Die häufigsten Online Poker Scams - V. Poker Bots

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19 Juli 2013, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand
Die häufigsten Online Poker Scams - V. Poker Bots

Zum Abschluss unserer Serie über die wm weitesten verbreiteten Betrugsversuche kommen wir zu dem wahrscheinlich bekanntesten und umstrittensten: Bots.

Während viele Spieler sich durch den Einsatz bedroht fühlen, rufen andere dazu auf, ihre Schwäche auszunutzen oder sie einfach zu kennzeichnen.

Was ist das?

Bei Poker Robotern, oder kurz Pokerbots handelt es sich um Computerprogramme, die statt wirklicher Spieler online Poker spielen. Pokerbots begleiten die Online-Pokerwelt seit ihrer Entstehung. Seitdem Mike Caro – einer der Pioniere der Online-Pokerwelt – mit „Orac“ den ersten Pokerbot programmierte, hat es auf diesem Gebiet gewaltige Innovationen gegeben.

Zwischen 1988 und 1998 bevölkerten vor allem Computerfreaks, die sich gerade entwickelnde Online-Gambling Welt. Diese leiteten ihre analytischen Skills betreffs des Pokerspiels nahezu ausschließlich aus Computerprogrammen ab. Bereits damals gab es Bots und zahlreiche Programme, mit denen diese Bots gefüttert wurden.

Mike Caro
Mike Caro.

Dabei waren die ersten Programme – ähnlich wie bei der Entwicklung der Schachcomputer nicht kommerziell, sondern eher unter dem Vorzeichen der künstlichen Intelligenz entwickelt worden.

Doch schon im Jahr 2001 waren die ersten Pokerbots käuflich zu erwerben. Dabei handelte es sich allerdings um Programme, die nur von ausgewiesenen Software-Experten bedient werden konnten.

Die heute angebotenen Versionen (Kosten zwischen 70 und 150 Dollar) sind hingegen deutlich leichter anzupassen und haben einen großen Teil der Basisstrategien schon implementiert.

Experten trauen den besten Pokerbots bei Spielen, wie NLHE und PLO noch nicht zu den Menschen wirklich gefährlich werden zu können. Deutlich effektiver sollen die Maschinen allerdings bei Limit Holdem sein.

Die meisten Spieler lehnen den Einsatz von Pokerbots komplett ab. Aber es gibt auch Stimmen, wie die von Barry Greenstein, der den Einsatz von Pokerbots grundsätzlich erlauben will, dabei aber die klare Kennzeichnung der Automaten fordert. Jeder solle selbst entscheiden dürfen, ob er sich zutraut den Roboter schlagen zu können.

Am wirksamsten ist der Einsatz von Pokerbots beim Abspielen von Poker Boni in Verbindung mit einem Rakeback-Deal. Benötigt wird dafür lediglich ein so genannter Breakeven-Bot, welcher langfristig zumindest kein Geld verliert.

Der Gewinn entsteht mit einem Breakeven-Bot aus dem Rakebackertrag sowie den abgespielten Boni. Für die niedrigeren Limits, wo oftmals tightes Standard-Poker gespielt wird, ist es möglich einen Bot zu programmieren, der die Breakeven-Zone erreicht.

Weil Bots prinzipiell nicht müde werden, ist es ein Leichtes auch im Mikrobereich Boni abzuspielen.

Dabei ist es jedoch nicht zu empfehlen einen Bot 24 Stunden durchspielen zu lassen, da das mit Sicherheit die „Wachmannschaft“ der Pokerseite alarmieren wird.

 

Wie kann man sich dagegen schützen?

Der Einsatz von Pokerbots ist auf allen größeren Pokerseiten verboten und wird mit drakonischen Strafen – bis zur Auflösung des Accounts – geahndet. Die Pokerseiten beschäftigen ganze Abteilungen (bei Party Poker sollen es bis zu 100 Mitarbeiter sein), die sich mit dem Aufspüren von Pokerbots beschäftigen.

Allerdings liefern sich die Programmierer von Bots und Pokerseiten dabei ein Katz und Maus-Spiel, bei dem ähnlich wie beim Wettrüsten immer neuere und bessere Technologien entwickelt werden.

bot freund
Ein Bot muss keine Bedrohung sein.

