Studie aus Rotterdam – Poker ist ein Skill-Game

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Drei Wissenschaftler der Erasmus School of Economics der Universität in Rotterdam haben den ersten Entwurf einer Studie mit dem Titel „Mehr als Glück? Die Nachhaltigkeit der Performance in Poker“ veröffentlicht. Die umfangreiche Untersuchung zeigt, dass Poker auf lange Sicht eindeutig von Können bestimmt wird. Über 400 Mio. Handsituationen wurden analysiert.

„Wir wollten einen Beitrag zur weltweit geführten Debatte über die Legalität von Poker und die angemessene Besteuerung der Gewinne liefern.“ Mit diesen Worten haben nun drei Wissenschaftler der Erasmus School of Economics eine umfangreiche Studie über den Skill-Faktor beim Poker veröffentlicht.

Die Doktoranden Rogier J. D. Potter van Loon und Dennie van Dolder sowie der Professor für Finanzwirtschaft Martijn J. van den Assem haben zwischen Oktober 2009 und September 2010 über 400 Millionen Online-Hände analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, „dass Geschick und Können entscheidende Faktoren für Online-Poker sind.“

Das Reizwort „Skill“ definierten die drei Niederländer dabei mit „alles, was außer dem Zufall die Leistung und die Ergebnisse eines Spielers beeinflusst.“

Insgesamt wurden über 600.000 Spieler beobachtet. Dabei kam es zur Auswertung von 76 Millionen Händen, in die durchschnittlich 5,4 Spielern involviert waren. Dadurch ergeben sich die mehr als 400 Mio. Situationen.

375.000 Spieler wurden auf so genannten Micro Stakes (BB $0,50), 222.000 Spieler auf Low Stakes ($2) und 38.000 auf Mid Stakes ($10) beobachtet.

In ihrem 36 Seiten umfassenden ersten Entwurf, in dem ebenfalls vergleichbare, frühere Studien seit 1944 diskutiert werden, analysierten die Wissenschaftler ihre Daten nach folgenden Gesichtspunkten:

David Sklansky
David Sklansky steht seit Jahren für gründliche Analysen.

1. SPM – das so genannte „Standard-Performance-Maß“ oder klassisch die „Win-Rate“. Hier wurden die durchschnittliche Anzahl der gewonnenen Big Blinds pro hundert Hände abzüglich des Rake ermittelt.

2. Hände: Hier wurde die Zahl der gespielten Hände erfasst. Diese Variable ist ein Schlüssel für die Erfahrung der Spieler und somit ein Indikator für deren Skill-Level.

3. Tightness: Hier wurde die Anzahl der Calls oder Raises im Preflop-Game ermittelt. Generell gilt, dass eine engere Handauswahl einen guten Spieler ausmacht.

Ständig nach „Action“ zu suchen, ist ein typischer Fehler. Hier wird die Profitabilität der eigenen Hand oft überschätzt.

4. Aggressivität: Hier wurden die eigenen „aktiven“ Moves eines Spielers gegen die Moves ins Verhältnis gesetzt, mit anderen Worten, die durchschnittliche Zahö der Situationen, in denen ein Spieler den „Lead“ übernimmt.

Grundsätzlich gilt, dass aggressiveres Spiel eine bessere Performance ermöglicht, weil der ständige Druck auf die Gegner diese dazu veranlasst, starke Hände aufzugeben oder mit schwächeren zu bezahlen.

Ergebnisse

Im Fazit des Berichtes heißt es: „Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass Poker kein Spiel ist, dass nur von Glück bestimmt wird. Bei einem reinen Glücksspiel dürfte es keinen Zusammenhang zwischen denn Ergebnissen zweier willkürlich gewählter Zeitspannen geben. Gemäß unserer Studie ist das aber in allen drei Ebenen eindeutig der Fall.

Spieler, die im ersten 6-Monats-Intervall sehr profitabel/ sehr unprofitabel gespielt haben, taten dies mehrheitlich auch im zweiten Intervall.

Spieler, die im ersten Intervall zu den besten zehn Prozent gehörten, gehörte mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit auch im zweiten Intervall dazu als andere Spieler.

Wer im ersten Intervall zum besten Prozent aller Spieler gehörte, tauchte mit zwölfmal so hoher Wahrscheinlichkeit auch im zweiten Intervall wieder dort auf als andere Spieler.

„Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass tight-aggressive Spieler deutlich bessere Ergebnisse erzielen als loose-passive Spieler“, so die Rotterdamer Wissenschaftler. „Außerdem ist klar zu erkennen, dass Spieler, die häufig und viel spielen deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Ein klares Zeichen dafür, dass durch Praxis und Training Lern-Effekte erzielt werden. Das wiederum ist ein Hinweis darauf, dass beim Poker Können und Erfahrung mehr zählen als Glück.“

Die drei Autoren haben ihre Ergebnisse inzwischen bei einem renommierten Fachjournal eingereicht, wo es einem Doppelblindtest (Untersuchung durch zwei unabhängige Experten-Kommissionen) unterzogen wird. Dieser Prozess kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen, und am Ende soll - so die Hoffnung der Verfasser - die Veröffentlichung stehen. Die Autoren erklärten ferner, dass sie für jede Form von Kommentaren und Feedback dankbar seien.

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