Die faszinierende Geschichte von WCOOP-Gewinner Patric Huemmerich

Patric Huemmerich
Foto: Christian Zetzsche

Es sind Geschichten wie die von Patric Huemmerich, welche die Faszination von Poker ausmachen. Wir schreiben den 27. September 2007 und der gerade mal 20 Jahre alte Student entschließt sich das $320 6-max der WCOOP zu spielen. Als er sich anmeldete wusste er noch nicht, dass dieses Turnier sein Leben für immer verändern sollte. Wir wollten wissen, was Patric heute macht und haben uns sieben Jahre nach seinem Riesenerfolg mit ihm unterhalten.

Nur ein Jahr zuvor war er, während eines Frankreichurlaubs, zum ersten Mal mit Poker in Kontakt gekommen. Sein Interesse war geweckt: „Ich hatte von Anfang an ein gutes Grundverständnis für das Spiel und begann auch bereits nach wenigen Monaten um kleinere Geldbeträge zu spielen.“

Im September 2007 spielte der Koblenzer dann einige Satellites für die WCOOP und konnte sich dabei gleich zweimal für Event #1 qualifizieren. Doch anstatt dieses Turnier zu spielen, behielt Huemmerich die W$ und verwendete sie für das $320 6-max, was auch gleichzeitig sein erstes WCOOP-Turnier überhaupt war.

2873 Spieler generierten einen Preispool von $861.900. „pes4fans“ schaffte es nicht nur ins Geld sondern auch sensationell an den Final Table. Patric erinnert sich zurück: „Ich war die letzten Stunden des Turniers prinzipiell in der unteren Hälfte des Chipcounts und das Erreichen des Finaltischs war wie Weihnachten.“

An diesen ging er als Fünfter in Chips und war damit einer der Shortstacks. Deshalb versuchte er auch einen Deal zu machen, doch seine Gegner lehnten ab. Dies sollten sie bereuen, denn Huemmerich lief anschließend heiß, und ging, nachdem er „pape85“ an die Rails befördert hatte, mit einer 2 zu 1 Führung ins Heads-Up.

Zur entscheidenden Hand kam es als Patric auf einem Board von 3 3 Q mit 5 3 Trips floppte. Er entschied sich für ein Slowplay und das machte sich bezahlt, denn sein Gegner machte am Turn A Top Two und am River 6 gingen die Chips in die Mitte.

Patric bei den Aussie Millions 2008
Patric gemeinsam mit Shannon Elizabeth bei den Aussie Millions 2008.

Patric hatte es geschafft und war fast $160.000 reicher, was für einen angehenden Studenten schon eine lebensverändernde Summe ist: „Tatsächlich hatte ich gerade erst mein Abitur gemacht, als ich das WCOOP Event gewinnen konnte und es war in dem Moment schwer zu realisieren.“

Trotzdem blieb er vernünftig und entschied sich weiter zu studieren und einen normalen Beruf zu erlernen.

Auf die Frage, ob und wie dieses Turnier sein Leben verändert hat, sagt er heute: „Ich glaube ein 20-Jähriger, der behauptet, dass so ein Gewinn nichts an seinem Leben ändert, würde lügen. Ich bin in einer guten Mittelklasse aufgewachsen, aber musste relativ lange sparen um mir etwas größeres, wie z.B. einen Computer leisten zu können. Poker und dieser Sieg haben mir neue Türen geöffnet. Ich bin sehr viel gereist, konnte gut essen, viel feiern und einfach etwas sorgloser studieren.“

In der Folgezeit bewies Patric, dass dieser Sieg keine Eintagsfliege war. 2008 gelang es ihm dann sich online für das Main Event der Aussie Millions zu qualifizieren.

Auch hier stellte Huemmerich sein Können unter Beweis. An Tag 2 wurde er dann sogar an den Feature Table gelost. Dort nahm er neben Superstars wie Allen Cunningham, Erick Lindgren und Ramzi Jelassi Platz: „Das war einer der prägenden Erfahrungen in meiner frühen Pokerkarriere“, erzählte uns Patric.