Software-Experten sehen allerdings bei allen Pokeranbietern Verbesserungsbedarf, was den Schutz gegen Pokerbots betrifft. So würde den Pokerbots die Wirksamkeit entzogen, wenn das Tracking von Spielerdaten insgesamt verboten werden würde.

Allerdings würde die Online Pokerwelt damit auch ihre Transparenz verlieren und jede externe Analyse von Unregelmäßigkeiten unmöglich machen.

Eine weitere – nicht genutzte – Schutzmöglichkeit der Pokerräume wäre das zufällige regelmäßige Verändern kleiner Details auf der Benutzeroberfläche.

Da der Bot die sichtbare Oberfläche zur Identifizierung und der Kreation eines Codes benötigt, könnte die nicht vorhersehbaren Modifikation den Bot komplett lahm legen.

Das wäre bereits der Fall, wenn beispielsweise aus einem „Queen of Hearts“ ein „Q ueen of Hearts“ würde.

Für die Spieler selber ist der einzige Schutz gegen Pokerbots ihre eigene Aufmerksamkeit: es gibt nämlich klare Indizien, die auf die Existenz der automatischen Spielprogramme schließen lassen:

Eine auffällig ähnliche Spielweise unterschiedlicher Accounts, ähnliche VPIP-Werte, gleiche Betting-Patterns, synchrones Wechseln der Limits oder identische Zeiten beim „Überlegen“. Sollte jemanden die allzu roboterhafte Spielweise eines Kontrahenten auffallen, ist in jedem Fall der Pokeranbieter zu informieren.

 

Fallbeispiele:

1. Der Pokerbot-Ring auf Pokerstars

2010 flog mit vergleichsweise großem Mediengetöse ein Pokerbot-Ring bei PokerStars auf. Nach einem Tipp eines Users bei twoplustwo.com wurden insgesamt zehn Accounts beim Marktführer als Bots identifiziert und gesperrt. Bis dahin hatten die „Roboter“ bereits 60.000 Dollar Profit gemacht.

PokerBot software
Bot-Software ist heute ganz einfach zu bekommen.

Zu auffällige Gemeinsamkeiten in den Statistiken ließen den Betrüger am Ende auffliegen. Die User 7emenov, bakabar, craizer, mvra, nakseon, kozzin, demidou, koldan, Daergy und feidmanis spielten fast identisches Poker. Sie wechselten synchron die Limits und wiesen beispielsweise ähnliche VPIP-Werte auf.

Dazu waren ihre Betting-Patterns, beispielsweise der Big-Blind in Pots, die nicht erhöht wurden, nahezu identisch. Der Vergleich mit einer großen Sample-Size menschlicher Spieler deutete am Ende klar auf den Einsatz von Automaten hin.

Für ihre am Ende recht simple Programmierung waren die Pokerbots bei PokerStars überaus erfolgreich. Insgesamt hatten die „Maschinen“ 8.320.121 Hände, auf den Limits $0,25/ $0,50, $0,50/ $1 and $1/ $2 gespielt und dabei 186.572 Dollar an Rake produziert. Das wohl Erstaunlichste war allerdings, dass am Ende ein wirklicher Gewinn von fast 60.000 Dollar stand und somit den Beweis für die erfolgreiche Programmierung der Bots erbracht war.

2. Die Schweden-Bots

Anfang 2013 gab es beim staatlichen Glücksspielanbieter Schwedens, Svenska Spel bei 14 Accounts derartig verdächtige Unregelmäßigkeiten, dass sogar die Polizei Ermittlungen aufnahm.

Die Untersuchung hatte schon zirka vier Monate vorher begonnen. Wie sich herausstellte, spielten auf allen 14 Accounts derselbe Pokerbot und erbeutete in Cash Games, bei Limits von NLHE $0,25/ $0,50 bis NLHE $25/ $50 insgesamt knapp 300.000 Dollar.

Svenska Spel übernahm am Ende die Verantwortung für den Fall und versprach, alle geschädigten Spieler in voller Höhe zu entschädigen.

 


Die größten Online-Poker-Scams

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Mr. Bojanguos 2013-08-15 02:41:34

Was halten Sie von FullTilt Poker? Werden dort auch Bots gespielt? Bin mir aber unsicher ob er vertrauenswürdig ist... Ich habe in einem Artikel gelesen (http://www.poker-mio.de/?p=264),dass Kunden um ihr Geld betrogen werden. Ist dem so?

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