Ein neuer Moneymaker? EPT Berlin Tag 2

karbowsky
Schlämmer? Nein, Karbowsky.

484 Spieler begannen den zweiten Tag der PokerStars EPT Berlin 2010. Während im Main Event eine Reihe bekannter Spieler ausscheiden musste, gibt es auch immer wieder Phänomene wie den Mann, der hier zum deutschen Chris Moneymaker werden könnte. Am Abend begann außerdem das zweitägige €2000 Side Event, und wieder war das Ticketangebot kleiner als die Nachfrage.

Ab Mittag flogen die Karten wieder, und es dauerte nicht lange, bis die ersten bekannten Gesichter verschwanden. Als eine der ersten musste Charlotte Roche gehen, die sich gestern nach ihrem ersten gewonnenen All-in vor Aufregung übergeben musste, sich aber dennoch wacker gehalten hat. Vicky Coren übergab auch, und zwar ihre Chips an Boris Becker. Andew Feldman hat auch nur noch wenige Chips. „Seat open, " im Minutentakt.

 

Die Spieler scheiden in so schneller Folge aus, dass die Live-Blogger um zwei Uhr schon schwitzen. Die Journaille diskutiert darüber, ob man schon ein Turnier begleitet habe, in dem das Feld noch schneller schrumpfte. „Die PCA in diesem Jahr war das einzige," lautet das allgemeine Urteil. Nach vier Stunden sind schon über 100 Spieler Geschichte. Boris Becker geht vor der Dinnerpause, er verliert mit A-J gegen K-Q, Marc Gork verschwindet kurz danach. Feldman ist immer noch da. Wenige Chips.

 

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Wenn Sterne explodieren, werden die Trümmer zu Sternschnuppen, die plötzlich kurz den Nachthimmel erleuchten, bevor sie verglühen. Exoten, so lehrt uns die Pokerwelt, kommen nicht nur aus der Mongolei. Manche wohnen hier in Berlin.

Hans-Jürgen Karbowsky hat sich offline für das Event qualifiziert. Aber nicht etwa in einem Pokerclub oder in einem der zahlreichen Satellites der Spielbank Berlin, sondern mit ein paar Freunden in einer Home-Partie. €20 Buy-in, mit Rebuys. Der Sieger darf ins Main Event.

 

Im Presseraum werden inzwischen die holländischen Kollegen nervös, weil fast alle Oranje-Spieler schon ausgeschieden sind. Wenn das mal nicht in Südafrika genauso passiert.  Aber Luske ist noch da. So wie gut 180 andere. Feldman wird König der Shortstacks. Irgendwie gelingt es ihm immer wieder, im letzten Moment zu verdoppeln, bevor ihn die Blinds auffressen. Seine Mission steht hinten auf seinem T-Shirt.

„€140 hat mich das insgesamt gekostet," grinst Karbowsky. Durch den ersten Tag ist er ganz gut durchgekommen, mit 80k Chips begann er Tag 2 etwa im Average. Im vorletzten Level liegt er bei 400k, und es fehlen nur noch 30 Spieler bis zum Geld. Karbowsky sitzt an Tisch 9. „Ich spiele jetzt nur noch Asse. Alles andere schmeiß ick wech," dröhnt er mit einer Berliner Schnauze, wie sie im Buche steht. „Dann krieg ich €7000, kein schlechter Schnitt für €140 Einsatz." Das klingt nach gesundem Spiel- und Menschenverstand. Könnte es vielleicht doch Hape Kerkeling sein?

 

Vielleicht hat sein Beruf ja mit Poker zu tun? „Nein, gar nichts, beruflich bin ich Zocker." Das macht Sinn. "Ich handele mit Optionen." Optionen, wie? Wahrscheinlich gut, wenn man welche hat. Über dem Hyatt Hotel bricht die Nacht herein.

Vor dem Registrationsschalter wird die Schlange immer länger. Erstaunlich, wie viele Leute ,al eben €2150 locker machen, um ein Pokerturnier zu spielen. In Level 3 stehen immer noch Spieler an der Kasse und hoffen auf die Warteliste.

Von Nervosität ist bei Karbowsky wenig zu spüren. „Egal, was ich heute anfasse, alles funktioniert. Die anderen wollen schon gar nicht mehr gegen mich spielen." Ob er wohl weiß, wen er da eigentlich am Tisch hat? Zum Beispiel der Typ gegenüber mit der verspiegelten Sonnenbrille? „Nö." Aber wahrscheinlich weiß Reinkemeier ja auch nicht, wer Karbowsky ist. Noch 155 Spieler, 144 werden bezahlt.

 

Fünf Minuten später verstößt Karbowsky gegen seine Philosophie und wird sofort bestraft. Er reraist mit A-K, bezahlt ein All-in von A-Q, liegt weit vorn, doch eine Dame erscheint auf dem Board. 100k weg, aber immer noch über Average. Dann platzt die Bubble. Karbowsky ist im Geld.

Verwendung für den Gewinn hat er schon: „In zwei Wochen fliege ich nach Las Vegas und heirate meine Freundin in einem Helikopter. Danach geht's eine Runde Harley Davidson fahren. Alles schon gebucht." Der Mann weiß, wie man Glücksspielgewinne verjubelt.

Von den deutschsprachigen Spielern liegt Danzer mit über 300k weit vorn, noch besser ist Strassmann. Huber, der Schweizer, ist ganz vorn. Das muss eine Million sein, was der da vor sich liegen hat. Feldman hat ca. 100k.

 

20 Minuten vor Ende des heutigen Spieltags kann für die Sternschnuppe doch eigentlich nichts mehr schiefgehen. Dann schallt es plötzlich „Seat open!" herüber. Von Tisch 9. Entsetzen. Wer ist es? Karbowsky? Nein, Reinkemeier. Raus. Mit Buben gegen Asse. „Na siehste." Die letzten drei Hände werden angekündigt. Wie soll's nun morgen weitergehen, Karbowsky? Der neue Plan ist schon fertig: „Jetz greif ick an!"

125 spielen am Freitag weiter. Chris Moneymaker, ick hör dir trapsen.

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karbowsky 2010-03-05 17:51:35

Ei Mann das<ist ja wahnsinn
mir hast gefallen