Die allerschlechteste Hand

The Final Hand

Welche Pokerhand ist wirklich die schlechteste? Diese Frage wurde bisher nicht erschöpfend beantwortet, deshalb werden wir hier jetzt mal ein paar Dinge klarstellen.

Zum Anfang beschränken wir uns hier auf mittlere Stakes und die Variante No Limit Hold'em (von $0,5/$1 bis $5/$10). Auf niedrigeren Levels ändern sich einige Faktoren, und auf hohen Levels ändert sich alles.

Halten Sie sich bitte auch vor Augen, dass ich hier nicht auf den +/- EV jeder gespielten Hand eingehe, sondern auf den EV jeder gegebenen Hand! Alles klar?

Falls Ihre Antwort auf die Frage oben 7-2 off war, sind Sie noch nicht einmal nahe dran. Es stimmt schon, 7-2o ist furchtbar. Jedes Paar ist wahrscheinlich geschlagen, man kann eine Straight oder einen Flush nur mit einer Karte bilden, und auch die wird häufig geschlagen.

Aber genau deshalb wiederum ist die Hand gar nicht so schlecht. Man spielt sie praktisch ja sowieso nie. Man limpt nicht mit ihr, man callt nicht mit ihr. Man schmeißt sie weg. Und deshalb kostet sie einen normalerweise auch nichts.

Dann wieder erhält ab und zu die Chance, die Hand umsonst zu spielen. Wenn man sie im Big Blind bekommt und niemand erhöht. Und ganz selten geschieht dann das Wunder, und man erwischt einen Bombenflop.

Man floppt zwei Paare oder Trips, und es liegt ein Ass auf dem Board, und irgendwer hält ein schwaches Ass und bezahlt uns aus. Und damit gewinnt man eine Handvoll Kleingeld - wahrscheinlich mehr, als man damit die paar Mal verloren hat, als man die Hand im Small Blind hatte und zurecht in den Muck warf oder aus dem Big Blind geraist wurde.

Es ist insgesamt sehr wahrscheinlich, dass ernsthafte Pokerspieler auf lange Sicht mit 7-2 off eine positive Bilanz aufweisen oder zumindest sehr nahe dran sind.

Typische Hände, die an dieser Stelle als problematisch gesehen werden, sind Pocket Buben („Autsch! Ganz schlimm, wenn eine Overcard auf dem Flop fällt und dann noch eine auf dem Turn") oder K-Q („Was mache ich, wenn ein Ass auf dem Board liegt"), J-Ts („Ja, ich weiß, ich kriege nicht wirklich die Odds, aber vielleicht irgendwie die ‚Implied' Odds"), oder eben K-9 (Mike Matusows Wahl).

Mike Matusow
Oh, ich hasse K-9.

Tatsächlich sind dies gute Kandidaten für die „schlechteste Hand", aber wenn man es genau nimmt, ist die schlechteste Hand die, die man am schlechtesten spielt!

Es ist die Hand, mit der man in die schlimmsten Situationen gerät. Die Hand, die man am schlechtesten loslassen kann, obwohl man ahnt, dass man geschlagen ist, die Hand, mit der man sich nicht wohl fühlt und mit der man schlechte Entscheidungen trifft.

Für die meisten Poker Junkies, die sich hier angesprochen fühlen (sollten), ist dies eine Hand, mit der man einen Raise bezahlt, oft mit zwei hohen Karten, typischerweise One- oder Two-Gapper. Diese Hände sind deswegen so gefährlich, weil sie oft Situationen heraufbeschwören, die höchst unangenehm sind.

Nehmen wir mal an, man bezahlt einen Pre-Flop-Raise mit K-T oder Q-T und trifft das höhere Paar. Man kann sich nicht wirklich wohl damit fühlen. Sogar wenn es sich dabei um das Top Pair handelt, kann es schnell zu Kicker-Problemen kommen. Trifft man aber mit der niedrigeren Karte, kann man schon meilenweit hinten liegen. Fallen nur niedrige Karten auf dem Board fallen, liegen Sie gegen jedes Ass zurück. Und dann gibt es da natürlich immer die gefährliche Versuchung, noch eine Karte sehen zu wollen.

Was ist mit dem schwachen Ass? Obwohl es inzwischen ziemlich jede Stärke verloren hat, die es jemals hatte, wenn überhaupt, gibt es immer noch Leute, die jedes Ass spielen. Denken wir mal an A-6. Trifft man das Ass, kann man in großen Schwierigkeiten sein. Trifft man aber die 6 ... glauben Sie mir, die 6 wollen Sie gar nicht treffen.

Ein anderes Beispiel: der gefloppte Draw. Hier liegt das Problem nicht in der Spielweise. Das Problem ist der Tilt-Faktor. Es gibt viele Möglichkeiten, auf „Tilt" zu geraten, und eine der sichersten ist eine Reihe geplatzter Draws. Diesen Tilt kann man an sich selbst leicht daran erkennen, dass man sich keine Chancen mehr ausrechnet, sonder glaubt, dass man einfach mal „dran" ist. (Ist man nicht.)

Und was ist mit den marginalen Händen wie 8-7o oder 7-5s? In der Vergangenheit gehörte solcher „Müll" in die Kategorie „schlechteste Hände", und es gehörte zum gesunden Menschenverstand, sie sofort zu entsorgen. Inzwischen haben jedoch einige Spieler begriffen, dass diese sich gar nicht so schlecht spielen.

Verpasst man den Flop und hat keine Perspektive, kann man sie problemlos folden - viel einfacher als K-J, da man damit häufig zwei Overcards hat. Trifft man aber den Flop, kann man in der Hand bleiben und sich ansehen, was noch so passiert. Trifft man den Flop sehr gut, kann man eine Falle stellen. Es sind listige Hände, auf die der Gegner einen kaum setzen kann, und deshalb erzielen sie größere Wirkung als es zunächst scheint.

Welche dieser Starthände sollte man denn nun spielen? Welche kann man aus dem „Mülleimer der schlechten Hände" herausholen? Wenn man gut genug ist, um problematischen Situationen aus dem Weg zu gehen, ist es auch kein Problem, ab und zu die beste Hand zu folden und mehr auf Position zu achten. Mit der richtigen Portion Vorsicht ist jede Hand spielbar.

Und die tiefere Botschaft? Es ist eine meiner Lieblingsbotschaften: „Erkenne dich selbst." Die schlechteste Hand ist die, die du am schlechtesten spielst. Und zu meiner Lieblingsbotschaft sehen Sie sich einmal diesen Artikel über das Spiel auf dem Flop an.

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