Manche von euch werden sich vielleicht an die witzige Szene in den Aussie Millions Folgen erinnern, als Erick Lindgren sagte Patric sehe ein bisschen aus wie „McLovin“ aus dem Film „Superbad“.

Wenn nicht, dann könnt ihr sie euch hier nochmal anschauen:

Angesprochen auf die Szene sagt uns der Deutsche: „Die ganze Szene war einfach nur amüsant und kommt im Fernsehen etwas falsch rüber, da eine 10-minütige Szene zu ein paar Sekunden zusammengeschnitten wurde. Tatsächlich ist der Spitzname „McLovin“ noch geblieben und ich verwende ihn in einigen Pokerräumen als Nickname.“

Huemmerich mit Freunden bei der WSOP in Las Vegas
Huemmerich mit Freunden bei der WSOP in Las Vegas.

Letztendlich scheiterte Patric leider kurz vor dem Geld. Weitere große Turniere wie das WSOP Main Event 2010 und Turniere in ganz Europa folgten.

Seinen größten Liveerfolg feierte Huemmerich im Jahr 2010, als er die European Championships of Single Table Tournaments in Gibraltar für $10.129 gewinnen konnte. Im selben Jahr erreichte er auch den Final Table bei der Estrellas Poker Tour Malaga und wurde Fünfter.

Dennoch sieht sich der Koblenzer eher als Onlinespieler: „Ich spiele lieber online, weil man wesentlich mehr Hände spielen kann, aber ich liebe es auch live zu spielen. Beim Livepoker kommen die sozialen Komponenten viel mehr zur Geltung. Ich halte mich für jemanden mit guten Menschenkenntnissen, was mir live natürlich extrem hilft.“

Trotz zahlreicher Turniererfolge entschloss sich Patric im Jahr 2009 sich auf Cash Games zu konzentrieren. Zu den Gründen: „Ich bin auf Cash Games umgestiegen, aus dem einfachen Grund, dass es für mich eine größere Herausforderung ist mit 100 Big Blinds+ zu spielen. Es ist für mich einfach das „reinere“ Poker, der Lernfaktor ist größer und der Glücksfaktor ist nicht so hoch.“

Patric liebt das Reisen und hat durch seine deutsch-portugiesische Herkunft auch einen besonderen Bezug zu Portugal: „Für mich war es immer ein Traum einmal im Ausland zu leben. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen habe, bin ich 2012 nach Lissabon, Portugal gezogen, wo ich 1,5 Jahre gelebt habe.“

Patric vor dem Azure Window, dem Wahrezeichen der maltesichen Insel Gozo.
Patric vor dem Azure Window, dem Wahrzeichen der maltesischen Insel Gozo.

Von dort aus ging es dann weiter nach Malta. Wir wollten wissen, warum die Entscheidung ausgerechnet auf die Insel Im Mittelmeer gefallen ist: „Für Malta sprach das Wetter, die englische Sprache und eine große Pokercommunity. Ein Entschluss, den ich bis zum heutigen Zeitpunkt nicht bereut habe.“

Beim Battle of Malta 2014 wird Huemmerich ebenfalls am Start sein: „Ich freue mich sehr darauf in meiner neuen Heimat ein vom Teilnehmerfeld her großes Turnier spielen zu können. Der Heimvorteil und das wohl relativ softe Feld werden meine Chancen weit zu kommen sicherlich erhöhen.“

Wir haben Patric als sehr bescheidenen Menschen kennengelernt. Er weiß, was er Poker zu verdanken hat, ist aber trotz seines frühen Erfolges absolut auf dem Boden geblieben.

Außerdem ist er ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Disziplin und Bankroll Management sind, um beim Poker langfristig bestehen zu können. Manch anderer hätte möglicherweise abgehoben, zu hohe Limits gespielt und wäre dadurch Pleite gegangen.

Bei seiner Spielstärke ist es nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten großen Erfolg, und wer weiß, vielleicht klappt es ja schon beim Battle of Malta...

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