Kargheit statt Verschwendung

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Schmucklos und funktionell - der neue Trend in Vegas.

Wer Las Vegas besucht, ist immer wieder fasziniert von der Architektur und vom stetigen Wandel, der in Sin City Programm ist. Hotelcasinos, die vor 25 Jahren noch weltbekannt waren und als Top-Holiday-Destination mit Shows von Weltrang galten - man denke nur an Dunes, Desert Inn und das Stardust – existieren einfach nicht mehr. Sie wurden gesprengt und sind verschwunden.

Platz musste her für große Casino-Resorts, die mit sogenannten Themenparks glänzen.

Diese Entwicklung begann schon früh in den späten 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts mit dem visionären Projekt „Caesars Palace“, einem Hotel im Stil des „Roman Empire“: edelster Marmor, römisch inspirierte Statuen, Wasserspiele, piniengesäumte Alleen, lateinisch gestylte Restaurants.

Doch erst in den späten 80er-Jahren wurden jene visionären Ideen fortgesetzt und es entstanden das „Excalibur Hotel & Casino“ mit dem Motto „Artussage“. Dann folgten das Südsee-inspirierte „Mirage“, das „Treasure Island“ mit Piraten-Thema, „Luxor“ die gläserne Pyramide, „MGM-Grand“ als Las-Vegas-Transformation von Hollywood, „New York-New York Hotel and Casino“.

Doch dabei muss es doch zumindest thematisch eine Grenze geben. Nicht endlos können schöne Orte oder Weltstädte bzw. deren Attraktionen kopiert werden. Las Vegas hat sein Bellagio, sein Rio, sein New York, sein Venedig, sein Paris. Damit dürfte dieser Trend erschöpft sein.

Auch wenn zwischenzeitlich Immobilien-Mogul Steve Wynn mit dem „Wynn“ und dem „Encore“ den Schwerpunkt auf Super-Luxus gelegt hat, und mit dem „Aria“ und dem „Cosmopolitan“ neue Highlights fertiggestellt wurden, so sind die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre auch an der Dauer-Boomtown Las Vegas nicht spurlos vorüber gegangen.

Die Entwicklung stagniert

Besucherzahlen in Las Vegas gehen drastisch zurück, viele Mega-Projekte wurden gestoppt. Und so ist vielleicht das neueste Entwicklungsprojekt genau das, was in diese Zeit passt, und neue Scharen an Neugierigen anlocken wird.

Eine neue Art von Erlebniswelt ist ins Blickfeld gerückt. Das Motto lautet jetzt nicht mehr LUXUS und VERSCHWENDUNG, sondern KARGHEIT.

king of prussia
Schon im Barbereich wird die neue Bescheidenheit sichtbar.

Sehr deutlich wird das bei der gerade neu vorgestellten Projektstudie „PRUSSIA PREUSSEN – RESORT and CASINO HOTEL LAS VEGAS“. Ein Modell des von „Milagro Entertainment Corporation“ geplanten Komplexes ist in der „Fashion Show Mall“ am Strip aufgebaut.

Das geplante Hotel wird im Stil einer preußischen Kaserne eingerichtet und militärische Disziplin, strammer Drill und „Pflichterfüllung“ sind dort als Freizeiterlebnis geplant.

Die Hotelanlage wird aus drei grauen, schmucklosen, quaderförmigen Unterkunftsblöcken bestehen. Sie umrahmen einen „Exerzierplatz“, größer als drei Fußballfelder, dabei staubtrocken. Weit und breit ist kein Baum zu sehen.

Selbstverständlich wird das Resort nicht am Strip stehen sondern fernab von der glitzernden Lichterwelt. Entwickelt werden soll ein riesiges Gelände im Niemandsland des Las Vegas Valley, noch fast 4 Meilen westlich vom Orleans Hotel entlang der Tropicana Avenue.

Und so sieht das Konzept aus:

Ankommende Gäste passieren zunächst ein Wachhäuschen mit geschlossenem Schlagbaum davor. Sandsäcke, Stacheldraht und eine bewaffnete Wachmannschaft sorgen für den ersten Eindruck: An der Rezeption wartet die Garde der „Langen Kerls“ in Uniform und mit Pickelhaube auf eintreffende Gäste.

In militärisch knappem Befehlston wird erklärt, was im „Preußen-Resort“ der Begriff „Urlaub“ bedeutet, wie die „Quartiere“ zu beziehen sind, und wann der erste „Appell“ nach der Ankunft stattfindet.

Auch die Hotelzimmer („Stuben“) sind geprägt von militärischer Strenge. Die Einrichtung ist absolut gleichförmig.

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Selbst ist der Mann - Zimmer im "Prussia".

Pro Gast gibt es einen schmalen Schrank („Spind“). Es ist genau vorgeschrieben, wie dieser einzuräumen ist. Sehr zeitnah kontrolliert das ein „Spieß“. Die Betten bestehen aus schmalen Stahlgestellen mit harter Matratze, pro Gast liegt eine kratzige Wolldecke bereit.

