Uli Hoeneß gegen die EPT Berlin

Uli Hoeneß
Heute omnipräsent - Uli Heoneß. Originalfoto: afp

Chaotisches Themenwirrwarr im EPT Main Event. 478 Spieler an Tag 2, aber alle reden nur über einen, und der ist gar nicht da. Die Spieltaganalyse als Kolumne.

Was ist hier eigentlich los? Normalerweise hören sich die Gesprächsfetzen am Rande der EPT immer an wie „dann hat er mich light gevierbettet“, „ich barrele auf jeder Straße“ und „er rivert das Boat und bustet den Fisch“.

Und heute? Hoeneß, Götze, Champions League. Überall. Man gerät völlig durcheinander.

Dabei hörte sich zu Anfang des Spieltags noch alles ganz normal an.

473 Spieler. Uli Hoeneß soll Steuern hinterzogen haben. Von zig Millionen ist die Rede. Und? Ein Manager betrügt den Fiskus. Ist der Papst katholisch?

Michael Mizrachi
Michael Mizrachi - Jojo mit dem Chipstack.

Doch die Vorfälle werden im Lauf des Tages spektakulär. Im Spielsaal werfen sich die Spieler gleich reihenweise aus dem Turnier.

Michael Mizrachi sieht aus, als hätte er von irgendeiner verbotenen Frucht genascht. Und so pokert er auch.

Sein Stack scheint mit sich selbst Jojo zu spielen, und die Blogger kommen gar nicht mehr mit dem Zählen hinterher.

Mizrachi war doch auch schon mal wegen Steuerbetrug vor Gericht. Vielleicht könnte er Hoeneß ja ein paar Tipps geben? Man müsste ihn mal fragen.

380 Spieler. Benny Spindler schikaniert die Gegner wie böse Chefs ihre Angestellten, während Dominik Nitsche an seinem Tisch freundlich lächelnd die anderen irgendwie dazu zu überreden scheint, ihm ihre Chips zu geben.

Soweit alles wie immer. Aber dann kommt’s: Marvin Rettenmaier ausgeschieden. Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe ist denkbar ungünstig. So wie die mit Götze und den Bayern. Gleichzeitig melden Die Medien, gegen Uli Hoeneß ering schon im März Haftbefehl. Fünf Millionen Euro Kaution.

Wie bitte? Rettenmaier ausgeschieden, Haftbefehl gegen Hoeneß? „Bin erstmals über 100k“, twittert Boris Becker. Das kann doch alles gar nicht wahr sein.

Boris Becker
Boris "über 100k" Becker.

Drei Stunden später. 303 Spieler. Hoeneß hat offenbar die fünf Millionen Kautionsbet des Gerichts locker weggecallt. Das kann Giuseppe Pantaleo auch.

Er bezahlt ein All-in nur mit König hoch und einem Flush Draw, liegt aber damit weit vorn, weil der Gegner nur drei hoch zeigt. Drei hoch! Immerhin mit Straight Draw, der aber nicht ankommt. Das muss dieses Levelling sein, von dem man immer wieder hört.

Schon gestern hatten sich unkonventionelle Spielzüge gehäuft. George Danzer zahlte fast seinen kompletten Stack mit Ass hoch gegen Quads aus.

„In dem Spot hat er entweder Quads oder gar nichts“, twitterte Danzer danach. Tja. Vielleicht wird’s ja was mit dem eigenen Casino.

Ein Kollege erzählt mir, dass offenbar alle weiblichen Spielerinnen schon an Tag 1A gespielt haben. Keine da heute. Aber Vanessa Selbst stand doch auf der Teilnehmerliste? Gerade ausgeschieden. Ach so. Alles klar, Kollege.

288 Spieler. Werfen wir mal einen Blick in den PokerStars-Blog. Dort hat man sich vor der Realität inzwischen in die Philosophie geflüchtet.

Wenn ein Shortstack-Spieler und seine letzten Chips plötzlich von einem Platz verschwinden, aber keiner den Spieler aufstehen sehen hat, ist er dann wirklich ausgeschieden?, ist die Frage, mit der man sich dort beschäftigt.

Vanessa Selbst
Wer hat gesagt, "heute keine Frauen da?"

Schlag nach bei Bertrand Russell. Wenn im Wald ein Baum umfällt, und es ist niemand in der Nähe, entsteht dann ein Geräusch? Ein Klassiker, auf den es viele Antworten gibt.

Und wenn Uli Hoeneß ein paar hundert Millionen Euro in die Schweiz verschiebt und es keinen interessiert, entsteht dann überhaupt ein volkswirtschaftlicher Schaden? Jedenfalls nicht in der Schweiz.

„Von wegen echte Liebe“, schimpfen rauchende BVB-Fans vor dem Hyatt Hotel. „Immer geht’s nur ums Geld.“ Pokerspieler sind nämlich nur wegen des sportlichen Wettstreits und der günstigen Getränke im Main Event. Ein Red Bull sechs Euro.

220 Spieler. Bei der letzen Pressekonferenz der Bayern hat der Pressesprecher ganz unaufgefordert gesagt, dass man bei Fragen nach Uli Hoeneß sofort abbricht. Jürgen Klopp sagt bei seiner PK, dass alle, denen das mit Götze nicht passt, ihre Karten doch bitte richtigen Fans schenken sollen, die die Mannschaft voll unterstützen. Klopp gefällt mir irgendwie besser.

Das wäre doch mal was für die Spieler, die nach verlorenen Händen nicht aufhören können zu jammern. Gebt euren Reststack einem herumstehenden Medienleute, die noch richtig Lust haben. Ich stelle mich freiwillig zur Verfügung.

Aber ich schweife ab. Um viertel nach sechs scheiden plötzlich auch Mizrachi und Benny Spindler aus. Die sehen wir bestimmt im High Roller Event wieder. Da gibt’s mehr Geld in kürzerer Zeit. Fußballer und Pokerspieler denken manchmal ganz ähnlich.

Acht Uhr. Im Presseraum reden plötzlich alle vom Akku in ihrem neuen Toaster. Ich verliere langsam den Überblick. Ach so, so heißt der aktuelle finnische Chipleader. Oder so ähnlich. Noch 175 Spieler.

Die Turnierleitung hat schließlich ein Einsehen und stoppt das Turnier rechtzeitig vor der Champions League. Man muss auch mal Prioritäten setzen.

Aku Joentausta
Chipleader Aku Joentausta.

„You can all watch the game, whoever wins“, sagt Thomas Lamatsch ins Mikrofon. Der ist wohl auch Philosoph.

Dann fegt Bayern Barcelona 4:0 vom Feld, und Uli Hoeneß ist auch im Stadion, als wäre nichts gewesen. So war das heute. Ehrlich.

Top Ten Chipcount:

  • 1. Aku Joentausta, 751.300
  • 2. Anaras Alekberovas, 529.800
  • 3. Ronny Voth, 526.100
  • 4. Khiem Nguyen, 490.800
  • 5. Lukas Golcyk, 448.200
  • 6. Dominik Nitsche, 434.600
  • 7. Daniel Reijmer, 427.700
  • 8. Pascal Vos, 426.000
  • 9. Pal Koppegodt, 424.300
  • 10. Emil Ohlsson, 392.100

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