Die häufigsten Online-Poker-Scams - VI. Table Cheats

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18 November 2013, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand , Featured
Die häufigsten Online-Poker-Scams - VI. Table Cheats

Ghosting, Buttoning, All-in Abuse, Denial of Service-Attacken.

Was ist das?

Ghosting:

Als „Ghosting“ wird das Beraten und allgemeine Assistieren eines Spielers während einer laufenden Cash Game-Partie oder einem Poker-Turnier bezeichnet. Was beim Live-Poker ebenso verboten wie praktisch unmöglich ist, kann beim Online-Poker keiner wirklich kontrollieren.

„Ghosting“ kann betrieben werden, indem ein Berater oder Coach sich direkt neben den Spieler setzt oder sich online zuschaltet. Mit Software-Programmen, zum Beispiel Teamviewer kann der komplette Bildschirminhalt eines Computers auf einem anderen Computer dargestellt werden.

Ein weniger souveräner Spieler kann sich mittels seines „Ghost“, bei kniffligen Situationen eine zweite Meinung einholen. Durch den Berater läuft der Spieler außerdem auch deutlich weniger Gefahr, auf Tilt zu gehen.

Das „Ghosting“ wird vor allem dann eingesetzt, wenn ein Spieler um, für ihn eigentlich zu hohe Geldsummen spielt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es in höherpreisigen Turnieren in der Endphase um signifikante Preisgeldsprünge geht.

Das „Ghosting“ ist die – vor allem im Online-Poker – wohl am häufigsten gebrauchte Betrugsart. Dennoch ist der Schaden des Gegners vergleichsweise gering. Außer einer „zweiten Meinung“ zieht ein Spieler keinen weiteren unwerten Vorteil aus dieser Praxis. 

dealerbuttondeadhead

Buttoning:

Wenn ein Spieler beim Cash Game einen neuen Tisch eröffnet, erhält er, beim Dealen der ersten Hand automatisch den Button.

Beim so genannten „Buttoning“ spielt dieser Spieler lediglich solange, bis ihn der Blind erreicht und verlässt dann den Tisch, um den nächsten Tisch zu eröffnen und das Spiel zu wiederholen.

Diese Art des Betruges macht vor allem dann Sinn, wenn die Blinds das so genannte „Nosebleed-Niveau“ erreichen, also Hunderte oder sogar Tausende Dollar wert sind.

Der Spieler kann damit solange warten, bis er eine echte Premium-Hand hält, ohne dass ihn dieses Warten Geld kostet.

All in Abuse:

Eine, mittlerweile nicht mehr ganz so gebräuchliche Methode des Table Cheats ist der so genannte „All In Abuse“.

Er stammt vor allem aus Zeiten instabiler Internet-Verbindungen. Das Geld, das der Spieler bis zur Unterbrechung in den Pot investiert hatte, bekam er zurückerstattet.

Spieler hatten die All In-Protection zu oft missbraucht, um bereits investiertes Geld nicht durch Call oder Fold riskieren zu müssen. Mittlerweile haben fast alle Pokerräume ihre „All-in Protection“ abgeschafft und den Spielern dafür einen größeren Zeitraum (meistens eine Minute) eingeräumt, um ihr Verbindungsproblem zu lösen.

Bei nicht rechtzeitiger Wiederherstellung der Internet-Verbindung wird die Hand nun, bei einem Move des Gegners gefoldet.

scamming

Denial of Service-Attacke:

Diese Praxis hat nun offenbar die nächsten Cheater auf den Plan gerufen. Im Forum von TwoPlusTwo wird seit Beginn 2013 vermehrt davon berichtet, dass es Spielern offenbar möglich ist, nach Herausfinden der IP-Adresse ihrer Kontrahenten - meist über akzeptierten skype-Kontakt – deren Internet-Verbindung gezielt zu unterbrechen, um so größere Pötte, meist auf den hohen Limits für sich zu entscheiden.

Im Gegensatz zu ersten Befürchtungen, dass lediglich das Herausfinden der IP-Adresse genügen könnte, um entsprechend manipulierende Software zu installieren, erwiesen sich bei genauerer Sicht als haltlos.

Vielmehr scheint es sich hierbei um eine so genannte „denial of service (DoS)-Attacke“ zu handeln. Dabei wird das Infrastruktursystem eines Computers mittels eines dieser überfordernden Daten-Bombardements lahm gelegt.

Normalerweise werden mittels dieser Daten-Attacken größere Systeme, wie Banken oder andere Zahlungssysteme angegriffen.

Das Ganze funktioniert allerdings auch bei Privat-Personen. Die Einleitung der „denial of service-Attacke“ dauert lediglich wenige Minuten, genug um während eines größeren Pots die Internet-Verbindung zu unterbrechen.

data shield

Wie kann man sich dagegen schützen?

