Ein tiefer Einblick in die High Stakes Szene mithilfe der neuen Kult-Doku "Nosebleed"

Die neue Poker-Kultdoku

Am Freitag wurde die englische Version der französischen High Stakes Doku „Nosebleed“ veröffentlicht. Seitdem wurde sie auf Youtube schon mehr als 54.000 mal angesehen. Der Pokerspieler und Filmemacher Victor Saumont begleitet darin die beiden französischen Highroller Alexandre „alexonmoon“ Luneau und Sebastien „Seb86“ Sabic auf Schritt und Tritt. Mit ihrer Hilfe bringen wir euch auf den neuesten Stand in der Welt der High Stakes. Wer den Film noch nicht gesehen hat, der sollte das hier und jetzt nachholen, denn er ist äußerst sehenswert.

Noch nie zuvor gab es so tiefe Einblicke in die High Stakes

Wir von PokerZeit.com verfolgen das Geschehen auf den High Stakes seit Jahren ganz genau. Leider entscheiden sich seit Anfang 2014 immer mehr Highroller für die Opt-Out Option, was bedeutet, dass ihre Ergebnisse auf highstakesdb nur noch über einen Zeitraum von 48 Stunden gespeichert werden.

Daraufhin haben wir uns entschieden diese immer selbst zusammenzurechnen, um euch auch weiterhin repräsentative Bilanzen bieten zu können. 

Dies zeigt wie verschlossen die High Stakes Szene mittlerweile ist, und deshalb kommt „Nosebleed“ gerade zur rechten Zeit. Noch nie ließen sich Highroller so offen in die Karten schauen und gaben derart tiefe Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt.

Sebastien Sabic und Alex Luneau
Die beiden Hauptdarsteller von "Nosebleed" Sebastien "Seb86" Sabic und Alex "alexonmoon" Luneau.

Und dabei handelt es sich nicht um irgendjemanden, sondern mit Alexandre „alexonmoon“ Luneau um einen der besten Mixed Games Spieler der Welt. Er spielt online die höchsten Limits und hat in den letzten Jahren mehrere Millionen Dollar u.a. von Spielern wie Gus Hansen, Phil Ivey und Viktor Blom gewonnen.

Dazu kommt sein Mentor und bester Freund Sebastien „Seb86“ Sabic, der 2011 einen meteoritenhaften Aufstieg bei Full Tilt hinlegte und beim PLO $25/$50 1,1 Millionen Dollar ergrindete.

„Um ehrlich zu sein ist Phil Ivey beim 2-7 nicht schwer zu schlagen“

Auf die Frage, wie es sich am Anfang angefühlt hat gegen Ivey und all die großen Namen zu spielen, sagt Alex: „Beim ersten Mal war das schon sehr beeindruckend für mich.“ Sabic sieht das dagegen ganz anders: „Ich habe mich darüber gefreut endlich gegen Ivey, den Endboss des Spiels, spielen zu dürfen.“

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„Um ehrlich zu sein ist Phil Ivey beim 2-7 nicht schwer zu schlagen“, sagt Sebastien Sabic.

Dann möchte Saumont wissen, ob es sehr schwer war ihn zu schlagen: „Nein, ehrlich gesagt nicht“, sagt Seb und dann fügt Alex hinzu: „Am Anfang waren sie in den Mixed Games viel besser als wir. Dann haben wir begonnen 2-7 gegen sie zu spielen, und sie hatten in dieser Variante viel weniger Erfahrung als wir, und besonders als Seb, der 2-7 damals schon sehr regelmäßig spielte. Im Mixed waren sie zunächst sehr gut, aber sie sind in den letzten drei Jahren nicht wirklich besser geworden und die Games werden immer tougher. Ich bin zehnmal besser als vor drei Jahren, während Ivey nur unwesentlich besser geworden ist.“

So über den für viele besten Allroundspieler der Welt zu sprechen mag für manche wohl etwas größenwahnsinnig erscheinen. Ein Blick auf die Ergebnisse und die Jahresbilanz von 2014 bestätigt dies jedoch, denn dort ist Ivey, der online auf Full Tilt unter dem Nick „Polarizing“ bekannt ist, mit einem Minus von fast zwei Millionen Dollar der drittgrößte Verlierer des Jahres!

Gemeinsam sind wir stark lautet das Motto auf den Nosebleeds

Außerdem war Seb einer der ersten Europäer, der die höchsten Limits beim 2-7 Triple Draw und bei den Mixed Games spielte. In dieser Zeit kreutzen sich auch die Wege der beiden in London, und da man sich auf Anhieb sympathisch war entschied man sich dafür, gemeinsame Sache zu machen.

