ElkY, RaiNKhaN, TillerMaN - wie die Stars der E-Games die Pokerwelt eroberten

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10 März 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
ElkY, RaiNKhaN, TillerMaN - wie die Stars der E-Games die Pokerwelt eroberten

Dass man vor dem PC sitzend bares Geld verdienen kann, war vielen Spielern bereits vor dem Online-Poker-Boom bewusst.

Vor zehn Jahren kam es jedoch zu einem Massen-Exodus der größten E-Game-Legenden aus der Welt von Quake, StarCraft und Counterstrike hin zum Online-Poker.

Die Chronologie einer folgenschweren Wachablösung.

Es ist der 16. Juli 2005 in Las Vegas. Der australische Chiropraktiker Joe Hachem hat gerade den Main Event der WSOP gewonnen.

Nach den Siegen der amerikanischen Online-Qualifikanten Chris Moneymaker und Greg Raymer beweist sein Triumph, dass die noch junge Online-Poker-Revolution zu einem globalen Phänomen geworden ist.

Es ist auch die Zeit, in der in den Online-Pokerräume die Teilnehmerzahlen explodieren. Und  immer häufiger tauchen dort Nicknames auf, die nicht mehr viel mit der herkömmlichen Welt des Poker zu tun haben scheinen: Rekrul, ElkY, Ackbleh, Bushman, LakerMaN, RaiNKhaN, Groinal, Xds`Grrrrr, Nazgul oder HoRRoR nennen sie sich.

Dominik Kofert2
Ex-Pokerstrategy Chef Dominik Kofert kam ursprünglich aus den ESports.

Kaum einer kennt ihre bürgerlichen Namen. Rasend schnell ist nicht nur ihre Reaktion am Tisch, sondern auch das Tempo, in dem sie zu den höchsten Limits aufsteigen.

Ende des Jahres erscheint dann auf der Homepage des E-Games-Online Magazins www.readmore.com ein Artikel, der den Beginn eines neuen Zeitalters illustrierte, dabei Fragen aufwarf und die Antwort gleich mit lieferte:

„Mit welchem Spiel kann man online so richtig Geld verdienen? Counter-Strike? Wohl kaum. WarCraftIII? Auf keinen Fall. Quake? Im Leben nicht. StarCraft? Noch nicht mal in Korea. Nein, die Antwort lautet: Poker.“

Mit deutlicher Verspätung kam der Text, denn schon zwei, drei Jahre zuvor hatte es die ersten namhaften Deserteure gegeben. Schnell sorgten ihre Berichte dafür, dass in den populärsten Foren der E-Game-Community über nicht Anderes mehr geredet wurde, als über Pot-Odds, Implied Bets und Min-Raises.

Waren um die Jahrtausendwende noch sämtliche, vor allem männliche Bewohner des Planeten zwischen 14 und 24 damit beschäftigt, sich die Kugeln, oder besser gesagt die Feuerbälle, Plasmastrahlen oder Sprenggranaten um die Ohren zu werfen, galt es nun, die Gegner am virtuellen Pokertisch in die Knie zu zwingen.

Zwar war das Phänomen E-Sports (electronic sports), also das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- oder Videospielen im Mehrspielermodus 2005 immer noch ein äußerst populäres Phänomen, und dessen Höhepunkt, die World Cyber Games in Südkorea ein ähnlicher Zuschauermagnet wie hierzulande Fußball, aber die sich überschlagenden Berichte von der Entdeckung des „Online-Eldorado“, den Erfolgsmeldungen vom rollenden Rubel begannen, Wirkung zu zeigen.

Die wohl wichtigsten Propagandisten dieser Übergangsphase waren der Schwede Oskar Ljungström und der Schotte Ian Girdwood. Ljungström galt unter seinem Nick LakerMaN aber als einer der weltbesten Quake-Spieler und E-Sports-Legende.

ian girdwood
"Schnell reich geworden" - Ian Girdwood.

Im Frühjahr 2004 veröffentlichte die unter Pro-Gamern populäre Website teamliquid.net ein Interview, in dem er angab in den vorausgegangenen zwölf Monaten über 100.000 Dollar beim Poker verdient zu haben.

Selbst für die Besten unter den E-Game-Pro`s, die auf ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 50.000 Dollar kamen, musste sich das wie ein Traum angehört haben.

