EPT Snowfest Tag 2 - im Tal der Gesetzlosen

Johannes Strassmann
Die Trophäe im Blick - Johannes Strassmann.

In den ersten Tagen lag noch eine gewisse Anspannung in der Luft: Ein halbes Dutzend bewaffneter Guards patroullierte zwischen Alpine Palace und der nahe gelegenen Raiffeisen Bank, damit ja keine Horde Halbwüchsige auf dumme Ideen kommen könnte, ihr mageres Taschengeld mit den Talern der Highroller aufzubessern.

257 Spieler kehrten gestern zum Tag 2 des PokerStars EPT Snowfestes zurück. Und langsam stellte sich Routine ein bei den Dauergästen des Poker-Wanderzirkus.

Besonders wahrscheinlich ist ein Coup a la EPT Berlin eh nicht gewesen. Allein die Flucht hätte sich bei nur einer Zufahrtsstrasse nach Saalbach-Hinterglemm als äußerst schwierig erwiesen. Wenn man allerdings der Geschichte vom „Tal der Gesetzlosen" Glauben schenkt, die Markus Golser da gestern zum Besten gab.....

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EPT Snowfest Tag 2.

Lange Jahre, so der österreichische Highroller hätte in Saalbach-Hinterglemm quasi ein gesetzesfreier Zustand geherrscht. Diverse Vergehen, wie Fahren unter Alkohol seien mit einer Runde Bier in einer der Dorfkneipen beglichen worden. Auch die hinzugezogenen Polizisten aus dem nächstgelegenen Zell am See wären nach nur kurzer Zeit Teil der „Familie" geworden. Mittlerweile wird die allgemeine Ordnung im abtrünnigen Dorf deshalb von der „Bundespolizei" aus Salzburg überwacht.

Die sorgt nun auch beim Snowfest für die Sicherheit an Leib und Geldbeutel. Woran zumindest die Gang um EPT Berlin Gewinner Kevin McPhee immer noch nicht so richtig zu glauben scheint. Wenn da nicht noch Kumpel Jim Collopy (Vierter im Chipcount) unter den letzten 87 Spielern des Main Events wäre, man würde Phee&Co. wohl gar nicht zu Gesicht bekommen. Lediglich zur Dinner Break kommen die auffällig blasshäutigen Amerikaner aus ihren luxuriösen „Löchern" gekrochen, um sich zwischen braungebrannten Naturburschen am ausgezeichneten Buffet zu drängeln.

Deutlich lebenslustiger geht es da schon an den Cash-Game Tischen in den Katakomben des Alpine Palace zu. Dank des gestern ausgeschiedenen Hermann Pascha wurde in einem Kinderzimmer extra ein Rauchertisch eingerichtet an dem beim 5/5 PLO zwischen Benjamin Kang, Simon Münz, Harry Casagrande, Pascha selbst und ein paar Unbekannten bis in die Morgenstunden die Karten brannten.

Mit lichtscheuen Internet Kiddies und verrauchten PLO-Tischen kann Manfred Kastl nicht viel anfangen. Der Ex-Fußball Profi, der in den 80ern für Hamburg, Stuttgart und Leverkusen stürmte, spielte gestern Tag 2 des Main Events und schied ebenso, wie Kumpel Andreas Krause aus. In der Hutzenstub, wo sonst 24 Zoll Bildschirme stehen und online 150.000 Dollar Pots (selbst gesehen) den Besitzer wechseln, beantwortete „Manni" noch ein paar Fragen:

Herr Kastl, Sie hier bei einem 3.000 Euro NLH Turnier. Wir wussten gar nicht, dass sie professionell Poker spielen?

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Ex-Fußballprofi "Manni" Kastl.

Tue ich auch nicht. Ich habe als Repräsentant der Community „Piranha Poker" eine Einladung erhalten. Ansonsten spiele ich schon mal für 50 Euro ein Live- oder Onlineturnier. Viel höher allerdings nie.

Piranha Poker?

Das ist meine Community. Wir veranstalten Live Turniere und ermöglichen unseren Spielern, sich auch für größere Turniere zu qualifizieren. Außerdem ist es für mich ein schöner Weg, um mit der jüngeren Generation in Kontakt zu bleiben.

Du hast es ja unter das letzte Drittel geschafft, bist aber vor dem Geld ausgeschieden. Schmerzt das jetzt?

Ein bisschen. Allerdings hatte ich es nicht einmal über 40.000 Chips geschafft. Die Spielweise war mir persönlich viel zu aggressiv. Am Ende habe ich mit schlechten Starthänden gar keinen Move mehr machen wollen.

Wie ist denn dein Gesamteindruck von einem EPT Turnier?

Ich war ja 2008 schon in Vegas zur WSOP und davon völlig geplättet. Dafür fehlen mir hier einfach die Zuschauer. Die machen so einen Event eigentlich erst zu etwas Besonderem. Im Übrigen, wo sind hier eigentlich Katja Thater, Dragan Galic oder Felix Osterland?

Die Fragen konnte ich leider auch nicht beantworten. Alle drei fehlen in Saalbach-Hinterglemm. Umso besser hat es dafür ein anderer Deutscher, nämlich Johannes Strassmann gemacht. Auf 741.000 Chips brachte es der PokerStar Pro am Ende des Tages und war damit überlegener Chipleader.

Auch Lokalmatador Bernhard Perner (402.000), Alexander Debus (380.000), Nasr el Nasr (280.000) und Johannes Steindl (200.000) sind noch mit Über-Average Stacks gut im Rennen. Heute wird dann die Bubble platzen und auf 24 Spieler runtergespielt.

- Christian Henkel

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