Erste Reaktionen und Beurteilungen des Ivey Urteils

Phil Ivey

Die Meinung in der Pokercommunity über den Crockford’s Fall war vor dem Prozess eindeutig und die Pros hielten Phil Ivey für unschuldig. Die Londoner Richter sahen das allerdings anders und werteten Ivey‘s Verhalten als Betrug. Wir haben die ersten Reaktionen und Expertenmeinungen zum Urteil, die allesamt darauf hindeuten, dass es sich um ein krasses Fehlurteil handeln könnte.

Für viele war der Fall eindeutig

Vor dem Gerichtsprozess am Mittwoch waren die meisten davon überzeugt, dass Phil Ivey im Recht ist und den Fall gewinnen würde.

Zumal Ivey lediglich darum gebeten hatte die Karten umzudrehen und mit demselben Deck weiterzuspielen, wodurch das Edge Sorting möglich wurde. Das Casino stimmte zu!

Deshalb sahen viele die Schuld ganz klar beim Casino, denn die Karten wurden vom Crockford's selbst ausgewählt und der Bitte Iveys wurde entsprochen.

Die einhellige Meinung war, dass es in der Verantwortung des Casinos liegt, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht möglich ist und falls es das Casino versäumt es nur legitim sei, wenn ein Spieler den daraus entstandenen Vorteil ausnutzt.

Barry Greenstein
Pokerlegende Barry Greenstein forderte schon vor dem Prozess öffentlich: "Crockford's muss Ivey auszahlen."

Zumal die Casinos nichts anderes tun. Sie verdienen ihr Geld damit, dass sie Spiele mit einem Hausvorteil anbieten.

Der Hausvorteil ist der statistische Verlust in Prozent auf den ursprünglich eingesetzten Betrag.

Dieser liegt je nach Spiel in der Regel zwischen 1,06 und 2,7 Prozent.

Das Ganze ging sogar soweit, dass gestandene Poker Pros wie Barry Greenstein öffentlich fordeten dass das Crockford’s Casino Ivey auszahlen muss.

Bestürzung über das Urteil

Überraschenderweise sah das der höchste Gerichtshof in London anders und entschied, dass das Vorgehen Iveys als Betrug zu werten sei und das Casino seinen Gewinn in Höhe von 9,76 Millionen Euro nicht auszahlen muss.

Doyle Brunson
"Das Urteil ist Bullshit, er hatte einen Vorteil, mehr nicht“, sagt Doyle Brunson.

Dementsprechend groß war das Unverständnis und die Bestürzung über das Urteil.

Als Erstes meldete sich niemand Geringerer als der „Godfather of Poker“ zu Wort: „Wenn Ivey verloren hätte, dann hätte er bezahlen müssen. Das Urteil ist Bullshit, er hatte einen Vorteil, mehr nicht.“

Auch Sorel Mizzi kann es nicht fassen und er hofft, dass Ivey Einspruch einlegt, da das Ganze sonst schlimme Folgen haben könnte. Wenn das Urteil rechtskräftig würde, dann wäre das aus seiner Sicht ein furchtbarer Präsedenzfall:

JC Tran stärkt Ivey ebenfalls den Rücken und kann das Urteil absolut nicht nachvollziehen: „Meiner Meinung nach ist das eine klare Fehlentscheidung. Phil Ivey hat die Karten weder ausgewählt, noch markiert. Die Fahrlässigkeit des Casinos sollte in dessen Verlust resultieren.“

Wie Experten die Entscheidung beurteilen

Das Bluff Magazine hat mit Mike Aponte, einem Mitglied des legendären MIT Blackjack Teams, und dem ehemaligen Sicherheitschef des Mirage, Rio und Hard Rock Casinos, Douglas Florence Sr., zwei absolute Fachleute gefagt, wie sie den Fall sehen.

Für Aponte ist der Fall ganz klar: “Das Ganze wurde durch Fehler von Seiten des Casinos überhaupt erst möglich. Da der Dealer kein Komplize war und mit Ivey nicht zusammengearbeitet hat ist es kein Betrug, sondern das konsequente Ausnutzen eines Vorteils. Die Tatsache, dass keine Klage eingereicht wurde beweist, dass das Vorgehen Iveys nicht unrechtmäßig war.”

Mike Aponte
"Die Tatsache, dass keine Klage eingereicht wurde beweist, dass das Vorgehen Iveys nicht unrechtmäßig war”, meint Blackjack Experte Mike Aponte.

Sicherheitsexperte Douglas Florence sieht den Fehler ebenfalls beim Casino: „Die von Ivey verwendeten Informationen waren allen Spielern zugänglich und das Casino hat die Karten ausgewählt und das Spiel erlaubt.“

Wenn selbst der ehemalige Sicherheitschef drei der größten Casinos in Las Vegas die Schuld auf Seiten des Casinos sieht, ist das am Mittwoch gefällt Urteil doch mehr als fragwürdig. Laut den Experten war das Vorgehen Iveys legal und das Spiel gültig.

Somit könnte es sich hier um ein klares Fehlurteil halten und wenn es dabei bleibt ein Präsedenzfall geschaffen worden sein, der fatale Folgen haben könnte, da dieser verbietet zur Verfügung stehende Informationen zu verwenden und Vorteile auszunutzen.

Das hätte die Konsequenz, dass die Rechte der Spieler enorm geschwächt, wenn nicht sogar verletzt würden. Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass Ivey Einspruch einlegt und der Fall noch einmal neu aufgerollt wird.

Iveys Sicht der Dinge

Im einem seiner seltenen Interviews mit CBS für die Serie „60 Minutes Sports“ sagt Ivey: „Einige Leute denken ich habe betrogen, ich weiß, dass dem nicht so war und deshalb habe ich Klage eingereicht.“

Zu guter Letzt gibt es noch einen Ausschnitt des neuesten Ivey Interviews:

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Hubi 2014-10-10 16:14:42

"Präsedenzfall"?!? -> bitte macht daraus einen Präzedenzfall!! Danke.