Das Casino

Kargheit ist auch dort das Leitmotiv, die Spieltische sind mit uniformfarbigem Tuch bespannt, die Schrift z.B. auf Black Jack-Tischen (im Prussia „17 and four“ genannt) altdeutsch Fraktur (wenngleich englischsprachig).

Ebenso preußisch gestaltet sind die Spielchips: Frakturschrift, militärisches Design. Erfreulich,  dass die Vegas-übliche Farbkonvention beibehalten werden soll.

Die Croupiers an den Spieltischen tragen deutsche (Fantasie)-Uniformen, dazu Monokel und Pomade im Haar. Wie in ganz Las Vegas üblich, trägt jeder Croupier ein Namensschild.

Im „Prussia-Resort“ werden den Croupiers bevorzugt Namen wie „Fritz“, „Wilhelm“, „Heinrich“, „Siegfried“, „Günter“, „Jürgen“ und „Horst“ gegeben. Alle sprechen mit übertrieben deutschem Akzent und rufen „Jawoll!“ wenn ein Spieler seinen Einsatz tätigt.

Die Cocktail-Girls werden „Frauleins“ heissen (man darf gespannt sein, wie die deutsche Frauenbewegung darauf reagieren wird), durchweg blond und blauäugig sein und eine gewisse sinnliche „Prallheit“ verströmen. Auf ihren Namensschildern werden fiktive Namen wie „Hildegard“, „Marlene“ und „Brunhilde“ stehen.

Der Pokerroom

Das Motto lautet ebenfalls „Kargheit“. Olivgrünes Tuch auf den Spieltischen, die Stühle sind unbequem, sie bestehen aus Stahlrohr mit ungepolsterten Sitzflächen.

Ein etwas abseits positionierter Tisch wird mit Schauspielern besetzt werden, allesamt gestylt wie preußische Offiziere und mit dementsprechenden Habitus: herrische Gesten und herablassendes Verhalten dem Servicepersonal gegenüber.

Nach Bad Beats wird der „glückliche“ Gegner zum Duell herausgefordert und ein Offizier, der „broke“ ist, begeht theatralisch vor den anderen Selbstmord.

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Die auf Militär getrimmte Croupier-Uniform.

Nur zwei Restaurants sind geplant: Im Buffetrestaurant The Goulaschcanon geht es betont militärisch zu: Die Gäste müssen mit „Essgeschirr“ anstehen und bekommen vom „Küchenbullen“ bewusst karge Portionen in ihre Behälter geklatscht.

Wer sich beschwert wird entweder ignoriert, bekommt einen Anranzer vom "Spieß", oder muss „strafexerzieren“.

Etwas gehobener ist das Clausewitz, der „Offiziersclub“: Hier kann nicht jeder eintreten, sondern nur Leute, die sich in entsprechender Weise (d.h. durch ihr Hotel-Buchungsniveau) als „military officers and escort“ registrieren lassen.

Integriert in einen Las-Vegas-Hotelkomplex findet der Besucher normalerweise ausgedehnte Poolanlagen mit paradiesischen Palmengärten, die in einen fantastisch grünen Golfplatz übergehen. Nicht so im Prussia:

Es ist geplant, dort eine „Tank-Test-Area“ anzulegen, ein riesiges 40 Hektar großes Panzerübungsgelände. Abgesehen von wenigen Krüppelkiefern soll es dort nur Bunkeranlagen, Sandpisten, Schlamm bzw. Staub und zerfurchtes Gelände geben.

Die eigentliche Attraktion werden vier alte WWII Patton-, drei Sherman- und ein Königstiger-Panzer sein. Die Tanks sollen für abenteuerlustige Gäste bereitstehen, die dort nach Herzenslust auf quietschenden Ketten durchs Gelände pflügen können.

Und wen es dennoch nach einem Abstecher in Richtung Strip, zu Licht, Glamour, Style und Entertainment gelüstet, der wird vergeblich auf eine klimatisierte Shuttle-Limousine warten.

Er kann sich mit anderen auf die unbequemen Pritschen eines Militär-LKW quetschen. Es gibt nur eine Tour pro Tag in die Stadt. Und unterwegs muss immer damit gerechnet werden, dass der mitfahrende Drill-Sergeant die Passagiere aus lauter Lust am Quälen in der Backofenhitze von Las Vegas einen Reifen wechseln lässt.

Man darf gespannt sein, wie sich dieser Las Vegas Trend weiterentwickelt. Welche Steigerungen sind noch denkbar? Die Immobilienleute beweisen immer von Neuem Fantasie und Ideen, um Gäste in die Stadt zu holen.

Die Baumaßnahmen sollen noch im Sommer dieses Jahres beginnen, die Eröffnung des „Prussia“ ist für das Frühjahr 2015 mit einem gigantischen „Manöver“ geplant.

- Rainer Gottlieb

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