James Bond 007: Casino Royale – Einstürzende Altbauten

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4 Juni 2013, Von: Rainer Vollmar
Geposted in: The Hand
James Bond 007: Casino Royale – Einstürzende Altbauten

Natürlich machte der weltweite Pokerboom Mitte des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts auch nicht vor dem berühmtesten Agenten der Filmgeschichte Halt.

In Casino Royale zeigt 007, dass er auch am Pokertisch über enorme Talente verfügt. Doch nicht nur wegen des Themas Poker lernt man von James Bond in diesem Film neue Seiten kennen.

Entstehung und Produktion

Obwohl es sich bei Casino Royale um Ian Flemings ersten Roman aus dem Jahr 1953 handelt, dauerte es aus rechtlichen Gründen über 50 Jahre, ehe er als klassischer James-Bond-Film gedreht werden konnte.

casinoroyale EvaGreen
Femme fatale Eva Green.

Vor den Aufnahmen im ersten Halbjahr 2006 erschienen unter demselben Titel ein Fernsehfilm mit Barry Nelson in der Hauptrolle (1954) und eine Parodie mit David Niven (1967).

Erst im neuen Jahrtausend konnte also mit den Dreharbeiten zu Casino Royale begonnen werden, als neuer Hauptdarsteller in der Rolle des James Bond gab der Brite Daniel Craig sein Debüt.

Obwohl in der Handlung große Teile des Films in Montenegro angesiedelt sind, wurde dort nicht gedreht. Die entsprechenden Szenen wurden vielmehr in Tschechien aufgenommen, große Teile wurden außerdem auf den Bahamas und in Venedig gefilmt.

Regie führte bei Casino Royale der Neuseeländer Martin Campbell, der schon bei Golden Eye, dem Debüt von Pierce Brosnan, mit ihr betraut war.

In weiteren Hauptrollen sind Eva Green als betörend schöne Vesper Lynd, Judi Dench als M und Mads Mikkelsen als glasäugiger Bösewicht Le Chiffre zu sehen.

Handlung

Nach einer atemberaubenden Verfolgungsjagd durch ein Elendsviertel und eine Baustelle auf Madagaskar nimmt der Verlauf des Films erste konkrete Formen an. Der Börsenspekulant Le Chiffre nimmt auf Vermittlung des Bankiers Mr. White eine hohe Summe des ugandischen Widerstandskämpfers Steven Obanno an.

Das Geld geht jedoch aufgrund eines missglückten Anschlags auf einen Flugzeug-Prototypen verloren, der immense Spekulationsgewinne einbringen sollte, aber von James Bond in letzter Sekunde verhindert wird.

CasinoRoyale Craig am Pokertisch
Mit Daniel Craig änderte sich das Image von James Bond.

Zur Wiederbeschaffung des Geldes organisiert Le Chiffre eine schwindelerregend hohe Pokerpartie im montenegrinischen Casino Royale.

James Bond erhält den Auftrag, diesen Plan zu vereiteln, und bekommt Vesper Lynd, eine Mitarbeiterin des Schatzamtes, zur Seite gestellt. Das Buy-In beträgt pro Spieler 10 Millionen Dollar plus ein Rebuy von 5 Millionen Dollar.

Nachdem Bond zunächst einen Großteil seines Geldes verliert, muss er sich vom CIA-Mitarbeiter Felix Leiter finanziell unterstützen lassen. Als Gegenleistung verspricht er diesem den Zugriff auf Le Chiffre, während Bond das Geld behalten darf.

In einer spektakulären Hand schafft es Bond schließlich mit einem Straight Flush, Le Chiffre dessen gesamtes Geld abzunehmen, nachdem er kurz zuvor noch knapp einer Vergiftung entgehen kann.

Als Vergeltungsmaßnahme entführt Le Chiffre die schöne Vesper Lynd. Beim Versuch diese zu befreien, gerät auch Bond in dessen Hände.

Der ominöse Mr. White ist es schließlich, der Le Chiffre erschießt und damit Bonds Befreiung ermöglicht. Bond entschließt sich, seinen Dienst zu quittieren und mit Vesper um die Welt zu reisen.