Da Sebastien besser im 2-7 und Mixed war, coachte er Alexandre in diesen beiden Varianten, während Luneu Sabic mit Rat und Tat beim PLO und No-Limit Hold’em zur Seite stand.

Das sollte sich auch schon bald bezahlt machen, denn im Jahr 2009 feierten sie ihre ersten Erfolge auf den High Stakes und Alex, der damals noch unter dem Namen „BiatchPeople“ spielte, gewann im Sommer über $500.000.

Alexandre Luneau
Der unter den Nicks "alexonmoon" und "BiatchPeople" bekannte Alex Luneau ist einer der besten Mixed Games Spieler der Welt.

Zu dieser Zeit entschieden sie sich dafür gemeinsam einen Shot auf die Nosebleeds, die höchsten angebotenen Online-Limits, zu wagen. Während die ersten daneben gingen, war der letzte, den ihre Bankroll erlaubte, schließlich erfolgreich als Luneau über eine Million Dollar gewann. Dabei nahmen die beiden nach eigener Aussage: „Ein hohes Risiko in Kauf und investierten einen großen Teil ihrer Bankroll für die Shots.“

Von diesem Zeitpunkt an blickten sie nie mehr zurück und hatten danach genug Geld um zu Regulars auf den Nosebleeds zu werden.

Das zeigt wieder einmal, dass es heutzutage beim Online Poker kaum noch möglich ist ohne Coaching und Hilfe anderer auf den High Stakes langfristig erfolgreich zu sein.

Deutsche Dominanz auch auf den High Stakes

Die deutschen Highroller haben das schon lange erkannt, tauschen sich regelmäßig aus und coachen sich gegenseitig. Das führte dazu, dass sie mittlerweile egal ob Turnier oder Cash Game zu den Besten der Welt gehören.

Zum ersten Mal überhaupt war mit Niklas „ragen70“ Heinecker mit einem unglaublichen Profit von 6,3 Millionen Dollar (!) im vergangenen Jahr ein Deutscher größter Gewinner des Jahres.

Niklas Heinecker2
Mit Niklas "ragen70" Heinecker war im letzten Jahr zum ersten Mal überhaupt ein Deutscher größter Gewinner auf den High Stakes.

Auch dieses Jahr befindet er sich mit einem Plus von 1,8 Millionen Dollar wieder in den Top 5, und das, obwohl er kaum gespielt hat. Noch besser platziert ist hier Cort „thecortster“ Kibler-Melby, der schon knapp 2,5 Millionen gewonnen hat. Ein Großteil des Gewinns der beiden kommt dabei mittlerweile vom 2-7 Triple Draw.

Als Antwort auf die Frage, wer der beste Limit-Spieler der Welt ist, fällt zudem häufig der Name Julius "kagomekagome" Fleischer.

Nicht zu vergessen, der immer noch Unbekannte „SanIker“, der alles und jeden spielt und seit der Kündigung von Gus Hansen und Viktor Blom bei Full Tilt, derzeit fast im Alleingang für die Action auf den Highstakes sorgt. 

„SanIker und Trueteller sind ziemlich gut“

SanIker
Auf die Frage, wen sie für richtig gut halten, fielen die Namen SanIker und Trueteller.

Auf die Frage, wen sie für richtig gut halten, antworten Seb und Alex im Film: „SanIker und Trueteller sind beide wirklich gut.“

Doch damit nicht genug, denn danach gefragt, ob es eine Zeit gab in denen ihnen jemand Angst machte, sagt Sabic: „Es gab eine Zeit, als uns die Deutschen ziemlich Angst gemacht haben. Sie tauchten plötzlich zu fünft in der Lobby auf und spielten alle die höchsten Limits beim 2-7.“

Die Blinds auf dem höchsten Limit beim 2-7 Triple Draw betragen nicht weniger als $2.000 und $4.000 und man sollte dazu wissen, dass Sabic einer der ersten Europäer war, der die höchsten Limits beim 2-7 spielte und dies seine Paradedisziplin ist.

Mittlerweile haben ihm die Deutschen, besonders in Form von Niklas Heinecker, SanIker und Cort Kibler-Melby aber auch hier deutlich den Rang abgelaufen.

„Gus, wenn du das siehst, wir lieben dich!“

Gus Hansen galt einst als einer der besten Spieler der Welt und hat Turnierpoker revolutioniert. Das hat sich in den letzten 5 Jahren allerdings schlagartig geändert und Gus entwickelte sich zum absoluten Lieblingsgegner aller Highroller.

