Die Einsamkeit des Chipracks – Cash Game in Berlin

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26 April 2013, Von: PokerZeit.com
Geposted in: PokerZeit Blog
Die Einsamkeit des Chipracks – Cash Game in Berlin

Ein Geländer säumt links vom Gang den breiten Deckendurchbruch. Zum Glück – und weil es dazu bautechnische Vorschriften gibt. Das Geländer soll unachtsame Besucher vor dem Sturz in das Untergeschoss mit den Automaten schützen.

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Drängende Enge im der Spielbank.

Das Geländer trägt oben eine flache Verbreiterung aus edlem Holz. Normalerweise nutzen es die Wartenden zum Abstellen von Getränken. 

Während der stark umlagerten Cashgames wird die Abstellfläche offenbar auch zum Lagern anderer Gegenstände genutzt.

Kaum zu glauben, aber da liegt tatsächlich ein einsames Chiprack. Prall gefüllt. Prall gefüllt mit Chips. Prall gefüllt mit durchaus wertvollen Chips. Eine Reihe mit zehn schwarzen Fünfhunderten und zehn gelben Hunderten.

Die zweite mit 20 blauen Fünfzigern, die dritte bis fünfte mit je 20 grünen Zehnern. Der Anblick erzeugt spontane Begehrlichkeiten, könnte man vermuten. Wer damit an die Kasse marschiert, könnte sich 7600 € auszahlen lassen.

Halbrechts daneben unterhält sich ein kahlköpfiger Besucher des Pokerfloors mit einem Freund oder Bekannten in einer Sprache, die osteuropäisch klingt. Es wird wild gestikuliert und zwar mit beiden Händen.

Auch wenn inhaltlich nichts zu verstehen ist, geht es dabei eindeutig um das Auf und Ab an Emotionen, die das Pokerspiel naturgemäß mit sich bringt.

Dass es im Gespräch um Poker geht lässt sich einerseits mit ziemlicher Sicherheit wegen der Lokation vermuten, andererseits, weil das Gespräch so international gebräuchliche Vokabeln wie „As As“ „Flop“, „check“ und „river all in“ enthält.

Hochinteressant, wie sich aufgrund der Körpersprache zweifelsfrei schließen lässt:

 „Da wird eine bad beat-Story erzählt“.

chip stack art
Was man mit Chips alles machen kann!

Offenbar hat irgendein „donk“ dem Kahlköpfigen am River die Asse geknackt und ihm einen großen Pot abgenommen. Darüber ist er – wie hundertausende pokernde Weltbürger denen das gleichzeitig passiert ist – natürlich sauer.

Eventuell beklagt er sich bei seinem Landsmann, wie ungerecht die (Poker)welt doch sei und wie viele Vollidioten sich überall auf der Welt an dem Spiel beteiligen.

Das reichgefüllte Chiprack liegt weiter unbeachtet dort.

Die beiden Pokerspieler gehen in Richtung Floorman, vermutlich, um sich zu informieren, ob sie auf der langen Warteliste weitergekommen sind. Nein, leider nicht.

Ein paar Schritte zurück. Anlehnen an das Geländer. Die beiden führen ihr Gespräch weiter. Das €7600-Chiprack wurde bisher nicht angerührt. Wie viele mögen es im Blickfeld haben?

Die Gesprächsintensität der beiden osteuropäischen Gäste erlahmt etwas.

Der Kahlköpfige erblickt offenbar am Ende der Tischreihe rechts im Pokerfloor einen weiteren Landsmann. Winkt ihm zu. Erneutes Gestikulieren. Er setzt an, sich zu dem Landsmann auf den Weg zu machen.

Doch dann hält er inne. Dreht sich um.

Eine der eben noch wild gestikulierenden Hände ergreift das wertvolle Chiprack. Er nimmt es an sich. Geht dann Richtung Landsmann am Spieltisch hinten rechts. Das magische Chiprack verschwindet mit ihm.

Uff!  

- Rainer Gottlieb

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