Die Flachserei mit den Deutschen gehört dazu

erich-kollmann
Profis aus den Alpen: Erich Kollmann...

Erich Kollmann war der erste, Stefan Rapp der letzte österreichische Profi im Team Full Tilt. Wie hat sich die Pokerlandschaft verändert und wie hält man sich jahrelang an der Weltspitze?

PZ: Sagen Sie mal, wie wird man eigentlich Profi bei Full Tilt?

SR: Als Full Tilt vor zwei Jahren angefangen hat, den deutschsprachigen Markt offensiv anzugehen - mit dem kleinen, aber wichtigen Österreich sind das ja an die 100 Mio. Menschen - wurden langsam auch die ersten Teams aufgebaut. Ich glaube, Eddy Scharf war der erste Deutsche, der damals verpflichtet wurde.

EK: Man hat eben die erfolgreichsten genommen. Für mich war es natürlich ein Vorteil, dass ich damals bei internationalen Live-Turnieren recht erfolgreich war und z. B. auch bei den Aussie Millions weit ins Geld gekommen bin.

SR: Mit mir hat Full Tilt Kontakt aufgenommen, nachdem ich bei der Stud EM 2007 Dritter geworden bin und in dem Jahr auch die europäische Seven-Card-Stud-Rangliste gewonnen hatte.

PZ: Welche Pflichten hat man als Profi. Muss man bestimmte Turniere spielen und eine bestimmte Zeit online präsent sein?

EK: Das kommt auf den individuellen Vertrag an. Jeder Spieler muss sein Budget selbst aushandeln. An bestimmte Zeiten ist man online aber nicht gebunden. Wichtig ist aber z. B. so etwas wie die neue Pokeracademy von Full Tilt. Dafür sind wir Spieler dann extra in ein Studio gegangen und haben dort online vor Kameras gespielt. Die Pokeracademy kommt jetzt schon gut an, weil sie dem Hobbyspieler ermöglicht, direkt mit zu verfolgen, welche Aktionen ein Profi mit welchen Karten macht.

SR: Es ist also nicht so, dass mir gesagt wird, ich müsse z. B. bei der WSOP anwesend sein, obwohl das natürlich gern gesehen wird. Fernsehturniere sind beim Sponsor selbstverständlich noch beliebter. Ich habe keinen vorgeschriebenen Turnierplan, sondern kann mir selbst aussuchen, ob ich jetzt nach Barcelona, Zypern oder nach London gehe. Aber man darf sich natürlich nicht zuhause verstecken, sondern muss sich ein bisschen zeigen. Aber wer nicht gerne reist, sollte sowieso kein Profi werden.

EK: Also ich bin ja noch ein Live-Spieler der alten Schule. Alles, was ich über Poker weiß, habe ich im Live-Spiel gelernt. Das Internetspiel kam erst viel später. Bis heute fasziniert mich am meisten, dass man live mit so vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun hat, die man erst einmal einschätzen muss, um mit ihnen richtig umzugehen. Insofern wäre das Dasein als reiner Online-Profi für mich viel zu langweilig.

SR: Jedenfalls hat man online keine Vorgaben, welche Variante man zu spielen hat oder welches Blind Level. Die Verträge von Erich und mir sind da ziemlich ähnlich. Andere Spiele haben natürlich auch andere Verträge.

EK: Der Patrik Antonius kriegt z. B. mehr.

PZ: Sie sind Vertreter zweier Spielergenerationen. Wie unterscheiden sich die jungen Wilden von den alten Hasen?

EK: Durch das Internet haben sich einzelne Entwicklungen dramatisch beschleunigt. Einem Live-Spieler kann es durchaus passieren, dass er zwei Jahre lang keinen einzigen Cash zustande bringt. Online-Spieler werden aber innerhalb von Monaten plötzlich Millionäre. Die meisten von denen sind überhaupt nicht in der Lage, damit umzugehen. Der echte Durchbruch gelingt nur wenigen, während tausende Spieler kurzzeitig erfolgreich sind und dann wieder von der Bildfläche verschwinden. Durch die Schule des Live-Spiels zu gehen, ist schwieriger, aber nachhaltiger.

PZ: Wieso ist Live-Spiel schwieriger? Kann das Fehlen eines Gegenübers im Internetspiel nicht auch ein Vorteil sein, weil man weniger verschiedene Faktoren beachten muss?

EK: Meiner Meinung nach ist das dennoch ein Nachteil. Ich möchte meinen Gegner sehen können. Außerdem ist Online-Poker prinzipiell ausgereizt. Die Vielseitigkeit und der Umgang mit einer beliebigen Hand aus unterschiedlicher Position ist etwas, dass live niemals ausgereizt werden kann.

SR: Wenn man eher ein introvertierter, mathematisch motivierter Spieler ist und sowieso gerne vor dem Computer sitzt, kann es natürlich ein Vorteil sein, wenn man von den anderen Spielern nicht gesehen wird. Außerdem kann man im Netz ohne Aufwand sehr viel trainieren und auszuprobieren. Es gibt zu jeder Tages- und Nachtzeit Gegner auf jedem Niveau. Das geht live natürlich nicht. Ich glaube, dass Online- und Live-Spiel einander belebt haben und sich auch weiterhin beleben werden.

PZ: Gehören Sie zu den Spielern, die nebenher ständig Wetten abschließen?

EK: Wenn ich das machen würde, könnte ich mich gar nicht mehr auf mein Spiel konzentrieren. Es ist aber schon faszinierend, zu verfolgen, was manche Spieler für Beträge wetten. Da geht es um mehr als das ausgelobte Preisgeld.

PZ: Geht es auch um mehr, wenn z. B. im Nationen Cup Österreich gegen Deutschland antritt?

SR: Um viel mehr! Cordoba ist überall.

EK: Es ist ja nicht so, dass wir uns gegenseitig nicht leiden können. Es gibt aber so etwas wie eine Hassliebe zwischen uns. Da foppt man sich eben gerne. Im Übrigen macht der Teamwettbewerb auch deshalb besonders viel Spaß, weil Poker ansonsten ja ein reines Spiel für Individualisten ist. Und die Flachserei zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört einfach dazu. Im Übrigen kommen ja inzwischen auch noch weitere Nationen hinzu.

 

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare