Cincinnati Kid – Existentielles Poker

Von: PokerListings.de
24 Oktober 2012
Geposted in: The Hand
Cincinnati Kid

Er ist einer der Klassiker der Filmgeschichte und gleichzeitig der beste Pokerfilm aller Zeiten. Cincinnati Kid ist glänzend besetzt, voller Anspielungen und schlicht ein Meisterwerk. Alles Wissenswerte über die Entstehungsgeschichte, die Besetzung, den Verlauf und die Schlüsselszenen von Cincinnati Kid erfahren Sie in diesem Artikel.

Entstehung und Produktion

Genauso wechselvoll wie die Handlung ist auch die Entstehungsgeschichte von Cincinnati Kid. Ursprünglich sollte der Film nach der gleichnamigen Romanvorlage Richard Jessups von Sam Peckinpah gedreht werden, nach einem Streit mit dem Produzenten Martin Ransohoff legte der Regisseur aber die Arbeit nieder.

Statt des von Peckinpah gewünschten Spencer Tracy übernahm unter der Regie des danach verpflichteten Norman Jewison Edward G. Robinson die Rolle des Lancey Howard. Außerdem wirken Steve McQueen in der Hauptrolle des Eric Stoner, genannt Cincinnati Kid, sowie Karl Malden als Geber Shooter und Ann-Margret als verführerische Melba Nile mit.

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Der Altmeister.
 

Gedreht wurde der Streifen im Jahr 1965, er spielt aber im New Orleans der 30er Jahre. Seine dichte Atmosphäre bezieht der Film aus vielen kammerspielartigen Szenen, in denen die hohe schauspielerische Qualität der Darsteller voll zum Zuge kommt.

Handlung

Cincinnati Kid (Eric Stoner) ist der beste Pokerspieler von New Orleans und strebt nach dem ganz Großen. Als er erfährt, dass der Altmeister des Five Card Stud, Lancey Howard, in die Stadt gekommen ist, sucht er seine Chance, diesen als Platzhirsch abzulösen und die Nummer Eins zu werden.

In einer zunächst größeren Runde tritt er gegen Howard an, und nachdem sich sukzessive alle anderen Spieler nach herben Verlusten verabschiedet haben, kommt es zum großen Showdown.

Als Stoner mitbekommt, wie der professionelle Wetter Slade das Spiel mittels des Gebers Stoner zu manipulieren versucht, um groß abzusahnen, lässt er diesen gegen Lady Fingers austauschen. Ihm geht es nicht darum, Howard sein Geld abzunehmen, sondern der Welt zu beweisen, dass nunmehr er der Beste ist.

Lange hat Stoner alles im Griff, doch am Ende verliert er in einer spektakulären Hand sein gesamtes Geld. Im finalen Duell hat Stoner mit einem Full House ein extrem starkes Blatt und kann nur verlieren, wenn Howard den Karo Buben als verdeckte Karte hält.

Nach einem dramatischen Mienenspiel werden die Karten umgedreht und Stoner verlässt schockiert den Ort des Geschehens, als er tatsächlich genau diese Karte zu sehen bekommt.

Bewertung und Interpretation

Cincinnati Kid ist weit mehr als ein Pokerfilm. Jewison gelingt es, den Zuschauer auf eine Reise ins Innere seiner Akteure zu entführen und ein wahres Seelendrama zu entwickeln. Der Film beginnt mit einer programmatischen Szene.

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Die Versuchung.
 

Stoner kommt an einem Begräbnis vorbei und trifft den jugendlichen Schuhputzer Mick, der ihn zum Fuchsen herausfordert. Es geht darum, wer eine Münze näher an eine Mauer werfen kann, der Sieger gewinnt die gegnerische Münze. Stoner gewinnt und sagt: „Es langt noch nicht für mich, Mick.“

Damit hat Stoner das Leitmotiv des Films ausgesprochen – er will Howard als besten Pokerspieler ablösen und scheitert. Am Ende der 102 Minuten, kurz nachdem Howard den Angriff seines Herausforderers abgewehrt hat, begegnen sich Stoner und Mick wieder.

Wieder fuchsen sie, doch dieses Mal gewinnt Mick und kommentiert seinen Sieg mit den niederschmetternden Worten: „Es langt nicht mehr für mich, Cincinnati.“

So wie diese Szene voller Symbolik steckt, entwickelt der gesamte Film ein brillantes Psychogramm der Spielernatur. Am Ende des ersten Drittels wird gezeigt, wie eine aufgebrachte Meute einem Hahnenkampf zusieht und auf dessen Ausgang wettet. Die Zuschauer verfolgen dieses archetypische Duell Mann gegen Mann ekstatisch, es geht dabei nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern auch um viel Geld.

Höhepunkt der Antagonismen und letztlich ein Hahnenkampf auf anderem Niveau ist schließlich das Ringen zwischen Stoner und Howard am Ende des Films. Nachdem Howard angekündigt hatte, „Ich werde die Partie gewinnen, aber ich gewinne sie auf meine Art“, wirkt er immer nervöser und fahriger, ehe er schließlich zum entscheidenden Schlag ausholt.

Mathematisch ist seine Spielweise nicht gerechtfertigt, er bezahlt in den jeweiligen Setzrunden zu viel Geld für die abwegige Chance, am Ende doch noch die beste Hand zu bekommen.

Während Stoner mindestens zwei Paare vorweisen kann und mit der fünften Karte eventuell sogar ein Full House bekommt, braucht er genau den Karo Buben, um mit seinem Flush sicher gewinnen zu können.

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Das Filmplakat - 1965.
 

Als er den Ein-Outer umdreht, bemerkt er lapidar: „Darauf läuft doch bei diesem Geschäft alles hinaus. Das Falsche zu machen, aber im richtigen Augenblick.“

Stoner fragt darauf kapitulierend, „Ist es das, worauf es ankommt“? und erhält als Antwort, „Wie überhaupt im Leben, denke ich“.

Und so spannt Cincinnati Kid wie alle großen Kunstwerke über die menschliche Spielernatur am Ende den Bogen zum Leben an sich. Neben aller Tiefgründigkeit bietet der Film zudem glänzende schauspielerische Darbietungen, exzellente Dialoge und tatsächliche Spannung.

Wo andere Filme wie Rounders mit einer dürren und abgeranzten Story diese künstlich erzeugen wollen, kreiert Cincinnati Kid sie aus der Psychologie seiner Akteure.

Fast 50 Jahre ist dieser Film alt, doch auch heute genauso zeitlos wie bei seiner Premiere.

- Rainer Vollmar


 

Daten zum Film:

Cincinnati Kid (Originaltitel: Cincinnati Kid)

USA, 1965

Regie: Norman Jewison

Darsteller: Steve McQueen (Eric Stoner, Cincinnati Kid), Edward G. Robinson (Lancey Howard), Karl Malden (Shooter), Ann-Margret (Melba Nile)

Dauer: 102 Minuten


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