Kein Wunder, verzockte der Däne in diesem Zeitraum doch mehr als 20 Millionen Dollar! In einer Szene spricht Sebastien sogar davon, dass sie eine Art System entwickelt hatten. Per Alarm wurden sie benachrichtigt, wann immer Hansen an den Tischen auftauchte. Mit dem Schlafen wechselten sie sich ab, damit immer einer von beiden wach und online ist, im Falle das Gus auftaucht.

Gus Hansen
Gus Hansen gilt mittlerweile als Wal unter den Highrollern.

Luneau war einer der größten Profiteure der heftigsten Verlustserie, die es in der Geschichte des Onlinepoker jemals gegeben hat, und gewann mehrere Millionen von Gus beim 2-7 und in den Mixed Games. Einmal kommt die Freundin von Alex zu Wort und sagt mit einem breiten Grinsen: „Gus, wenn du das siehst, wir lieben dich!“

Auch Hansen selbst bestätigt dies beim 50k Poker Players Championship auf die Frage, ob er „alexonmoon“ kennt: „Ja, ich weiß, dass er das 50k spielt, aber daher kenne ich ihn nicht, ich kenne ihn von den High Stakes auf Full Tilt. Leider muss ich sagen, da er mir in den letzten beiden Jahren besonders beim 2-7 Triple Draw viel Geld abgenommen hat.“

Turniere sind halt doch etwas ganz anderes als Cash Games

Saumont begleitet die beiden in der Doku auf ihrem Weg zur WSOP in Las Vegas, wo sie sich mit dem Gewinn eines Bracelets einen langgehegten Traum erfüllen wollen.

Besonders „alexonmoon“, der fast alle Varianten gut spielt, tritt dabei in nahezu allen Mixed und Draw Events an. Zwar schafft er es zweimal an den Final Table, musste sich dort aber mit einem 10. und einem 5. Platz begnügen.

Amazon Room
Dass Turniere und Cash Games zwei paar Schuhe sind bekamen die beiden bei der WSOP zu spüren.

In den meisten anderen Events bustet er. Sebastien ergeht es sogar noch schlechter, und er kann in keinem einzigen seiner Turniere cashen. Dadurch ist er dazu gewzungen die ein oder andere Cash Game Session einzulegen, um seine Gewinne wieder hereinzuholen, was ihm dann auch großenteils gelingt.

Das beweist wieder mal ganz klar wie groß die Varianz und der Glücksfaktor bei Turnieren ist, und wie unterschiedlich Cash Games und Turniere doch sind, wenn es sogar zwei der besten Cash Game Spieler der Welt bei zehn Turnierteilnahmen in Folge nicht ins Geld schaffen.

Luneau und Sabic bezeichnen die Massenevents bei der WSOP mit mehreren tausend Spielern und recht schnellen Strukturen beide als „Lotterie“ und liegen dabei wohl recht nahe an der Wahrheit.

Nosebleed ist eine Doku von Pokerspielern für Pokerspieler

Was den Film so authentisch macht ist, dass der Regisseur Victor Saumont die beiden Hauptdarsteller Alex Luneau und Sebastien Sabic, als Erzähler einsetzt und das Ganze aus ihrer Sicht dargestellt wird.

Victor Saumont
Regisseur und Pokerspieler Victor Saumont ist mit "Nosebleed" ein echtes Meisterwerk gelungen.

Alles, was er macht ist Fragen zu stellen und die beiden dazu zu bringen ihre Gedankengänge und Vorgehensweisen zu schildern. Seine Fragen sind auf den Punkt und bei diesen merkt man, dass Saumont vom Fach ist, denn er ist der Mann hinter der großen Video- und Newsseite www.pokerstarslive.fr und spielt auch selbst leidenschaftlich Poker.

Ihn verbindet eine Freundschaft mit den beiden Highrollern und das ist auch der Grund, warum sie ihn so nah an sich heranlassen und so viel preis geben.

Darüber hinaus glänzt der Film durch einen guten Schnitt, die hochwertige Produktion und einen famosen Soundtrack.

Alles hat Victor Saumont mit „Nosebleed“ ein echtes Meisterwerk abgeliefert. In den letzten Jahren wurde die High Stakes Szene immer verschlossener und viele wollen ihre Ergebnisse und Namen nicht mehr preisgeben.

Umso höher ist es einzuschätzen, dass es ihm gelungen ist die beiden französischen Highroller schlechthin für diesen Film zu gewinnen und sie dazu zu bringen ihre Gedanken, Meinungen und Gefühle so offen vor der Kamera offen zu legen.

Die erste echte High Stakes Doku übertraf alle Erwartungen und ist für uns schon jetzt die Online Poker Kult-Doku schlechthin und ein würdiges Gegenstück zum Hollywoodstreifen Rounders.

Hier könnt ihr euch die englische Version von Nosebleed anschauen:

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