Rainer raist – Deutschlands Jagd auf die Pokerspieler

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Es nervt. Zwar brachte der Artikel „Nichts geht mehr“ letzte Woche in der Süddeutschen Zeitung keine wirklich neuen Fakten oder gar Erkenntnisse und es wurden auch keine neuen Vorwürfe erhoben, doch wurde wieder deutlich, in welche dunkle Ecke Pokerspieler in Deutschland sowohl vom Staat als auch von den Medien gestellt werden.

Worum es immer wieder geht: Pokerspieler = Zocker = Suchtkranke

Der Artikel der Süddeutschen Zeitung handelt im Grunde von alten Hüten.

Der deutsche Staat versucht durch seine Bundesländer, die das Glücksspielrecht hierzulande regeln, dem illegalen Glücksspiel im Internet den Hahn zuzudrehen und lanciert seit Jahren Antrag um Antrag an die Geldinstitute, damit diese den Zahlungsverkehr mit internationalen Glücksspielseiten einstellen.

Bislang hatten die „Ordnungshüter“ keinen Erfolg, und vermutlich wird sich dies in naher Zukunft auch nicht ändern.

So weit, so gut. Doch wie die Süddeutsche Zeitung – zweifellos nicht nur eine der renommiertesten, sondern auch eine der besten Zeitungen Deutschlands – übersehen auch die Gesetzeshüter das Entscheidende:

Pokerspieler sind in der Regel keine Zocker und in der Regel auch nicht spielsüchtig.

Warum  gelingt es weder den zuständigen Politikern noch in diesem Fall den Journalisten (weitere Berichte im SPIEGEL folgten) das sogenannte Glücksspiel nicht über einen Kamm zu scheren, sondern vernünftige und vor allem notwendige Distinktionen vorzunehmen?

Es ist doch nicht so schwer zu erkennen, dass es einen Unterschied zwischen Poker, Roulette, Sportwetten, Slots und Lotto gibt. Für alle Unwissenden (also vor allem Politiker und Journalisten) hier die Kurzform einer Erklärung:

Poker ist zwar kein reines Strategiespiel wie Schach, aber auch kein reines Glücksspiel wie Lotto. Das zeigt schon die überzeugendste Definition des Glücksspiels, die es gibt: Ein Glücksspiel ist ein Spiel, bei dem man nicht absichtlich verlieren kann.

Poker dagegen ist schlicht ein Strategiespiel mit kurzfristigem Glücksfaktor.

Niemand stört sich daran, dass in Deutschland online Schach, Backgammon, Skat oder Doppelkopf (durchaus auch um Geld) gespielt wird, dass Millionen von Menschen Angry Birds, Quizduell oder Bubble-Spiele via Handy betreiben und dass bei Sportwetten über das Internet Unsummen den Besitzer wechseln.

Aber die Pokerspieler stören, und man versteht es nicht.

Zweierlei Maß

Am Schlimmsten jedoch ist, dass nicht nur bei der Bewertung der Spiele mit zweierlei Maß gemessen wird.

Paul Gauselmann
Gauselmanns Automaten mit ohne Gewinnmöglichkeit.

Ewiges Totschlagargument gegen die Online-Poker-Angebote ist die Suchtgefährdung. Diese ist sicher vorhanden, aber doch nicht mehr als bei anderen Angeboten.

Die Gauselmann-Gruppe etwa bringt mit ihren Merkur-Spielotheken, die mit sogenannten „Unterhaltungsspielautomaten mit und ohne Geldgewinnmöglichkeit“ (glatt gelogen, nur ohne Geldgewinnmöglichkeit ist richtig!) ihre Kunden an die Daddelnadel.

Sie setzt über 1 Milliarde Euro im Jahr um und macht nichts anderes als Ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen, ohne dass diese mit Geschick oder Können etwas dagegen tun könnten.

Mit klugem Lobbyismus verschafft sich dieses Unternehmen seit Jahren die Basis, seine düsteren Geschäfte in legalem Rahmen durchzuführen, und wird dabei nicht müde, die Gefahren der Spielsucht im Internet zu betonen.

In den neuen Bundesländern hat es Gauselmann sogar geschafft, gemeinsam mit den Ländern Casinos aufzubauen. Eine geradezu widerwärtige Art, sich als Wolf im Schafspelz zu gerieren.

Keine Lösung?

Als deutscher Pokerspieler muss man sich wohl damit abfinden (oder schon damit abgefunden haben), dass einem nur zwei Möglichkeiten bleiben.

Michael Keiner
Ein Mann vom Kaliber Michael Keiner sollte die Pokerszene vertreten.

Entweder man verlegt seinen Wohnsitz ins Ausland oder man lebt mit dem Stigma, als spielsüchtiger Zocker angesehen zu werden.

Um an diesem eher bedauerlichen Zustand doch noch etwas zu ändern, wäre eines nötig.

Die deutsche Pokerszene bräuchte dringend eine Lobby und Vertreter vom Schlage eines Michael Keiner, die dafür sorgen, dass irgendwann einmal jemand an den entscheidenden Schaltstellen begreift, dass Pokerspieler nicht per se hochgradig süchtige Zocker sind.

Eigentlich kann das doch nicht so schwer sein, oder?

Ob am Ende die legalisierte Regulierung des Online-Poker steht – und natürlich muss das das Ziel sein! – steht auf einem anderen Blatt Papier, aber wer weiß, vielleicht höhlt der stete Tropfen ja den Stein.

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