Ein Jahr nach Black Friday – Wie der UIGEA alles veränderte

fulltiltteam

Da war dieser kleine Zettel, angeheftet an einen Gesetzentwurf über verbesserte Sicherheitsbestimmungen in amerikanischen Häfen.

Wenn man ganz genau hinsieht, war das der Auslöser für Black Friday – eine ungenau formulierte Randnotiz, die noch schnell durch den Kongress gepeitscht wurde, bevor dieser sich wegen der bevorstehenden Wahlen 2006 auf unbestimmte Zeit vertagte.

Der Entwurf mit dem Namen „Unlawful internet Gambling Enforcement Act“, kurz UIGEA, sollte „Glücksspielunternehmen daran hindern, Zahlungen zu akzeptieren, die im Zusammenhang mit Wetten oder anderen Glückspieleinsätzen stehen, welche über das Internet abgewickelt werden und im Widerspruch zur jedwedem nationalen oder föderalen Recht stehen“.

Was dieser Satz genau bedeutet, ist auch nach fünf Jahren noch immer Interpretationssache. Trotzdem hat er dazu geführt, dass gegen ein Dutzend Spitzenmanager Haftbefehle ausgestellt wurden, außerdem zu einer Reihe Verhaftungen, zur Beschlagnahmung von mehreren Millionen Dollar und beinahe zum Verschwinden einer Multi-Milliarden-Dollar-Industrie in den Vereinnigten Staaten.

Black Friday – fünf Jahre Vorbereitung

Die Bombe platzte zwar erst, als am 15. April des vergangenen Jahres Anklagegen gegen die Besitzer von PokerStars, Full Tilt Poker und Absolute poker/UB.com, aber das war nur der Endpunkt einer bereits fünf Jahre dauernden Entwicklung.

bush phelps
Der Mann links im Bild unterzeichnete den UIGEA.

Der UIGEA war ursprünglich nur eine kurze Ergänzung zu einem Gesetz über die Sicherheitsbestimmungen amerikanischer Handelshäfen. Er hatte eigentlich nichts mit Online-Poker zu tun, sondern sollte den amerikanischen Handel davor schützen, von Terroristen dazu benutzt zu werden, Gelder unrechtmäßig ins Land zu bringen.

Der Entwurf trug das Kürzel „H.R. 4411“ und sollte verhindern, dass amerikanische Banken über das Internet Glücksspielzahlungen abwickelten. Damit erweiterte er den so genannten „Wire Act“ aus dem Jahr 1961, der Glücksspiel per Telefon verbot, um Internet-Sportwetten, -Casinos und –Pokerräume.

Lotterien, die auf Sportveranstaltungen beruhten – vergleichbar mit dem Toto in Deutschland, wurden ebenfalls verboten, während Devisen- und Rohstoffhandel nicht als „Glücksspiel“ angesehen wurden. Auch Pferderennen waren von dem Verbot ausgenommen.

Glücksspiel an sich wird an keiner Stelle des Texts für illegal erklärt, sondern die Online-Überweisungen, die damit in Verbindung stehen.

Trotz einer Reihe von Versuchen, den Act außer Kraft zu setzen, vor allem durch das Kongressmitglied Barney Frank, ist das Gesetz noch immer in Kraft.

Aufstieg und Fall der großen drei

Trotz einer auf 270 Tage angesetzten Übergangsphase zur Einführung des neuen Gesetzes begann die Sportwetten- und Onlinepoker-Branche schon kurz nach Bekanntgabe des UIGEA zu bröckeln.

PartyPoker, zu dieser Zeit Marktführer, zog sich freiwillig aus dem US-Markt zurück und verzichtete damit auf 80% seiner Einnahmen.

Auch einige kleinere Anbieter verließen in den folgenden Monaten den amerikanischen Markt. Die entstandene Lücke wurde vor allem durch zwei Unternehmen ausgefüllt: PokerStars und Full Tile Poker.

In der Überzeugung, eine Gesetzeslücke entdeckt zu haben, die Poker außerhalb des gängigen Glücksspiels stellt, starteten die beiden Unternehmen beispiellose Werbekampagnen und teilten den Markt zügig untereinander auf.

Durch gezielte Fernsehwerbung und Aufstellen von Profi-Teams mit den größten Stars der Szene konnten PS und FTP praktisch die komplette Spielerbasis von PartyPoker übernehmen und weiter ausbauen.

Innerhalb eines Jahres waren die beiden zu den dominierenden Kräften der Industrie geworden, und sie blieben in dieser Position bis zu. 15. April 2011.

Auch Absolute Poker/Ultimate Bet blieben auf dem amerikanischen Markt, spielten allerdings wegen des Superuser-Skandals und anderer Ungereimtheiten bei den Markanteilen eine untergeordnete Rolle.

Geld, die Crux und der Absturz

Obwohl man sich aus rechtlicher Sicht bei PokerStars und Full Tilt auf der sicheren Seite sah, änderte der UIGEA die Bedingungen um den Online-Zahlungsverkehr.

Daniel Tzvetkoff
Daniel Tzvetkoff - vom Täter zum Kronzeugen.

Nachdem Kreditkarten, PayPal und Banküberweisungen nicht mehr genutzt werden konnten, wurden nun dritte Parteien als Zahlungsdienstleister eingesetzt. Diese fielen jedoch ebenfalls unter den UIGEA, und damit gerieten die beiden Pokeranbieter ins Visier des Department of Justice (DoJ).

Im Juli verhaftete das DoJ die Besitzer des Zahlungsdienstleisters Neteller und beschlagnahmte mehrere Millionen Dollar Guthaben, die angeblich von amerikanischen Spielern an Online-Pokeranbieter überweisen worden waren. Bekannt wurde dieser Vorgang vor allem dadurch, dass auch die Bankroll von Isaac Haxton darunter war. 800.000 Dollar seines Gewinns, den er als Zweitplatzierter des PCA Main Events erhalten hatte, waren damit eingefroren.

Es sollte nur ein kleiner Vorgeschmack dessen sein, was noch folgen würde.

Es kam schließlich zu einem außergerichtlichen Vergleich. Neteller verzichtete auf $136 Mio., und Isaac Haxton bekam später sein Geld zurück.

PokerStars und Full Tilt sahen sich angesichts der wachsenden Ungewissheit nach anderen Möglichkeiten des Online-Zahlungsverkehrs um und verfielen u. A. auf die Firma Instabill, ein australischen Unternehmen, das Transaktionen in Verbindung mit Online-Gambling als Handelstransfers tarnte.

Chef des Unternehmens war Daniel Tzvetkoff, der später eine unrühmliche Schlüsselrolle in der Geschichte um den Black Friday nehmen sollte.

Vier Jahre später wurde Tzvetkoff in einem Casino in Las Vegas verhaftet, weil er im Zuge der Geldtransfers über eine Million Dollar auf eigene Konten abgezweigt hatte.

Während er in Untersuchungshaft saß, beschloss Tzvetkoff, sich eine Zeugenschutzprogramms zu bedienen und avancierte zum Kronzeugen gegen die Pokerräume. Seine private Korrespondenz ist Grundlage für einen Großteil der Anklageschriften gegen die elf Beschuldigten.

Morgen im nächsten Teil: PokerStars und Full Tilt auf dem Gipfel


Die große Serie zum Black Friday auf PokerZeit:

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