Ein Jahr nach Black Friday – D-Day und die Folgen

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„Wo warst du, als es passierte?“ Der Schwarze Freitag ist zu einem Wendepunkt in der Geschichte von Online-Poker geworden, an den sich jeder Pokerspieler erinnert.

Er begann wie jeder andere Tag, abgesehen davon, dass das Department of Justice (DoJ) eine Meldung absetzte, in der die drei großen Anbieter PokerStars, Full Tilt und AP/UB ab sofort für Spieler in den USA gesperrt wurden.

Panik brach aus, überall versuchten Spieler verbissen, an genauere Informationen zu gelangen.

Kurz danach wurde offiziell erklärt, dass gegen elf leitende Angestellte der drei Online-Pokeranbieter Haftbefehl erlassen wurde, darunter auch Isai Scheinberg von PokerStars, Ray Bitar von Full Tilt Poker und Scott Tom von Absolute Poker.

„Die Vorwürfe lauten, dass die Angeklagten mehrere US-amerikanische Banken betrogen und weitere bestochen haben, um den Transfer von Milliarden Dollar Profit aus Internet-Glücksspielen abzusichern“, erklärte Staatsanwalt Preet Bhahara.

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„Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass die Beschuldigten sich außerdem in umfangreichen Maß der Geldwäsche und des Bankbetrugs schuldig gemacht haben […] aus dem Ausland operierende Firmen können nicht einfach amerikanische Gesetze umgehen, nur weil sie sonst einen Teil ihres Profits verlieren würden.“

Und von einer Minute auf die andere waren PokerStars, Full Tilt und AP/UB vom amerikanischen Markt abgeschnitten.

Neue .eu-Domains und Verhandlungen mit dem DoJ

In einer ersten Reaktion verschoben die Pokeranbieter ihre Domains auf eine .eu-Endung und fuhren fort, für die Spieler aus dem Rest der Welt Poker anzubieten.

Außerdem veröffentlichten die Pokerräume Pressemeldungen, in denen mehr oder weniger dasselbe stand: Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten, aber keine Sorge, alles ist in Ordnung und die US-Spieler kriegen bald ihr Geld zurück.

Ein Abschnitt aus der Full-Tilt-Meldung sollte sich in den folgenden Monaten zunehmend höhnisch klingen:

„Angesichts der jüngeren Entwicklung, im Zuge derer mehrere Accounts eingefroren wurden, versichert Full Tilt seinen Spielern, dass alle Spieleraccounts sicher sind. Ein- und Auszahlungen werden weiterhin wie gewohnt durchgeführt, und den Spielern stehen alle Transferoptionen offen.“

Wie sich herausstellen sollte, war das keine Fehlermeldung. Es war eine Lüge.

PokerStars zahlt aus, FTP und UB spielen auf Zeit

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Die wichtigsten Gesichter von FT und PS.

PokerStars dagegen bemühte sich um eine schnelle Einigung mit dem DoJ, um die .com-Domain wieder freigeschaltet zu bekommen und die amerikanischen Spieler so schnell wie möglich auszubezahlen. Danke der breiten Präsenz auf dem europäischen Markt konnte PokerStars auérdem auch weiterhin Gewinne erzielen.

Weder Full Tilt noch AP/UB kamen dagegen ihren Verpflichtungen nach, obwohl ihnen das DoJ dieselben Möglichkeiten eröffnete wie PokerStars.

Erst später stellte sich heraus, dass die Phantomtransfers und die Beschlagnahmung FTP so sehr in Schwierigkeiten gebracht hatten, dass keine Möglichkeit mehr bestand, die Spieler auszuzahlen. Erschwerend kam hinzu, dass weiterhin großzügige Boni an die Shareholder ausgezahlt wurden, während die Spieler gleichzeitig leer ausgingen.

Außerdem wurden weiterhin Einzahlungen von Spielern aus der ganzen Welt akzeptiert, obwohl man im Unternehmen wusste, dass diese nicht wieder zurückgezahlt werden konnten.

Zur selben Zeit meldete Blanca Games, die Muttergesellschaft von AP/UB, Konkurs an. Auch die Spieler von AP/UB warten bis heute auf ihr Geld. Seit Monaten herrscht Funkstille, es gab keine Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den Spielern.

FTP und das PR-Desaster

Full Tilt spürte bald den Druck, der durch das anhaltende Schweigen entstand. Er nahm spürbar zu, als Phil Ivey am ersten Tag der WSOP 2011 verkündete, die gesamte WSOP zu boykottieren, um seine Solidarität mit den Spielern von Full Tilt auszudrücken, deren Geld auf den Accounts festsaß und die deswegen nicht an der WSOP teilnehmen konnten.

Außerdem verklagte er seinen früheren Sponsor.

In einer ersten Reaktion nannte Tiltware Ivey in einer Pressemeldung egoistisch und seine Vorwürfe haltlos.

Ivey zog seine Klage später zurück, blieb aber wie angekündigt der WSOP 2011 fern.

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Wie wird Online-Poker in Deutschland aussehen?

Im September 2011 entzog die Alderney Gambling Commission Full Tilt die Lizenz. Seitdem sind keine Spieler auf Full Tilt Poker mehr möglich.

Das DoJ erklärte später auch Howard Lederer, Rafe Furst und Chris Ferguson zu Beschuldigten und verglich das Geschäftsmodell von Full Tilt Poker mit einem Pyramidenspiel.

Die Zukunft

Ein Jahr nach dem Schwarzen Freitag ist der Status von Online-Poker weltweit noch immer nicht hinreichend geklärt.

Die Spieler von Full Tilt warten weiterhin auf Auszahlungen, sie setzen ihre Hoffnungen inzwischen auf die geplante Übernahme durch die Bernard Tapie Gruppe.

In fast jedem Land wird weiterhin über die rechtliche und steuerliche Situation von Online-Poker diskutiert.

Frankreich und Italien erlauben derzeit begrenzten Zugang zu Online-Poker über lizenzierte Anbieter. Akzeptiert werden ausschließlich einheimische Spieler.

In Deutschland, Dänemark, Spanien, Holland und den skandinavischen Ländern wird diskutiert, wie der nächste Schritt hin zu einer Regulierung aussehen könnte.

In Großbritannien ist Online-Poker legal, und man bemüht sich, die Anbieter dazu zu überreden, sich im Königreich anzusiedeln.

In Australien und Kanada wird die Frage nach der Legalisierung praktisch ausgeblendet, dort können alle Spieler nach Belieben online spielen.

Heute kann man sich in fast jedem Land problemlos einloggen, abgesehen von den USA, dem Poker-Mutterland.

Nur einige kleine Pokeranbieter im Merge Netzwerk akzeptieren weiterhin amerikanische Spieler, ansonsten ist der Markt praktisch komplett geschlossen.

Es kursieren Gerüchte, nach denen Online-Poker in den USA bald geregelt und legalisiert wird. Bis heute ist allerdings nichts dergleichen geschehen.


Die große Black Friday Serie bei PokerZeit:

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