Die Top-20-Chronik des Pokerjahrzehnts (4)

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Wer waren in den letzten zehn Jahren die wichtigsten Spieler für die deutsche Pokerlandschaft, welche Personen haben hinter den Kulissen am meisten bewegt, welche Institutionen waren am wichtigsten, welche Ideen am skurrilsten? Eine Aufzählung ohne Wertung.

16. Boris Becker

Als PokerStars Boris Becker zum neuen „Pokergesicht" für die Werbekampagne in Deutschland machte, sorgte das in Spielerkreisen im besten Fall für Belustigung, häufiger jedoch für abfällige Bemerkungen und Häme. Wie sollte schon ein abgehalfterter Tennisspieler, der nie durch besonders kluge Bemerkungen aufgefallen war, plötzlich ein so komlexes Spiel wie Poker beherrschen. Ein reiner Werbegag, hieß es, der verschwindet schnell wieder.

Zwei Jahre ist das inzwischen her, und PokerStars hat mehr deutsche Spieler als je zuvor. Trotz der Geringschätzung einiger sollte man niemals die Anziehugnskraft eines bei allen Besenkammergeschichten eben auch unheimlich populären und bekannten Gesichts wie Becker vergessen. Auch ist gegenüber einem Spieler, der nicht weniger als sechs Grand-Slam-Turniere gewonne hat, auch etwas Respekt angebracht. Dass er nicht von Anfang reihenweise die Finaltische erstürmte, ist keineswegs überraschend, das gelingt auch keinen Profi.

Immerhin hat Becker bei der $25k WPT Championship im vergangenen April Platz 40 erreicht. Und sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich haben wir ihn doch immer ganz gern gemocht, oder?

Michael Koerner
Die Pokerstimme in Deutschland.

17. Michael Körner

Er ist der Pokerkommentator im deutschen Fernsehen und damit die Stimme, die jeder Zuschauer mit Poker assoziiert. Selbst wenn Sie noch nie eine Pokersendung auf DSF gesehen haben, kennen Sie ihn, denn er moderiert mit Oliver Welke auch TV Total auf Pro7. Seiner Ansicht nach wird es bis auf Weiteres auch dabei bleiben, es sei denn, die Sponsoren PokerStars und Full Tilt entscheiden anderweitig.

Körner ist persönlich überzeugter Cash-Game-Spieler, hat neben Poker aber auch noch eine zweite Leidenschaft: Pferde bzw. Pferdewetten. Dank des Informationenoverkills, der durch das Internet steht, kann sich der aufmerksame Wetter einen Informationsvorsprung erarbeiten, der zu Offline-Zeiten nicht möglich war.

ballermann
Ballermann im Casino.

18. Die Erfinder der 1-Euro-Partys in der Hohensyburg

Einst das Flaggschiff der europäischen Casinolandschaft und würdiger Austragungsort der EPT German Open, bekannt für qualifiziertes, kompetentes Personal an den Tischen und gutes Spielangebot, hat das Management auf die allgemein schrumpfenden Besucherzahlen zunächst falsch, später zunehmend hilflos reagiert und mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit im richtigen Moment die falschen Entscheidungen getroffen.

Die vorläufige Talsohle dieser Entwicklung sieht so aus: Mitarbeiter prozessieren gegen den Arbeitgeber, bei einem Pokerturnier kam es während der Rebuy-Phase zu einem plötzlichen Verschwinden eines signifikanten Teils des Preispools, ein Rahmenprogramm bei der EPT Dortmund mit drallen Moulin-Rouge-Imitationen und die unsäglichne Ein-Euro-Partys - zuletzt an Halloween -, mit denen das Stammpublikum so souverän vergrault wurde, dass man schon Absicht vermuten muss.

Inzwischen hat PokerStars die Austragung in Dortmund, wie auch von vielen Spieler gefordert, abgesagt. Ein neuer Veranstaltungsort steht noch nicht fest, aber es wird wohl auf Berlin oder eventuell Hamburg hinauslaufen.

Florian Silbereisen
Traum der Schwiegermütter.

19. Florian Silbereisen

Das kann ja wohl wirklich nur ein Scherz sein, werden Sie sagen. Ist es auch, in gewisser Weise. Der Traum aller potenziellen Schwiegermütter und Alptraum fast aller anderen mit dem modernen 50er-Jahre-Charme eines Peter Alexander, nur mit weniger Persönlichkeit, wurde aus der Redaktion nicht bekannten Gründen von PokerStars mit einer Wildcard ausgestattet, lieh sich einen Schal von George Danzer und durfte an der EPT Dortmund teilnehmen.

Zwar schied er schon vor dem dritten Level souverän aus, zwar hat er mit Poker genauso wenig zu tun wie Österreich mit Hochseefischerei oder die CSU mit Christentum und Sozialarbeit, aber immerhin bewirkte er mit seiner EPT-Eskapade doch, dass Poker auch in den Augen der rechtschaffenen Zuschauer der „Lustigen Mutanten" - also den Fernsehzombies, die den meisten Pokerspielern noch gleichgültiger sind als ein Sack Reis in Peking - ein wenig mehr Akzeptanz zuteil wurde und nicht mehr automatisch als Teufelswerk identifiziert wird. Und das ist doch schon was, oder? Nein? Na gut.

sergej barbarez
Barbarez am Tisch.

20. Pokernde Ex-Fußballprofis

Wenn Fußballer pokern. Zunächst waren es mal wieder die Amis und Engländer, die es uns vorgemacht haben, namentlich Teddy Sheringham und Tony Cascarino (der erst kürzlich Turniersieger wurde). Leider hört man bis heute nur wenig von Bundesligafußballern, die sich für Poker begeistern. Dabei sind einige schln längst bei den großen Pokerräumen unter Vertrag. Thomas Helmer ist schon seit Jahren Repräsentant  für PartyPoker, Sergej Barbarez steht bei Everest Poker unter Vertrag und nahm im Dezember am Poker Grand Slam in Montesino teil, und Thomas Brdaric wurde von Michael Keiner in den Kreis der 888-Spieler aufgenommen.

Höchste Zeit, dass die drei mal wieder ein bisschen mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Wenn ein Spieler mit einem so sauberen Image wie Helmer sich schon als Pokerfan outet, erkennt vielleicht noch ein größerer Teil der Bevölkerung, dass das Spiel gar nicht so schlimm ist. Übrigens nahm Helmer bei den PartyPoker Open IV u. A. Ronald de Boer vom Tisch, und wer gegen Holland gewinnt, kann doch gar kein schlechter Mensch sein...

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