Die Light 3-Bet: Übertreiben Sie es nicht

Erica Schoenberg

Poker entwickelt sich ständig weiter. Der Stil, mit dem man in den 80er Jahren gewinnen konnte, ist heute nicht mehr so profitabel. Der Stil, den Sie heute spielen, wird in Zukunft nicht mehr so erfolgreich sein.

Der Punkt ist: Um auf lange Sicht erfolgreich zu spielen, müssen Sie sich anpassen können.

In der Vergangenheit war tight-aggressives Spiel der profitabelste Stil. Man lehnte sich zurück, wartete auf die Premiumhände und setzt nur dann, wenn man eine gute Hand erwischt. Die meisten Gegner waren schlecht genug, um einen auszuzahlen.

In den letzten Jahren ist das allgemeine Niveau der Spieler jedoch stark gestiegen, und der tight-aggressive Stil ist zu berechenbar geworden. Und wer berechenbar ist, der wird ausgenommen.

Die Geburt des LAG

Da die Spieler immer besser und 6-max Poker immer populärer wurde, entstand ein neuer, noch aggressiverer Stil. Die Spieler, die sich diesem Stil bedienten, wurden als LAG (loose-aggressive) bezeichnet und waren in der Lage, die berechenbareren TAG-Spieler zu schlagen.

Der LAG-Stil ist heute der erfolgreichste, und die Mehrheit der professionellen Online-Spieler spielen danach, aber selbst dieser Stil hat sich bereits weiterentwickelt. Nachdem mehr und mehr Spieler begannen, loose-aggressiv zu spielen, wurde die Light 3-Bet ebenfalls immer häufiger eingesetzt.

Dario Minieri
Hyper-aggressives Spiel kann einen TAG auseinandernehmen. Aber das funktioniert nicht ewig.

Grund dafür ist, dass der nun zum Standard gewordene LAG mit einer breiten Handrange vor dem Flop erhöht. DA die meisten dieser Ranges logischerweise mit mäßigen Händen erfolgen, konnten sie damit einem Re-Raise nicht standhalten, sodass die 3-Bet häufig zum direkten Gewinn eines Pots führte. Damit begann die Zeit der 3-Bet.

Falls Sie ab und zu 6-max höher als NLHE $25 spielen, haben Sie sicher festgestellt, dass dort die light 3-Bet sehr gerne angewandt wird. Natürlich sollte die 3-Bet zum Arsenal jedes guten Spielers gehören, allerdings wenden die meisten Spieler sie viel zu oft an.

Häufig beobachtet man, dass ein typischer LAG aus mittlerer bis später Position mit Händen wie 5 5, 7 7 oder A 9 eine 3-Bet ansetzt. Das ist aber ein grundlegender Fehler.

Wenn man einen Raise ansetzt, tut man das aus zwei möglichen Gründen: Entweder möchte man, dass eine bessere Hand foldet oder dass eine schlechtere bezahlt.

Das Problem an der light 3-Bet ist, dass die meisten Gegner daraufhin schlechtere Hände folden und mit besseren callen - damit steht der Re-Raiser plötzlich mit der wahrscheinlich zweitbesten Hand in einem großen Pot da.

Gavin Smith
Gavin Smith - überzeugter Vertreter des Flat Call.

Also hören Sie auf damit, Ihren Gegner zum Folden schlechterer Hände zu zwingen. Haben Sie keine Angst davor, Flops zu sehen und - Achtung! - Poker zu spielen! Es ist kein Fehler, Raises vor dem Flop zu flat callen.

Mit diesem Spielzug erlauben wir dem Gegner, mit seiner gesamten Range fortzusetzen, und mit einem Flat Call erhöhen wir die Chancen, dass unsere Range stärker ist als die Eröffnungsrange des Gegners.

Die heutigen überaggressiven Spieler lieben es, die Initiative zu haben. Häufig feuern Sie auf jeder Straße einfach weiter und hoffen, dass wir folden.

Wo der Value herkommt

Viele Regs auf niedrigen Levels spielen sehr schlecht post-Flop. Sie verlassen sich darauf, vor dem Flop aggressiv zu erhöhen und dann auf dem Flop zu c-betten. Bekommen Sie einen Call, wissen sie nicht, wie es auf Turn und River weitergehen soll.

Auf den späteren Straßen sind die Pots und damit auch die Bets größer. Hier liegt der Großteil des Values in No Limit Hold'em.

Erlauben wir unseren Gegnern, mit schlechteren als unseren Händen fortzusetzen, gewinnen wir auf lange Sicht mehr Geld. Also sollten wir nicht versuchen, sie dazu zu bringen, ihre schwachen Hände vor dem Flop zu folden.

Allen Kessler
Wenn Sie allerdings gar nicht mehr 3-betten, riskieren Sie, zu leicht ausrechenbar zu sein.

Natürlich sollten Sie in der lage und gewillt sein, gelegentlich eine light 3-Bet anzusetzen, denn wer dies überhaupt nicht tut, ist zu leicht auszurechnen. Und wenn ein Gegner dazu neigt, 3-Bet flat zu callen, kann man seine 3-Bet-Range auch ein bisschen ausweiten.

In solchen Situationen ist eine 3-Bet plötzlich for Value, denn wir bekommen Calls auch mit schlechteren Händen.

Entscheidend ist, zu erkennen, welchen Spielertyp man vor sich hat. Ein 0815-Spielmuster genügt einfach nicht, um erfolgreich zu spielen.

Die 3-Bet bleibt also eine Waffe, die man nicht einfach ablegt. Man muss jedoch abwägen, wann man sie einsetzt und warum. In vielen Fällen ist sie dann einzusetzen, wenn man einen Gegner hat, der sehr oft raist, und von dem man weiß, dass er dann auf eine 3-Bet foldet.

Um den Gewinn zu maximieren, genügt das nicht. Kümmern Sie sich als Nächstes um Ihr Post-Flop-Spiel.

Falls Sie der bessere Spieler sind, wird Ihre Edge nur noch größer, wenn Sie viele Flops, Turns und Rivers sehen können. 3-betten Sie ruhig weiter, aber eben nicht ständig.

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