Auch Ian Girdwood, seines Zeichens einer der bekanntesten WarCraft III-Spieler wurde zu diesem Zeitpunkt nur noch selten in den Auseinandersetzungen zwischen Elfen und Untoten gesehen.

Besser bekannt unter dem Nick TillerMaN hatte er die Nachricht vom schnellen Reichtum über seine eigene, stark frequentierte Website in die E-Game-Welt getragen. Seine ersten Schritte zum Poker High Roller beschrieb er später so:

„Während der World Cyber Games 2003 erzählte mir ein Freund von seinen Erfolgen beim Poker. Er war überzeugt, dass ich es mit meinen Gaming-Qualitäten zum Millionär bringen könnte.

Ich hab mir dann von ihm 50 Dollar geborgt und diese – zu seinem Ärger - gleich am ersten Abend verballert.

Nach den folgenden World Cyber Games hab ich dann 500 Dollar selber einbezahlt und seitdem nie wieder nachgeladen.“

TillerMaN, der in seinen WarCraftIII-Tagen durch Training- und Audio-Kommentare nach eigenen Schätzungen 3.000 Dollar monatlich verdiente, war über Poker nach eigenen Aussagen „schnell reich geworden“.

2005 hatte dann auch die deutsche E-Sports-Szene ihren ersten großen Exodus zu vermelden. Und das ging vor allem auf den Einser-Abiturienten und Oxford-Studenten Dominik „Korn“ Kofert zurück.

Bertrand Grospellier
In Südkorea schon Jahre vor dem Pokerboom ein Starcraft-Star: Bertrand "ElkY" Grospellier.

Um die Jahrtausendwende galt der heute 33-Jährige als einer der Pioniere, der vor allem von Südkorea ausgehenden Pro-Gaming-Bewegung. Er nahm schon an der ersten „Olympiade“ für Computerspiele – den World Cyber Games 2000 in Seoul teil und feierte unter dem Nickname „Korn“, als Starcraft-Profi internationale Erfolge.

Korn gründete später zusammen mit dem Schachspieler Matthias Wahls (zweimal deutscher Meister) das Unternehmen „PokerStrategy“ und überzeugte damit viele E-Gamer zum Poker zu wechseln.

Die wohl prominentesten Beispiele: der deutsche Pokermeister aus 2006 und Zweiter der EPT in London 2007 Florian FA-Morgoth Langmann, High Stakes Spezialist Simon ScHnibl0r Münz und Andre HoRRoR Wagner.

Dass gerade so viele E-Sportler ihren Weg an die Pokertische gefunden haben, war laut Kofert kein Zufall. „Poker ist im Grunde nichts anderes als ein Echtzeitstrategiespiel. Es geht um taktisches und strategisches Vorgehen, den Willen zu gewinnen und um Disziplin und Ausdauer, um das Spiel schlussendlich zu meistern.“

Konzentration, schnelles Problemlösen in kurzer Zeit, die Anwendung von Strategien unter Zeitdruck, die Voraussage von Spielszenarien und Multitasking - mit all diesen Fähigkeiten waren die Pro-Gamer beim Poker praktisch schon in ihren natürlichen Element.

Auch für Oskar LakerMaN Ljungström lag die Verlagerung der E-Game-Szene hin zum Online-Poker auf der Hand. „Beides verlangt absolute Hingabe und Leidenschaft“, so der heute 30-Jährige: „Du konntest weder beim E-Gaming noch beim Poker die höchsten Levels erreichen, wenn du nicht mindestens fünf Stunden täglich spieltest.“

Einen weiteren Vorteil sah LakerMaN darin, mit Stress umgehen zu können. Auf den höchsten Levels sowohl im Pro-Gaming als auch beim Poker könne man es sich nicht mehr leisten, Fehlentscheidungen zu treffen.

Und vor allem StarCraft-Spieler, die auf dem höchstem professionellen Niveau bis zu 300 Entscheidungen in der Minute fällen mussten, waren wahre Götter, wenn es darum ging, an Dutzenden Tischen gleichzeitig zu spielen.

Unvergessen das Video von Hevad RhaiNKhaN Khan, in dem der vormalige StarCraft-Spieler an zwanzig Tischen gleichzeitig spielte. PokerStars war damals der Meinung, das Khan einen Bot einsetzte, der nach festen Vorgaben agierte.

starcraft spieler
Starcraft-Spieler - absolute Hingabe.

