Erik Seidel – stiller Star am WPT Finaltisch

Erik Seidel
Derrzeit häufige Pose von Erik Seidel.

William Reynolds ist unter den letzten sechs der Spieler mit den meisten Chips. Cardplayer „Spieler des Jahres 2010“ Tom Marchese ist ebenfalls noch dabei. Die Aufmerksamkeit richtet sich aber auf einen der ganz großen im Pokerzirkus.

William Reynolds wurde in Europa durch seine Platzierungen bei der EPT San Remo (4.) und dem High Roller Event der PCA bekannt, und Tom Marchese hat ein so erfolgreiches Jahr erlebt, dass ihn die großen Magazine ebenso wie bekannte Spieler als Mann das Jahres feierten. Trotzdem: Die Schlagzeilen gehören einem großen, stillen Mann, der sich lieber im Hintergrund hält.

Dritter Platz beim $5k 6-max NLHE Event der PCA für $46k, Vierter des $25k High Roller Event für $300k, Dritter des noch Higher Roller $100k Event der Aussie Millions, Sieger der $250k Super High Roller Event an gleicher Stelle für $2,5 Mio., Fünfter des $5k Heads-up Events der Poker Classic in Los Angeles ($15k), Sieger des $25k High Roller Events ebendort ($145k), Sieger der $25k Heads-up National Championship in Las Vegas für $750k.

Das wäre eine schöne Lebensbilanz für einen Pokerspieler. Für Erik Seidel ist es die Bilanz der letzten drei Monate.

Seidel ist einfach nicht aufzuhalten in diesen Wochen. Jetzt ist ihm der Sprung an einen weiteren Finaltisch gelungen. Bei den Hollywood Poker Open in Indiana greift der achtfache Braceletgewinner nach seinem zweiten WPT-Titel.

Neben den Erfolgen bei der World Series hat Seidel auch bei der World Poker Tour schon eine Reihe guter Ergebnisse erzielt. Die letzten Resultate: Sechster beim $15k Bellagio Cup 2009, Zehnter bei den $10k Poker Championship in Ontario 2008, Gewinner de Main Events bei den Foxwoods Poker Classics im selben Jahr.

Im letzten Jahr erreichte Seidel außerdem drei Finaltische bei der WSOP (sowie einen 14. Platz), wurde Zweiter bei der NBC Heads-up Championship und gewann das $10k PLO Event der Aussie Millions. 2009: ein Finaltisch bei der WPT, drei bei der WSOP. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Die derzeitigen Erfolge von Erik Seidel sind also nicht das Resultat einer plötzlichen Leistungsexplosion. Vielmehr ist Seidel über die Jahre hinweg ein konstant extrem erfolgreicher Spieler gewesen. Er zieht nur nicht soviel Aufmerksamkeit auf sich wie die inzwischen in der ewigen Geldrangliste überholten Negreanu oder Ivey, er macht nicht soviel Wirbel um seine Erfolge wie ein Phil Hellmuth, und er redet nicht ständig Unsinn, um die Kameras auf sich zu richten wie ein Luke Schwartz.

Der in New York geborene Ex-Backgammon-Spieler tritt bis heute sympathisch, aber immer bescheiden auf. Dabei hat er genug erlebt, um ein ganzes Buch zu füllen. Mit Dan Harrington, Stu Ungar, Mickey Appleman, Steve Zolotow und Howard Lederer spielte er schon gemeinsam im Mayfair Club.

Später wandte er sich dem Aktienmarkt zu, wo er seine Leidenschaft für das Zocken entdeckte. Schließlich zog es ihn in den 80er Jahren nach Las Vegas. Heute gibt es nur vier Spieler, die mehr Bracelets gewonnen haben als er. Einer davon ist die „Legende“ Doyle Brunson. Wenn der Tag kommt, an dem Texas Dolly nicht mehr die „lebende Legende“ der Pokerwelt ist, wird Seidel der Einzige sein, der ernsthaft für denselben Titel in Frage kommt.

Vielleicht blieb die Karriere von Erik Seidel auch deshalb immer etwas im Schatten, weil einer der größten Momente seiner Laufbahn auch einer der tragischsten ist: die Falle, in die er beim Heads-up des WSOP Main Events 1988 gegen Johnny Chan tappte. Die Szene ist nicht nur ein Klassiker, sie wurde zusätzlich auch noch in Rounders verewigt.

Diese Szene kennt jeder Pokerspieler, aber kaum jemand weiß: Der WSOP Main Event 1988 war Seidels erstes großes Live-Turnier. Und er wurde Zweiter.

Heute Abend tritt Erik Seidel zum Finale der Hollywood Poker Open an. Er ist Dritter in Chips.

  1. William Reynolds, 1.169.000 Chips
  2. Mike Scarborough, 654.500
  3. Erik Seidel, 645.000
  4. Ali Eslami, 213.000
  5. Tom Marchese, 175.000
  6. Andy Whetstone, 80.500

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