Edgar Stuchly zum Aus der EPT: "Der nächste, logische Schritt“

Edgar Stuchly M3DM2
Edgar Stuchly (Bilder: Danny Maxwell)

Nach 13 Jahren stampft PokerStars seine etablierte Marke „European Poker Tour“ einfach ein. Das wirft Fragen auf. Ex-EPT-Chef Edgar Stuchly stellt sich ihnen.

Edgar Stuchly hat als Leiter der jetzt ehemaligen European Poker Tour maßgeblichen Anteil an der zukünftigen Strategie.

PokerListings: Der Onlinepoker-Markführer baut über mehr als ein Jahrzehnt die neben der World Series zweitgrößte Marke der Branche auf und beschließt dann, diese einfach einzustellen. Warum?

Edgar Stuchly: Grundsätzlich haben wir uns das Ziel gesetzt, dieses gut etablierte, gut durchdachte Konzept in der Zukunft global umzusetzen.

Allerdings passt der Name „European Poker Tour“ nicht mehr, wenn man ihn mit Macau oder Panama in Verbindung bringt.

Auch die PCA war ja schon immer etwas unrund in dem System EPT.

Eigentlich ist es damit ja der nächste logische Schritt, dass wir ein Top-Produkt wie die EPT auch anderen Kontinenten zur Verfügung stellen.

Wir haben uns in Europa konsolidiert und widmen uns nun auch anderen Märkten.

Das Produkt war doch mit LAPT und anderen Serien eigentlich doch schon da.

Es gab verschiedene regionale Serien, aber die europäische war im puncto Innovation immer ein Vorreiter.

Außerdem war es aus verschiedenen, teilweise rechtlichen Gründen nicht immer möglich, einzelne Neuerungen und Ideen überall umzusetzen, sodass diese in Europa blieben.

Europa ist unter Anderem auch deshalb ein Schlüsselmarkt, weil dort vieles leichter umzusetzen ist als auf anderen Kontinenten.

Zum Beispiel sind die Hürden in Macau sehr viel höher als in europäischen Ländern. Also haben wir uns einige Jahre auf Europa konzentriert, um das Produkt entsprechend aufzubauen.

Aber daneben waren wir ja schon längst mit den kleineren Touren überall präsent. In der Hochzeit liefen weltweit bis zu 17 Pokertouren gleichzeitig.

Mit dem neuen Konzept wird alles deutlich einfacher. Statt einer Vielzahl von Turnierserien mit hunderten von Webseiten haben wir nun eine Webseite, auf der die Spieler aus aller Welt die wichtigsten Informationen finden können.

Wir haben außerdem die Präsenzen in den Sozialen Medien zusammengeführt, sodass es nun statt rund 15 Webseiten nur noch eine pro Tour gibt, und die in jeweils zwei Sprachen.

Alles läuft nun unter PokerStars-Live und ist sehr viel übersichtlicher.

Die EPT hat auch aufgezeigt, dass Expansion ihre Grenzen hat. Nach Jahren des Wachstums brachen einige Events quasi in sich zusammen und wurden schließlich entfernt. Jeden Monat ein neuer EPT-Sieger ist eben irgendwann uninteressant.

Edgar Stuchly M3DM4259
Titel aufwerten

Als ich dem Unternehmen 2011 beigetreten bin, fassten wir den Plan, die EPT-Titel aufzuwerten, indem wir die Zahl der Events verringerten.

Weniger Stopps, und dadurch mehr Qualität und größere Felder, das war das Ziel, und die Leistung der EPT besteht darin, dass sie in den vergangenen fünf Jahren so außergewöhnliche und erfolgreiche Stopps hervorgebracht hat.

Eine wichtige Rolle nehmen dabei aber auch die Spieler ein, denn es war deren Feedback, dass uns ein gutes Gefühl dabei gab, eine neue Richtung einzuschlagen.

Die großen Festivals dienen ja auch dem Gemeinschaftsgefühl. Heute kann der 150er-Turnierspieler dieselbe tolle Erfahrung machen wie der Super High Roller in einem 50k Buy-in-Turnier, und das beim selben Event.

Aber werden denn nicht genau diese Möglichkeiten nun wieder entfernt, da die kleinen – etwa die Eureka-Tour – nicht mehr mit den Championships zusammengelegt werden?

Das stimmt so nicht. Die großen PokerStars Championships werden genau dasselbe sein, was die großen, kombinierten Eureka/EPT-Festivals bisher waren.

Ändern werden sich da nur die Namen. Zum Beispiel wird aus dem Estrellas Main Event in Barcelona im kommenden Jahr die PokerStars National Championship. Es handelt sich aber um exakt das gleiche Turnier.

Dieses Angebot ändert sich also nicht. Die Turniere werden alle noch da sein, nur dass das Ganze jetzt einen neuen Namen hat.

Zuletzt wusste man ja schon gar nicht mehr, wie man die Veranstaltung nennen sollte. Fuhren die Spieler jetzt zur Estrellas oder zur EPT?

Dann sind die Festivals zusätzliche Events?

Edgar Stuchly M3DM5495

Die Festivals sind das, was früher die nationalen Stopps waren, die nicht an eine EPT angekoppelt wurden.

