Ein Jahr nach Black Friday – Warnsignale

full tilt fragezeichen

Als George W. Bush den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act unterzeichnete, sandte er damit ein deutliches Zeichen an die Online-Pokerräume: Hört auf damit, auf dem amerikanischen Markt Online-Poker anzubieten.

Einige Anbieter, darunter PartyPoker und 888, die damals noch PacificPoker hießen, wichen dem Kampf aus und zogen sich aus dem Markt zurück.

Andere, vor allem PokerStars, Full Tilt und UB/AP, interpretierten das Gesetz anders und füllten die entstandene Lücke.

Der von Full Tilt gesponserte High Stakes Profi Brandon Adams zeigte sich nach dem Schwarzen Freitag in einem Interview mit der Chicago Tribune geschockt: „Die ganze Pokerwelt ist in ihren Grundfesten erschüttert. Man hätte erwartet, das es zuerst Warnsignale geben würde. Über Nacht wurden Multimillionen-Dollar-Websites einfach stillgelegt.“

Preet Bharara
Staatsanwalt Preet Bhahara formulierte die Anklagen.

Rückblickend wissen wir heute natürlich, dass es solche Warnsignale gegeben hat, und dass wir hätten wissen können, was passieren würde. Die drei wichtigsten Hinweise:

Department of Justice vs. Neteller

Der erste konkrete Hinweis darauf, dass die amerikanische Regierung mit dem UIGEA ernst machen würde, kam im Januar 2007, als zwei Gründungsmitglieder von Neteller wegen angeblicher ungesetzlicher Transaktionen mit Online Gaming Unternehmen und amerikanischen Kunden verhaftet wurden.

Nur wenige Tage später erklärte Neteller offiziell, keine Gelder für US-Spieler mehr zu transferieren.

Nach Zahlungen von $136 Mio. und einer zweijährigen Untersuchung durch das DoJ ließen die Behörden die Anklagen schließlich fallen.

Der Fall Neteller war ein klares Zeichen dafür, dass die Behörden sich auf Zahlungsdienstleister konzentrieren würden, um die Online-Pokerräume zu fassen zu bekommen.

IntaBet Chef Daniel Tzvetkoff wird verhaftet

Fast genau ein Jahr vor dem Schwarzen Freitag wurde der Zahlungsdienstleister Daniel Tzvetkoff in Las Vegas verhaftet und mehrerer Vergehen beschuldigt, darunter Betrug, Geldwäscherei, Betrieb illegalen Glücksspiels, Finanzierung illegaler Transkationen und Verstoß gegen den UIGEA.

Es war der erste Fall, in dem explizit auf den UIGEA hingewiesen wurde. Bei allen Beteiligten der Branche hätten in diesem Moment die Alarmglocken läuten müssen.

Die australische Courier-Mail berichtete, dass die Kolyma Corporation – Muttergesellschaft von Full Tilt Poker – die Firma Intabill auf $52 Mio. Schadensersatz verklagt hatte.

Tzvetkoff war ein Insider dieser Geschäfte und hatte damit reichlich wertvolle Informationen für das DoJ, die er im Austausch für seine Entlassung aus der Haft bereitwillig hergab.

Phantom-Transfers auf Full Tilt Poker

Zu Beginn des Jahres 2011 tauchten zunehmend Berichte von Spielern auf, die Gelder von Full Tilt auf ihren Pokeraccounts vorgefunden hatten, obwohl diese nie von ihren Bankkonten abgebucht worden waren.

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Phantombuchungen auf Full Tilt.

Zunächst schob man das auf Verzögerungen bei den Online-Überweisungen, nur einige wenige Spieler erwähnten mögliche Zusammenhänge zwischen den fehlenden Überweisungen und dem UIGEA.

In diesem Thread, der Ende 2010 eröffnet wurde, sprechen Spieler darüber, wie Monate vergingen, ohne dass ihnen Gelder von ihren Bankkonten abgebucht wurden.

In einem merkwürdig prophetisch anmutenden Post auf 2+2 schrieb ein Mitglied namens „Snipez“ über das Problem und benutzte dabei erstmals den Begriff „Phantombuchung“.

Besonders rätselhaft: Snipez registrierte sich bei 2+2 am selben Tag, an dem dieser Post erschien, und schrieb danach nie wieder einen Beitrag in dem Forum.

Es ist vollkommen unmöglich, dass Full Tilt nichts darüber weiß. Viele Spieler haben Emails geschrieben und nachgefragt, warum die Gelder nicht von ihren Konten abgebucht wurden. Ich kann nicht verstehen, warum die Quick Deposit Funktion bei den betroffenen Accounts nicht einfach deaktiviert wird. Natürlich werden die Leute mit diesem kostenlosen Phantomgeld riskanter und aggressiver gamblen. Es fühlt sich fast wie eine Falle an, aber ich kann nicht erkennen, wie Offshore-Pokerräume gegen amerikanische Staatsbürger Regressansprüche geltend machen könnten. Das wird sie eine Menge Geld kosten, es wird ein Riesenchaos entstehen und kann auch ihren ruf ruinieren.

Als der Schwarze Freitag schließlich eintraf, hatte Full Tilt Poker bereits $130 Mio. an Phantomgeldern auf Spieleraccounts gutgeschrieben, aber die Öffentlichkeit zu keinem Zeitpunkt darüber unterrichtet.

Lesen Sie morgen im nächsten Teil: D-Day und was danach geschah.


Die große Black Friday Serie auf PokerZeit:

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