In Venedig jedoch stellt sich heraus, dass Vesper durch Erpressung gezwungen wurde, der Terrororganisation das Geld beschaffen. Bond kommt dahinter und tötet die Terroristen, kann aber in einem einstürzenden Haus nicht mehr verhindern, dass sich Lynd in einem Fahrstuhl das Leben nimmt.

Auf ihrem Handy findet er heraus, dass Mr. White dahintersteckt, fährt zu ihm und schießt ihm ins Bein. Dessen Frage, wer er sei, beantwortet er mit „Mein Name ist Bond. James Bond.“

Bewertung und Interpretation

In der Kritik erhielt das Debüt von Daniel Craig als sechster Darsteller von James Bond zumeist ein sehr gutes Echo. Gelobt wurde vor allem die Modernisierung des berühmten Actionhelden, der statt „versnobter Eleganz“ nun draufgängerische Virilität verströmt.

Und in der Tat. Casino Royale ist über weite Strecken spannendes, kein wie viele Bond-Verfilmungen technisch überladenes Actionkino, das mit gelungener Psychologie und überzeugenden Charakteren zu überzeugen weiß.

Eva Green als Vesper Lynd bringt den neuen Bond auch im Vergleich zu seinen Vorgängern (außer Sean Connery) auf den Punkt, als der Film in einer melodramatischen Szene auf sein Finale zusteuert: „Wenn nichts von Dir übrig wäre außer Deinem Lächeln, dann wärst Du immer noch mehr Mann als alle vor Dir zusammen genommen.“

Casino Royale Mikkelsen
Le Chiffre - die Tell-Träne.

Viele alte Zöpfe werden abgeschnitten und die Hauptfigur erhält auch selbstbezüglich eine neue Dimension.

„Du hattest schon Recht. Wenn man meinen Job zu lange macht, bleibt nicht genug von der Seele übrig, um sie zu retten,“ meint Craig in der Rolle des 007 bei einer seiner letzten Begegnungen mit Vesper, ehe er zumindest wieder einmal sein Leben rettet.

Selbst das damalige Modethema Poker schafft es einigermaßen unfallfrei durch die 138 Minuten.

Zwar konnten sich die Macher bei der zentralen Partie nicht recht zwischen einem Cashgame und einem Sit ´n Go entscheiden und versuchen die Spannung mit abstrusen Blinderhöhungen zu steigern, doch insgesamt sind die Szenen durchaus realistischer als die, die man sonst im Kino zu sehen bekommt.

„Man spielt beim Poker nicht seine Karten, sondern sein Gegenüber aus“, heißt es einmal ziemlich abgegriffen, doch da Poker sinnbildlich für große Teile des Geschehens steht, stört auch das nicht weiter.

Und natürlich gibt es beim Showdown, in dem 007 seinem Rivalen dessen gesamtes Geld abnimmt, eine spektakuläre Konstellation, bei der gleich vier Spieler mit sehr starken Händen All-In sind.

Reihum werden die Karten aufgedeckt und als Le Chiffre sein Full House präsentiert, umspielt ein siegessicheres Lächeln seinen Mund. Dann jedoch dreht Bond einen Straight Flush um und bringt das Kartenhaus seines Rivalen zum Einstürzen.



Auf diese Weise wird der dramatische Schlussakkord vorbereitet, an dessen Ende James Bond seine Liebe verliert und in den geheimdienstlichen Alltag zurückkehrt.

Mit dem traditionellen Satz „Mein Name ist Bond. James Bond.“ endet Casino Royale und doch läutet dieser Film eine neue Ära des berühmtesten Geheimagenten der Filmgeschichte ein.

Daten zum Film:

James Bond 007: Casino Royale (Originaltitel: Casino Royale)

Großbritannien, 2006

Regie: Martin Campbell

Darsteller: Daniel Craig (James Bond), Eva Green (Vesper Lynd), Mads Mikkelsen (Le Chiffre), Judi Dench (M), Jeffrey Wright (Felix Leiter)

Dauer: 139 Minuten

 


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