Die „Hand-Range" des Gegners

David Sklansky
Theorie-Guru David Sklansky.

In seinem Buch The Theory of Poker erklärt David Sklansky, dass eine Hand dann korrekt gespielt wird, wenn man sie genauso spielt, als wüsste man, welche Karten der Gegner auf der Hand hält.

Natürlich ist das im realen Spiel kaum möglich, es sei denn, ihr Gegenüber ist vollkommen ahnungslos. Dennoch sollten Sie ständig versuchen, Ihrem Gegner eine Hand zuzuordnen, oder besser gesagt, eine mögliche Handauswahl.

Am Pokertisch werden Sie häufig Sätze hören wie „Ich habe dich auf XY gesetzt und deshalb gecallt", oder „Ich setze dich auf YX und deshalb erhöhe ich". Das ist aber nicht der richtige Zugang zu dieser Thematik.

Sie werden nur selten - vielleicht auch überhaupt nicht - in die Lage kommen, die Hand Ihres Gegners exakt zu bestimmen. Stattdessen sollten Sie versuchen, ihn auf eine bestimmte Handrange zu setzen (mit „Range" ist die Spannweite möglicher Karten gemeint).

Diese Zuordnung ist schwieriger, als es anfangs scheinen mag. Zu Beginn einer Hand haben Sie keinerlei Informationen, daher ist die Range sehr groß.
Im Verlauf der Hand sammeln Sie Informationen, dadurch können Sie die Range zunehmend eingrenzen. Dazu ein Beispiel:

Sie befinden sich in einer short-handed (Six-max) $1/$2 Online-Partie, die Stacks liegen bei ca. $ 200,-. Ihr Gegner am Button spielt eine typische TAG-Strategie; sagen wir, er spielt 18% der Hände und raist 15% pre-Flop.

Eli Elezra

Pre-Flop Action

Sie halten J J und erhöhen UTG auf $7. Zwei Spieler callen, der Button callt ebenfalls.

Da es bereits zwei Caller vor ihm gab, ist seine Handrange sehr groß - viel größer, als sie es normalerweise wäre. Nehmen wir uns ein paar Minuten Zeit und betrachten sie etwas näher.

Wir können AA, KK, QQ und AK ausschließen, denn mit solchen Händen wird pre-Flop fast immer gereraist. Hinzu kommt, dass ein durchschnittlicher TAG-Spieler diese Hände normalerweise nicht in einem Multiway-Pot spielen möchte.

Stellen Sie sich vor, Sie wären der Spieler am Button. Mit welchen Händen würden Sie diesen Call machen? Vermutlich mit Händen, die in einem Multiway-Pot gut zu spielen sind. Eine Handrange wird nie ganz exakt stimmen, sondern ist immer ein Näherungswert.

Zu diesem Zeitpunkt können wir seine Handrange etwa so einschätzen:

- A-J
- Axs
- K-Qs
- K-Qo
- K-Js
- Q-Js bis 6-5s
- J-9s bis 9-7s
- TT-22

Natürlich sind einige dieser Hände wahrscheinlicher als andere, aber bei diesem pre-Flop Call können wir allgemein von einer solchen Range ausgehen.

Wie Sie sehen, ist die Auswahl sehr groß. Da Ihnen noch keine weiteren Informationen zur Verfügung stehen als der Call, können Sie die Range noch nicht einschränken.

Auf dem Flop

Der Flop fällt 6 7 2. Sie setzen $25 und die ersten beiden Caller folden. Der Button smoothcallt.
Ihr Gegner hat Ihren Raise pre-Flop bezahlt und nun auch Ihre Bet auf dem Flop. Damit scheiden eine ganze Reihe von Händen aus der Range aus.

Zunächst nehmen Sie alle Overcards heraus. Ihr tight-aggressiver Gegner würde diese folden, da er den Flop verfehlt hat. Mit einem Overpair, 8-8 oder 9-9 hätte er vermutlich erhöht, also scheiden diese Hände ebenfalls aus.

Auf dem Flop sieht die Range nun so aus:

- K-Qs bis 9-8s Pik (obwohl wir Overcards, Flush Draws und open-ended Straight Flush Draws ausschließen, denn die meisten TAG-Spielr würde damit raisen)

- 6-7s
- 8-9
- 7-8
- 7-9
- 7-7
- 6-6
- 5-5
- 2-2

Jede dieser Hände würde die Bet auf dem Flop zumindest bezahlen. Manche könnten natürlich auch geraist werden, aber bei der Zuordnung einer Range sollte man immer alle Hände einkalkulieren, die auf einem solchen Flop fortsetzen würden.

Wie Sie sehen, konnten wir einen großen teil der Range ausschließen. Sie haben jetzt bereits eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, was Ihr Gegner halten könnte.

Antonio Esfandiari

Der Turn

Auf dem Turn fällt die T . Sie setzen $50 und Ihr Gegner pusht all-in. Sollten Sie callen?

Sehen wir uns noch einmal die Range an. Wir können diese jetzt weiter einschränken. Welche Hand hätte hier vor dem Flop und auf dem Flop gecallt und raist jetzt den Turn?

Die Handrange sieht nun folgendermaßen aus. (Auch hier gilt, dass einige Hände ausgeschlossen werden können, da sie normalerweise auf dem Flop erhöht und nicht darauf gewartet hätten, dass der Turn den Flush vervollständigt.)

- K-Qs bis 8-7s Pik
- 8-9
- 6-7
- 7-7
- 6-6
- 2-2

Jede dieser Hände ist offenkundig besser als Ihre. Es kommt nur sehr selten vor, dass Ihr Gegner mit einer schlechteren Hand als diese einen solchen Move macht. Wenn Sie die Mehrzahl dieser Hände nicht schlagen können, sollten Sie folden.

Wie sich der Nebel lichtet
Was zunächst nur ein schwammiges Bild ist, wird im Lauf der Hand immer deutlicher. Je mehr Informationen Sie erhalten, desto besser können Sie die Hand Ihres Gegenübers einschätzen.

Denken Sie daran, es geht nicht darum, dem Gegner exakt die richtige Hand zuordnen, sondern vielmehr darum, möglichst viele Hände auszuschließen.

Die Handrange gehört zu den wichtigsten Werkzeugen zur Verbesserung ihres Spiels. Wenn sie die Hände Ihrer Gegner korrekt ableiten, werden Sie deutlich weniger Fehler machen. Und Sie wissen ja, weniger Fehler bedeuten mehr Gewinn.

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