Ein Schutz gegen „Ghosting“ gibt es nicht. Sollte man seinen eigenen Fähigkeiten in der kritischen Phase eines Turniers oder Cash Games nicht trauen, muss man sich wohl eher selbst um einen eigenen „Ghost“ bemühen.

Bezüglich des „Buttonings“ ist, wie bei vielen anderen Online-Scams die eigene Aufmerksamkeit gefragt. Es sollte schnell auffallen, wenn ein Spieler stets vor dem Erbringen der Blinds den Tisch wieder verlässt.

Alle Pokerräume drohen bezüglich des „Buttonings“ mit drakonischen Strafen, bis zum Entzug des Accounts. Insgesamt ist dieser Cheat nicht allzu häufig gebraucht, da das „Buttoning“ nur auf den hohen Limits wirklich gewinnbringend ist und dort ein solches Verhalten verhältnismäßig schnell auffliegt.

Außerdem ist dieses strafbare Verhaltensmuster per Hand Histories gut nachweisbar.

Wirklich kompliziert wird es im Falle der „Denial of Service-Attacke“ und der damit ausgelösten Unterbrechung der Internet-Verbindung.

Das Einfallstor für den IP-Spion ist hautsächlich ein akzeptierter Skype-Kontakt. Allerdings ist mit der momentan noch gebräuchlichen Skype-Version die IP-Adresse mittels einfacher Web-Dienste auch herauszufinden, wenn die Person lediglich online ist, aber nicht Teil meiner Kontaktliste.

In der neuesten Skype-Version ist dieses Sicherheitsloch allerdings gestopft. Das Aktualisieren der Skype-Software stellt also schon mal einen sehr wirksamen Schutz gegen die „Denial of Service-Attacke“ dar.

darren woods
Darren Woods.

Fallbeispiele:

Buttoning:

Im Frühjahr 2013 sorgte ein Online-Spieler aus Russland, mit dem seltsamen Nick Jama-Dharma für Aufsehen. Lediglich zweieinhalb Stunden und 822 Hände im $2.000/$4.000 Fixed Limit Holdem hatte der Moskauer in der ersten Maiwoche gebraucht, dann hatte er seinem berühmten Kontrahenten Viktor Blom $787k abgenommen.

Jama-Dharma spielte vorwiegend Limit Holdem und dort die höchsten Limits. Er war  sowohl im TwoPlusTwo-Forum als auch auf der russischen Community-Seite gypsyteam.ru ein überaus aktiver Diskutant.

Im September 2011 half er sogar tatkräftig mit, den Online-Pro Darren Woods der Collusion zu überführen.

Doch dann erwischte es Jama-Dharma selber. Im Juli sperrte ihn PokerStars auf Lebenszeit. Sein Vergehen: „Buttoning“.

Der Russe hatte auf den Nosebleed-Limits immer wieder frische Tische aufgemacht und dort regelmäßig den Button erhalten. Doch bevor er dann den Big Blind bezahlen musste, war Jama-Dharma, bei nicht spielbaren Startkarten verschwunden. Dafür hatte PokerStars ihn vorgewarnt und nach wiederholtem Vergehen später komplett gesperrt.

 

All In-Abuse – Disconnecting via Skype:

Bereits im März 2013 hatte ein Spieler von seltsamen Vorgängen in High Stakes Cash Games des iPoker und Microgaming-Netzwerkes berichtet. Im Duell mit unterschiedlichen Spielern kam es $50/$100 und $200/$400 ständig zu unterbrochenen Internet-Verbindungen. Der Poster ownage4u benannte daraufhin folgende, für ihn verdächtige Accounts:

FTP: PookLook2, YOLOYOLO

ipoker: BartonPro1,powerhaus55,niftytilter

microgaming: gelato308

skype: william-holmberg

Hinter allen Accounts vermutete er ein und dieselbe Person, nämlich William Holmberg. Dieser hatte sich vorher bei verschiedenen High Stakes-Regulars, wie Douglas WCGRider Polk oder Alexander Kanu7 Millar als schwedischer Poker-Journalist ausgegeben und dabei stets um einen Skype-Kontakt gebeten.

Auf Anfrage von Millar reagierte lediglich FullTilt und versprach Untersuchungen in der Angelegenheit anzustrengen.

Im Juni wurde dann der nächste entsprechende Thread veröffentlicht. Mirage666 beschrieb einen ähnlichen Angriff bei Hyper-SnG`s im Bereich $100-$1000 Buy In.

Ein Spieler namens JizzTrigger soll ihn und andere Mitspieler bereits zu Beginn der Partien mit zum Teil 10-minütigen Internet-Unterbrechungen außer Gefecht gesetzt haben.

Am Ende soll JizzTrigger 14 dieser hochpreisigen SnG`s gewonnen und dabei von zahllosen Internet-Unterbrechungen seiner Kontrahenten profitiert haben.

 


 

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