Zum Beispiel hat es die UKIPT London ja über einige Jahre gegeben, auch dann, wenn keine EPT in London stattfand. Ebenso verhält es sich etwas mit der Estrellas Marbella, der FPS Lille oder der Eureka in Rozvadov.

In Zukunft werden wir von Jahr zu Jahr entscheiden, welche Veranstaltungen unter den Festival-Schirm kommen.

Dadurch vermeiden wir zum Beispiel auch, dass eine Tour wie die Estrellas in einer Saison bei nur zwei Stopps landet. So etwas sieht ja auch merkwürdig aus.

Jetzt können wir auch mal sagen, wir machen nur ein Event in Spanien in diesem Jahr, und das heißt dann eben PokerStars Festival wo-auch-immer.

Mit Panama und Macau wurden nun zwei außereuropäische Stationen ins Programm genommen. Hätte man diese nicht wie die PCA auch unter dem Markennamen EPT laufen lassen können?

Ich denke nicht. Es sind zwar bisher nur zwei außereuropäische Stopps, aber der Zeitplan steht erst bis Mitte August. Offensichtlich werden danach noch weitere Stationen dazukommen, möglicherweise sogar davor.

Man muss diese Sache mit der Marke in einem größeren Zusammenhang betrachten. Natürlich hat eine Marke einen Wert, aber es geht auch darum, wie man diese Marke empfindet.
Und eine globale Marke ist immer größer als eine europäische, genau wie die Fußballweltmeisterschaft ein größeres Turnier mit mehr Mannschaften und einem wichtigeren Titel ist als die Europameisterschaft.

Wir investieren darin, Poker weltweit wachsen zu lassen. Und da kann ein Titel, der den Begriff „Europa“ in sich trägt, auch limitierend wirkend.

Es ist ja nicht so, dass die Kanadier oder die Asiaten sagen, „ich will unbedingt die European Poker Tour sehen“, und dann bekommt die EPT dort beste Sendeplätze.

Mit der PokerStars Championship fällt die regionale Prägung weg.

Panama scheint eine eher überraschende Wahl zu sein. Vor allem, weil Brasilien derzeit doch der Wachstumsmarkt schlechthin ist.

Edgar Stuchly M3DM0468

Wir sind sehr, sehr, wählerisch, was unsere Partner angeht, vor allem, wenn es um eine Championship geht.

Wir wollen ja schließlich alles bis hin zum Super High Roller Turnier anbieten können. Wichtig sind also nicht nur Sicherheit, Experience und Venue, sondern auch Cash Game Angebot, Qualität des Personals, gute Erreichbarkeit aus allen Richtungen.

Panama ist ein Ort, der all diese Bedingungen erfüllt. Auch der Geldverkehr ist unproblematisch, wobei wir mit unserem Kartensystem ja erreicht haben, dass man keine großen Bargeldmengen mehr mitführen muss.

Zum Thema Brasilien: das ist ein Super-Markt und wir sind ja mit der BSOP auch schon dort vertreten. Das Problem dort ist die Höhe der Steuern.

Wenn man 30% auf Gewinne zahlen muss, ist die Attraktivität doch deutlich geschmälert. Aber Brasilien hat sehr viel Potenzial. Es wird darauf ankommen, wie sich die Situation dort entwickelt.

Im Übrigen haben wir in Panama schon mit der LAPT gastiert, also durchaus Erfahrungen gemacht.

In den letzten zwei Jahren hat der unumstrittene Marktführer durch Beschneidungen des Bonusprogramms, Rake-Erhöhungen usw. auch für negative Schlagzeilen gesorgt. Wie geht man damit um?

Was meine Verantwortung in diesem Unternehmen betrifft, bin ich dafür der falsche Ansprechpartner.

Im Bereich Live Events gab es lediglich Unstimmigkeiten bei der Einführung der neuen Payout-Struktur, was meinen Zuständigkeitsbereich betrifft.

Natürlich sind die Online-Qualifikanten für uns wichtig, damit hat ja letztlich auch alles angefangen, und deshalb bieten wir jetzt ja auch Dinge wie die Spin-and-Go-Qualifier an, über die sich übrigens 137 Spieler für die Bahamas qualifizieren konnten, davon einer gleich vier Mal.

Im Bereich Live-Events hat sich vor allem die Zusammensetzung des Pro-Teams dramatisch verändert. Statt großer Titelträger finden sich dort heute viele Prominente wie Neymar und Cristiano Ronaldo, die mit Poker eigentlich nicht viel am Hut haben, dafür aber eine enorme Reichweite besitzen.

Also, einige der großen Spieler sind ja auch heute noch dabei, wie etwa Daniel Negreanu oder Jason Mercier.

Aber es hat sich etwas an der Gewichtung verändert. Profi-Pokerspieler halten sich eben hauptsächlich in ihrem Milieu auf. Pros kennen Pros.

Wir wollen aber den Amateur ansprechen, und da macht es mehr Sinn, mit Leuten zu werben, die auch keine Profis sind.

Neymar und Cristiano Ronaldo sind ja Pokerfans, die spielen ja gern, aber sie sind eben keine Profis. Unsere letzte Videokampagne „Raise it“ zeigt nur Nicht-Profis und wurde von über 40 Millionen Menschen gesehen.

Da scheinen wir doch auf dem richtigen Weg zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare