Epic Poker League – Erfolgsmodell oder Rohrkrepierer?

seidel rheem
Duell der Generationen - Seidel vs. Rheem.

"Chino" Rheem gewann in der Nacht den ersten Main Event des neuen Liga. Wird sie ein Erfolg? Gründer Jeffrey Pollack und Profi Daniel Negreanu vertreten ganz unterschiedliche Meinungen über die Zukunft der „epischen“.

Mit Jason Mercier, Erik Seidel und Chino Rheem spielten der beste Newcomer der letzten zwei Jahre, der erfolgreichste Spieler 2011 und ein umstrittener November Niner den Sieg unter sich aus.

Nachdem der in diesem Jahr nicht zu stoppende Seidel einen Flip gegen Mercier gewann und ihm fast den ganzen Stack abgenommen hatte, wurde das Heads-up auch ein Duell der Generationen, der verschiedenen Spielauffassungen – und letztlich auch der Reputationen.

Erik Seidel, der schon gegen Lederer und Harrington im „Mayfair Club“ gespielt hat, als sein Gegner noch gar nicht geboren war, zog dieses Mal den kürzeren gegen David „Chino“ Rheem, der mit Internetpoker aufgewachsen ist und vor drei Jahren einer der jüngsten Spieler war, die den Finaltisch des WSOP Main Events erreichten.

Derzeit geistern Gerüchte durch das 2+2-Forum, Rheem würde verschiedenen Spielern Geld schulden und zeige ganz allgemein eine sehr schlechte Zahlungsmoral. Die Schuldner dürften sich freuen, für Poker ist es dagegen nicht unbedingt ein guter Tag, nach der Betrugsaffäre um Jose Macedo und dem Fiasko um Full Tilt.

daniel negreanu
Glaubt nicht an die Epic Poker League - Daniel Negreanu.

Immerhin 137 Spieler bezahlten die $20k Buy-in, und die meisten Spieler schienen sich bei der Premiere der Epic Poker League durchaus wohl zu fühlen.

Erik Seidel ließ z. B. über Twitter verlauten: „Den Veranstaltern gebührt Respekt dafür, dieses in jeder Hinsicht erstklassiges Event auszutragen.“ Die flache Struktur und eine Million Dollar für den Sieger scheinen nach dem Geschmack der Profis zu sein. Wann hätte man schon einmal ein Turnier gesehen, dass mit einem so kleinen Teilnehmerfeld auf vier Tage angesetzt ist?

Jeffrey Pollack von der Federated Sports & Gaming, die die Liga veranstaltet, gab in einem Radiointerview vor dem Finaltisch ebenfalls eine erste positive Einschätzung ab.

Mit 190 Spielern im ersten ProAm-Event (an dem auch Amateure teilnehmen können) und 137 Spielern im Main Event (reines Einladungsturnier) wurden die Erwartungen überschritten, sagte Pollack, dessen Ziel 100 Main Event Teilnehmer gewesen waren. Außerdem sei das Feedback durchgehend positiv.

Zu den Profis, die nicht ins Palms gekommen waren, gehört Daniel Negreanu. Als Hauptgrund dafür nennt er seine Überzeugung, dass die Epic Poker League – ähnlich wie das Projekt World Team Cup - kein Erfolgsmodell sei. Es gebe einfach nicht genügend Sponsoren, die eine Finanzierung dauerhaft sichern könnten.

Sogar für die WSOP sei es schwierig, potente Sponsoren zu finden: „Wir haben Jack Links Beef Jerky und Dearfoam Slipper gehabt, aber keine wirklich große Firma wie Cadillac oder Lexus war bereit, sich zu engagieren.“

Dazu erklärte Pollack, dass er sich dessen bewusst sei, zunächst investieren zu müssen. Aber: „Wir sind Unternehmer, und wir beabsichtigen, Profit zu machen, auch wenn es eine Zeitlang dauern wird. 3-5 Jahre sind realistisch, um in die Profitzone zu kommen. Ich kann Ihnen versichern, dass wir das nötige Durchhaltevermögen dafür haben.“

„Durch die TV-Rechte rücken wir mehr Spieler ins Rampenlicht, die das auch verdient haben. Durch unsere Rangliste werden die Spieler gewürdigt, die man kennen sollte … Wir werden Sponsoren finden, die Fernsehrechte werden wertvoller, und die sozialen Medien werden eine große Rolle spielen. Wir haben bereits während des Premierenevents potenzielle Kandidaten zu Gast gehabt.“

Trotzdem scheinen viele Profis Negreanus Misstrauen zu teilen. So nahmen u. A. Phil Ivey, Scotty Nguyen, Johnny Chan, Mike Matusow, Gus Hansen, Doyle Brunson oder Chris Moneymaker nicht am ersten Epic-Event teil – allesamt Zugpferde für die mit 20 Stunden ohnehin knapp bemessene Fernsehsendezeit. So werde man keinen Boom wie 2003 auslösen können.

Laut Pollack ist das aber auch gar nicht das Ziel der Epic Poker League. Vielmehr ginge es darum, Poker mit vielen Stars ins Fernsehen zu bringen. Hochkarätig besetzte Finaltische und große Preispools sollen die Fans vor die Glotze locken. So gesehen war der erste Main Event ein voller Erfolg.

Auf der anderen Seite verhindert dieses Konzept natürlich genau das, was Poker in Europa und dem Rest der Welt in den letzten Jahren groß gemacht hat: Die märchenhafte Geschichte eines unbekannten Amateurs, der sich nach Las Vegas aufmachte, um die Profis zu schlagen und Millionär zu werden.

Final Table Payouts:

1. David "Chino" Rheem - $1,000,000
2. Erik Seidel - $604,330
3. Jason Mercier - $360,970
4. Hasan Habib - $237,560
5. Gavin Smith - $154,260
6. Huck Seed - $107,980

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