Man trifft gut und dann kommt das Selbstbewusstsein dazu.

Man spielt einfach öfter ganz cool einen Bluff durch, wo man ansonsten gedacht hätte: Nein, das kann ich jetzt nicht machen, weil das Turnier zu wichtig ist. Man ruft eben ansonsten nicht immer sein A-Game ab.

Das ist es vor allem, was einen sogenannten Lauf ausmacht. Fühlt sich ausgezeichnet an. Ich hoffe, das geht noch eine Weile so weiter.

PZ: Braucht man große Gewinne, wie du sie kürzlich hattest, um in einer Pokerkarriere wirklich voranzukommen?

FS: Man braucht einfach den großen Cash, um dauerhaft in der Liveszene antreten zu können. Vorher musst du dich qualifizieren oder du verkaufst eben immer zu viele Anteile, um quasi ein Freeroll zu bekommen.

ept monaco
EPT Monaco - weil ich da immer schon mal hin wollte.

Aber die Nebenkosten auf diesen Stopps sind ja immens, die muss man mit einberechnen. Flüge, Hotels etc, das kostet richtig Geld.

In der Beziehung ist es für Spieler wie mich oft viel profitabler online zu spielen, obwohl man davon träumt durch die Welt zu reisen.

PZ: Ist San Remo die erste EPT in die du dich 100% selber eingekauft hast?

FS: Ja, die erste. Ich hab vorher immer versucht das volle Paket zu gewinnen, um auch gleich das Hotel inklusive zu haben. Ich hab bisher 6 oder 7 EPTs gespielt. Richtig gut gelaufen ist es allerdings nie.

PZ: Jetzt spielst du bankrolltechnisch allerdings in einer anderen Liga. Wie wirkt sich das auf deine Limits aus?

FS: Ich würde gerne vorwiegend live spielen, sehe aber viel mehr Value bei Online MTTs. Ich spiele 15 Stunden am Tag und hab dabei bis zu 30 Tische gleichzeitig offen.

In den vergangenen zwei Wochen habe ich mal versucht auf höheren Limits zu spielen. Aber eigentlich nur zum Spaß. Auch jetzt bevorzuge ich die $10 bis $50-Turniere.

PZ: Und was wirst du in Zukunft live spielen?

FS: Nur Stopps, die ich für profitabel halte, wie San Remo oder Deauville. Und ansonsten die, wo ich gern mal hinreisen würde, Monte Carlo zum Beispiel.

Da hab ich mich dieses Jahr sehr angestrengt das Paket zu gewinnen. Einfach nur, weil ich da mal hin möchte.

Wenn ich das Paket übrigens nicht gewonnen hätte, hätte ich auch San Remo nicht gespielt.

PZ: Und die mittleren Turniere, wie die der Eureka Poker Tour?

FS: Ja, die sind durch die Bank weg super. Allerdings musst du da eben auch darauf achten, ob du mit den Reisekosten hinkommst.

Wenn du ein €1.100 Buy-In hast, musst du schon fast unter die Top 18 kommen, damit sich das lohnt.

PZ: Keine Pläne mal in die Liga von Kurganov, Gruissem und Reinkemeier vorzustoßen?

FS: Da schaue ich mit Bewunderung hin. Aber ich denke nicht, dass ich diese Limits profitabel spielen kann.

PZ: Also noch nicht völlig angstfrei. Beim Jubiläumsturnier der Sunday Million und auch in Wien ging es um richtig große Beträge. Wann fängt die Hand da an zu zittern?

ole schemion neil stoddart
Größte Vorbilder: U. A. Ole Schemion.

FS: Bei so 25 bis 30 verbliebenen Spielern. In Wien, wo ich 29. geworden bin, ging es gerade los und bei meinem Online-Cash hab ich auch ab diesem Stadium des Turniers gemerkt, wie einen doch eine immense Aufgeregtheit befallen hat.

Dabei geht es gar nicht so stark darum, dass man denkt man wird reich. Das wäre sowieso eine Katastrophe, weil man dann ja mit Tells nur so um sich schmeißen würde.

Man kommt vielmehr in die Zone, wo man einfach das Optimale an Gewinn aus so einem Turnier rausholen muss. Das ist dann schon der Druck, optimal performen zu wollen.

PZ: Und was machst du dann?

FS: Ich versuche das wie ein Strategiespiel anzugehen. Triff die Entscheidung, die dem Gegner die meisten Probleme bereitet. Das fällt leichter, wenn man einen „Lauf“ hat. (lacht)

PZ: Welche Strategiespiele kommen dir da in den Sinn?

FS: Schach. Mag ich sehr und hab das als Kind und Jugendlicher viel mit meinem Opa gespielt.

PZ: Denkt man nach all den Erfolgen darüber nach Deutschland zu verlassen?

FS: Darüber muss man ab einem bestimmten Zeitpunkt der Karriere nachdenken. Rein aus professionellen Gründen. Ich tue das. Aber es ist noch nichts konkret.

PZ: Keine Pläne für ein „normales“ Berufsleben?

FS: Ich hätte gerne noch einen anderen Job gefunden, aber als ich die Schule abgeschlossen hatte, verdiente ich schon eine Menge Geld mit Poker.

Ich hab mich ein paar Mal beworben, aber die Dinge die mich interessiert hätten, haben nicht geklappt.

Dann war es klar, dass ich es mit dem versuche, was mir zu dem Zeitpunkt am meisten Spaß gemacht hat. Und das war und ist Poker.

PZ: Deutschland hat momentan eine ganze Armee von Weltklasse-Turnierspielern. Wen bewunderst du am meisten?

FS: Ole Schemion, Thomas Mühlöcker und Martin Finger.

PZ: Kennst du sie persönlich?

FS: Nicht wirklich. Aber vielleicht sorgen ja meine guten Ergebnisse dafür, dass ich in Zukunft öfter die Möglichkeit bekomme mit ihnen über Poker zu diskutieren.

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