EPT ItaliaTag 1b - Schussfahrt nach San Remo

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Barry Greenstein im Kampf gegen Morpheus.

Dass die EPT San Remo das saftigste Feld der Tour zu bieten hat, war schon vor der Auflage in diesem Jahr klar. Dann traten schon am ersten Starttag 585 Spieler an und schnell war die Rede von einem neuen Rekord. Wenn da nur nicht dieser Vulkanausbruch auf Island gewesen wäre.

17.000 Flüge in ganz Europa waren gestrichen worden. Im Medienbereich machten schnell Gerüchte die Runde  von Spielern, die irgendwo auf ihren Koffern sitzen geblieben waren.

Gegen 13.00 Uhr flatterte dann die Top-Meldung ins Casino von San Remo: Poker-Legende Barry Greenstein, EPT San Remo Sieger 2008 Jason Mercier, Weltmeister Peter Eastgate und sechs andere bekannte Highroller seien in einem eigens gecharterten Bus von London aufgebrochen. Ihre Schussfahrt nach San Remo sollte plangemäß gegen 17 Uhr an der Riviera die Ponente enden. Die EPT Organisatoren hatten für diesen Fall sogar die Anmeldefrist bis ins fünfte Level hinein ausgedehnt.

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Jason Mercier - drei Liter bester Kaffee.

Als der PokerStars -Express dann endlich in San Remo einfuhr, wurden die neun Vulkanwolkenflüchtlinge empfangen, wie Gladiatoren. Die Blinds hatten ihnen zwar lediglich 5.000 Chips weggefressen, aber von ihrer körperlichen Verfassung waren Greenstein, Mercier & Co. absolute Wracks. Den Kampf gegen Morpheus gewann am Ende nur Jason Mercier.

Wir haben ihm und Barry Greenstein deshalb unser Interview des Tages gewidmet.

Barry, ihr seid mit einem Bus quer durch Europa gefahren, um an einem Pokerturnier teilzunehmen. Wie ist es zu dieser seltsamen Highroller-Besatzung gekommen?

Greenstein: Wir saßen alle wegen der Vulkanwolke in London fest. Wir alle wollten unbedingt nach San Remo und PokerStars hat uns dann schnell den Bus organisiert. 24 Stunden quer durch Europa. Das ich das auf meine alten Tage noch mal erleben konnte. Insgesamt war ich von Amerika aus 43 Stunden unterwegs. Ich bin schon wirklich harte Sessions gewöhnt aber heute hat es mir echt die Augen zugezogen.

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Bus aus London - "Tolle Idee, Barry."

Mercier: Das war vielleicht ne Idee von dir, Barry (lacht). Allerdings hat es mir offensichtlich als Einzigen ganz gut getan. Die anderen sind ja schon ausgeschieden und ich hab den doppelten Average vor mir stehen. Vielleicht hättet ihr mal die drei Liter besten italienischen Kaffee trinken sollen, die ich hier in den letzten Stunden zu mir genommen habe.

24 Stunden Busfahrt in dieser Zusammensetzung. Da hat doch pokertechnisch bestimmt die Luft gebrannt...

Greenstein: Klar haben wir gespielt, allerdings kein Poker. Unser Game hieß „Lot n things" um 100 Dollar den Punkt. Es war alles ziemlich eng in dem Bus. Ich kann nur eins sagen: verloren haben andere.

Mercier (lacht): Ja, ich hätte mich aus diesem Spiel auch lieber rausgehalten. Aber Online-Poker ging nicht. Und geschlafen haben wir mal so für ein paar Minuten. Ich bin jetzt ehrlich gesagt ziemlich durch. Und ich kann mich vor allem nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal drei Tage am Stück meine e-Mails nicht gecheckt habe.

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Ankunft in San Remo - "Verloren haben andere."

Der ganze Aufwand für ein Pokerturnier. Ich nehme mal an, dass man euch in Monte Carlo wiedersieht.

Greenstein: Ja, das Turnier ist Pflicht. Und der Frühling an der Cote d'Azur einfach großartig. Für mich immer die perfekte Regeneration für den WSOP Stress, der gleich danach losgeht.

Mercier: Nach Monte Carlo reise ich mit dem zweiten EPT San Remo Titel an. Nach so einer Anreise kann das Schicksal nur auf meiner Seite sein. Und wenn der Kaffee in Frankreich auch so stark ist, wie hier dann kassier ich den Titel in Monte Carlo gleich noch mit ein.

Recht vollmundig im Geschmack, diese letzte Aussage. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Amerikaner Recht behält.

Hinsichtlich der deutschsprachigen Spieler in San Remo lässt sich über Tag 1b nur sagen: es war kein guter. Über die Hälfte der bekannteren deutschsprachigen Spieler musste ihren Hut nehmen. Unter den Opfern: Benjamin Kang, Johannes Strassmann, Katja Thater und Nasr el Nasr. Richtig gut stehen allerdings noch Sebastian Ruthenberg (127.000), Tobias Reinkemeier (104.000) und Benny Spindler (91.000) da. Im allgemeinen Chipcount führt der Niederländer Michael Eerhart mit 250.000 Chips vor Bertrand "ElkY" Grospellier (200.000).

Heute geht es mit zirka 625 Spielern in Tag 2. Der Gesamtpreispool beträgt 6.014.000 Euro und es bleibt zu hoffen, dass ein Großteil davon in deutschsprachigen Händen bleibt.

- Christian Henkel

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