Einführung in das Spiel der Stunde – 2-7 Triple Draw

2-7

Es ist das Spiel der Stunde. Nicht No-Limit Hold’em oder Pot-Limit Omaha, sondern 2-7 Triple Draw ist die Variante, die momentan fast täglich die Weltspitze an die Tische treibt. Alle mischen mit – Gus Hansen, Phil Galfond, Phil Ivey, Viktor Blom und einige deutsche Highroller wie Niklas Heinecker, Sebastian Ruthenberg und kagome kagome. In diesem Artikel wollen wir diese actionreiche Pokervariante etwas ausführlicher vorstellen und allen Lesern einige erste spieltaktische Kniffe für 2-7 Triple Draw mit auf den Weg geben.

Regeln

Die simplen Regeln gibt es hier nachzulesen, als Ergänzung dazu noch ein paar Worte zur Setzstruktur.

2-7 Triple Draw wird in der Regel als Fixed-Limit-Variante gespielt, d.h. es gibt wie bei Limit Hold’em eine Small Bet und eine Big Bet, nach denen die Höhe des Spiels auch benannt ist. Bei $0,50/$1 bedeutet dies, dass die Blinds $0,25/$0,50 kosten und die Bets in den ersten beiden Setzrunden $0,50 betragen, in der dritten und vierten Setzrunde aber $1.

Wer noch nie Limit Poker gespielt hat, muss sich vermutlich erst an diese Art des Setzens gewöhnen. Jede Setzrunde ist auf vier Einsätze begrenzt, das bedeutet als Folge natürlich auch, dass es deutlich weniger Fold Equity gibt.

Erste Schritte

Wie bei allen Pokervarianten sind auch beim 2-7 Triple Draw zwei Faktoren besonders wichtig:

1. Position

2. Die Auswahl der Starthände

Beginnen wir mit der Position. Neben der Information, ob der Gegner setzt oder nicht, erhält man beim Draw Poker zusätzlich die Information, wie viele Karten der Gegner tauscht.

Das kann extrem wertvoll sein – wenn der Gegner nicht mehr tauscht („Stand Pat“), bedeutet dies zum Beispiel meist (außer bei einem Bluff!), dass er eine fertige Hand hat. Tauscht er dagegen drei Karten, ist er von einer guten Hand noch weit entfernt.

Etwas komplizierter ist die Auswahl der Starthände, doch sollte man sich als erste Grundregel merken, dass man nie mehr als drei Karten tauschen sollte. Besser sind nur zwei Karten, die sechs besten Starthände sind in dieser Reihenfolge:

  • 234
  • 237
  • 235
  • 245
  • 247
  • 257

2 71
Die beste Hand beim 2-7 Triple Draw.

Das zeigt schon die zweite Grundregel, laut der gute Starthände eine Zwei enthalten. Hände mit einer Drei wie 347 oder 358 sind vor allem spielbar, wenn es um das Stehlen bzw. Verteidigen der Blinds geht. Wie immer hängt das aber auch von der Anzahl der Spieler ab.

Vorsicht ist bei Händen mit einer Sechs geboten, so lautet die dritte Grundregel. Das Problem dieser Karte ist, dass man häufig Probleme mit einer Straight bekommt. Bestes Beispiel dafür ist 3456 –diese scheinbar gut aussehende Hand ist in Wirklichkeit Schrott, da jede Zwei und jede Sieben sie zerstören.

In jeder Straight mit niedrigen Karten ist eine Sechs zwingend enthalten, deswegen sollte man Hände mit einer Sechs meiden. Dadurch geht man vielen Problemen aus dem Weg!

Einsätze

Die Limit-Struktur hat zwei wichtige Konsequenzen, die zu einem deutlich anderen Charakter als bei No-Limit führen:

1. Gute Pot Odds und dadurch

2. Kaum Fold Equity

Schauen wir uns als Beispiel eine ziemlich normale Hand ohne Karten bei einer Partie $0,50/$1 an: 

Spieler A raist auf $1, der Small Blind foldet, der Big Blind callt. Im Pot sind $2,25. Die Spieler tauschen, der Big Blind checkt und Spieler A setzt $0,50. Nun raist der Big Blind auf $1, Spieler A callt. Im Pot sind $4,25. Wieder werden Karten getauscht, der Big Blind setzt $1.

Spieler A bekommt vor dem letzten Draw Pot Odds von 5,25 zu 1 – das wäre in einer No-Limit-Partie völlig undenkbar.

Das bedeutet zum einen, dass Spieler A anhand seines Blatts sehr genau abschätzen kann, ob ein Call korrekt ist, und zum anderen, dass der Big Blind deutlich weniger Fold Equity als bei No-Limit hat, oder anders ausgedrückt ein erfolgreicher Bluff viel schwerer ist.

Für die Praxis bedeutet dies, dass man mit einer guten Hand oder mit Vorteil (man tauscht weniger Karten als der Gegner) setzen sollte, was das Zeug hält. Jeder Spieler, der einen noch überholen will, muss maximal zur Kasse gebeten werden.

Hände beim Showdown

Einer der besonderen Reize von 2-7 Triple Draw liegt im relativen Wert der Hände. Oft drawen zwei oder drei Spieler bis zuletzt, und keiner weiß am Ende so genau, wo er steht. Einfach ist es natürlich, wenn man mit 23457 die Nuts hat, doch das kommt leider sehr selten vor.

Niklas Heinecker
Niklas Heinecker ist beim 2-7 eine Klasse für sich.

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass alle Hände mit einer Acht auf jeden Fall, im Heads-Up oft auch Hände mit einer Neun für den Showdown geeignet sind. Natürlich ist dabei 95432 deutlich stärker als 98753 – das zeigt allein die Tatsache, dass 95432 die 19-beste Hand beim Triple Draw ist, 98753 nur die 48-beste.

Als Bluffcatcher können Hände mit einer Zehn oder einem Buben dienen – ein Gegner, der zum Beispiel mit 8742 auf eine Drei, Fünf oder Sechs drawt, trifft auf dem River oft ein Paar oder eine höhere Karte (Dame, König und Ass) und hat als Folge eine sehr schwache Hand.

Abgesehen von der Stärke der Hand stellt sich auf dem River zudem immer die Frage, ob man noch einmal setzen soll?

Mit einem Monster – 75432, 76432, 76532, 76542 – sollte man dies auf jeden Fall tun, aber in den meisten Fällen kommt eine alte Faustregel zum Tragen, die für alle Pokervarianten gilt: Setzen sollte man, wenn der Gegner mit einer schlechteren Hand callen kann.

Andernfalls sollte man besser checken und hoffen, dass der Gegner einen Bluff versucht.

Auf geht’s!

Für den Anfang reichen diese Tipps erst einmal völlig aus und man kann loslegen.

Mit ein wenig Spielpraxis bekommt man rasch ein besseres Gefühl für diese Modevariante und kann auch Ideen entwickeln, wie man zum Beispiel einen Bluff durchzieht.

2-7 Triple Draw bietet extrem viel Action, einen hohen kurzfristigen Glücksfaktor und eine Menge Spaß!

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