Zum Beweis, dass er wirklich selbst spielte, trug er seinen Freunden auf, ihn beim simultanen Spielen in zahlreichen Sit`n Go-Turnieren zu filmen. Das Video überzeugte nicht nur PokerStars, sondern faszinierte auch zahlreiche Hobbyspieler und ließ Khan in kurzer Zeit zur Online-Pokerlegende werden.

Richtig schwer taten sich die E-Gamer anfänglich beim Live-Poker. Bertrand ElkY Grospellier, der es als StarCraft-Spieler sogar bis zum Profi nach Südkorea gebracht hatte, beschrieb seine „Gewöhnungsphase“ später so:

„Ich konnte mich erst gar nicht an das Live-Game gewöhnen. Der Dealer, die Chips, alles dauerte so unglaublich lange. Den größten Fehler, den ich gemacht habe, war dass ich einfach zu schnell spielte. Online spielte ich schon nach kurzer Zeit an mindestens vier Tischen gleichzeitig und traf auch gute Entscheidungen.

Aber das waren mehr mir aus der StarCraft-Zeit bekannte Reflexe.“ ElkY wurde mit seinem platinblonden Cyberpunk-Schnitt allerdings schnell DER Ex-E-Gamer an sich in der Live-Pokerszene und überzeugte Spieler wie Lex RasZi Veldhuis, zu Poker zu wechseln.

Pionier Ian TillerMaN Girdwood hingegen scheiterte an dem Aufeinandertreffen mit der alten Pokerwelt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Las Vegas kehrte er 2008 reumütig zurück ins heimatliche Glasgow, kaufte sich ein Haus und ein paar überdurchschnittlich große Monitore.

Hevad Khan
Hevad Khan - "Hey, du bist der King!"

Die Welt in Sin City sei nichts für einen eingefleischten Pro-Gamer, ließ er seine Community wissen. Vor allem die intellektuellen und kulturellen Unterschiede zu den klassischen amerikanischen Gamblern sei einfach zu groß.

Und noch etwas vermisste er: „Ein Gefühl, was du beim Poker einfach nicht bekommst und zwar den Gegner zu ‚besitzen‘. Also mit ihm zu spielen, weil du deutlich besser bist. Diese permanenten zuverlässigen Rückmeldungen a la „Hey, du bist der King“ fehlen beim varianzreichen Poker. Ich habe eine Menge Freunde, die erst nach tausenden von verlorenen Dollars gemerkt haben, dass die Sehnsucht nach diesem Gefühl nie befriedigt wird.“

Die Spieler TillerMaN und LakerMaN sind zehn Jahre nach dem großen Überlauf innerhalb der Pokerszene längst in Vergessenheit geraten. Und auch andere ehemalige Pro-Gamer, die heute zwischen 30 und 35 Jahre alt sind, haben die Pokertische verlassen.

Hevad Khan wurde schon seit drei Jahren auf keinem großen Live-Turnier mehr gesehen und hat wohl auch Online-Poker aufgegeben. Und auch in Deutschland hat sich ein sehr prominenter Ex-E-Gamer mittlerweile zurückgezogen: Sebastian Ruthenberg war vor seiner Poker-Karriere Mitglied eines der ältesten und traditionsreichsten E-Sport-Clans.

Mit „pod virtual gaming“ belegte er 2003 beim Finale der ESL Pro Series III den vierten Platz. Sein Spiel: EA Sports FIFA Soccer. Ruthenberg, der 2008 sowohl ein Bracelet, als auch die EPT Barcelona gewann, hat mittlerweile eine Ausbildung zum Restaurant-Fachmann abgeschlossen und plant eine Bar in Vietnam zu eröffnen.

Prominente Ex-E-Gamer in der Pokerszene:

StarCraftIII:

  • Bertrand ElkY Grospellier
  • Dominik Korn Kofert
  • Hevad RaiNKhaN Khan
  • Simon ScHnibL0r Münz
  • Lex RasZi Veldhuis
  • Dan Rekrul Schreiber
  • Viktor Nazgul Goosens

WarCraftIII:

  • Ian TillerMaN Girdwood
  • Florian FA-Morgoth Langmann
  • Andre HoRRoR Wagner
  • Per-Werner Dared Svensson

Counterstrike:

  • Oskar Ins Holm
  • Bodo Bodo Sbrzesny

QuakeIII und Quakeworld:

  • Oskar LakerMaN Ljungström

EA-Sports FIFA:

  • Sebastian Luckbox Ruthenberg
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