Experte vor Gericht – „Poker ist kein Glücksspiel“

randal heeb

Yale-Professor und Bracelet-Träger Randal Heeb sagt in Brooklyn für den Organisator privater High Stakes Partien aus. So jemand könnten wir auch brauchen.

Wenn man in Deutschlad doch bloß mal auf Fachleute hören würde, die sich tatsächlich auskennen.

In Brooklyn läuft derzeit ein Gerichtsverfahren gegen einen gewissen Lawrence DiChristina. Ihm wird vorgeworfen, illegale High Stakes Pokerpartien auf Staten Island organisiert zu haben, an dem auch Spielr aus New York und New Jersey teilnahmen.

Illegal sind diese Partien allerdings nur dann, wenn Poker tatsächlich auch Gambling ist, also Glücksspiel.

Die Aussage des Professors

Letzte Woche rief Verteidiger Kannan Sundaram dann Randal Heeb in den Zeugenstand. Heeb hat an der amerikanischen Eliteuniversität in Yale unterrichtet, besitzt einen Doktor der Universität von Chicago und war vor einigen Jahren Professor des renommierten Wirtschaftsinstituts INSEAD in Frankreich.

Außerdem hat Heeb im Jahr 2002 ein WSOP-Bracelet gewonnen und erreichte vor einem Monat die Geldränge im $1000 Seniors Event. Auch am Main Event nahm er in diesem Jahr teil, schied aber an Tag 1 aus. Aus seiner Zeit in Frankreich hat der Hendonmob eine ganze Reihe von Cashes aufgelistet.

Der Mann weiß, wovon er redet.

Konsequenterweise machte Heeb seine Aussage per Video aus Las Vegas, wo er sich derzeit aufhält.

brooklyn courthouse
Das Gerichtsgebäude in Brooklyn, New York.

Heeb erläuterte, dass er „eine große Datenmenge“ ausgewertet habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass für Poker „Können Glück dominiert“.

Als Experte für Wirtschaft, Spieltheorie und Ökonometrie habe er für seine Untersuchungen 415 Mio. Online-Hände Texas Hold’em herangezogen. Ergebnis der Untersuchung: „Gute Spieler gewinnen mit überwältigend höherer Wahrscheinlichkeit als unbegabte Spieler.“

Dagegen seien andere Spiele ganz eindeutig dem Glücksspiel zuzuordnen: „Roulette ist eine reine Glückssache. Können spielt hier überhaupt keine Rolle.“

Dagegen sei Poker laut Heeb wegen seiner Komplexität und der Vielzahl möglicher Spielzüge geradezu eine experimentelle Spielwiese für Hochschulprofessoren. Heeb selbst erklärte, das Spiel im Rahmen seiner Vorlesungen an der School of Management in Yale eingesetzt zu haben.

Vergleichen wir damit Aussagen deutscher „Experten“: Der ehemalige Innenminister von  Rheinland-Pfalz Karl-Peter Bruch machte den Glücksspielcharakter von Poker an seiner eigenen Karriere fest. „Als ehemaligem Polizisten kann mir keiner erzählen, dass Pokern ein Geschicklichkeitsspiel ist - das ist ein absolutes Glücksspiel.“

Noch absurder klingt die Erklärung der Referentin für Suchtprävention Katja Schnell, die Glücksspiel in der Abwesenheit des Glücksfaktors erkennt: „Pokern ist und bleibt ein Glücksspiel… Gerade weil der Glücksaspekt in den Hintergrund gerückt wird, denken viele, dass sie den Ausgang des Spiels beeinflussen können.“ Kompetenz sieht anders aus.

Sehr interessant auch einmal mehr die Darstellung in der Bild-Zeitung. Dort prangen neben dem pokerkritischen Artikel des Kolumnisten Wagner Video-Clips, die „Pius‘ Pokerschule“ und das optimale Pokerface mit Pius und Boris Becker anpreisen.

Oder schauen Sie mal auf die Seite poker-verbot.de, wo das Verbot von Poker zwar propagiert wird, man aber kein Problem damit hat, dass auf der Startseite Pokerbücher bei Amazon propagiert werden.

poker paragraph
Recht oder Unrecht - eine Frage der Formulierung?

Aber zurück nach New York.

Zwei Stunden lang dauerten die Ausführungen von Randal Heeb. Richter Jack Weinstein zeigte sich durchaus beeindruckt, wollte die Anklage gegen DiChristina vorerst nicht fallen lassen.

„Es ist vielleicht eine Frage der Formulierung“, sagte Weinstein und äußerte durchaus Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der der Kongress Poker in die Reihe verbotener Glücksspiele einsortierte.

„Vielleicht war der Kongress nur peinlich berührt und hat Poker deswegen eingeschlossen, weil die Mitglieder selbst alles spielen“, kommentierte Weinstein und sorgte für einige Lacher im Publikum.

Das Gesetz, so Weinstein, sei hauptsächlich dafür da, von der Mafia kontrollierte Partien zu unterbinden. Allerdings gab der Richter zu, dass dieses Vorhaben bisher gescheitert sei und die Mafia einen Großteil des Spielbetriebs im Untergrund kontrollierte.

Das Verfahren wurde einstweilen vertagt. Zu den insgesamt 13 Angeklagten gehören auch zwei Feuerwehrmänner und ein Polizist.

Zu dem Gerichtsverfahren berichtet die NewYorkPost.

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