Live Turniere – Deutschland unschlagbar?

Share:
24 Mai 2013, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog
Live Turniere – Deutschland unschlagbar?

Wenn bei High Roller Turnieren die Namen Reinkemeier, Gruissem, Kurganov und Quoss fallen, ist klar, dass es ab jetzt um die Verteilung des Preispools geht. 16,5 Millionen Dollar haben die „Fantastischen Vier“ seit 2011 bei hochpreisigen Live-Turnieren (Buy-in min. $10.000) eingenommen.

Rechnet man dazu noch die insgesamt 14 Turniersiege (Buy-in min. $1000) von Marvin Rettenmaier und Ole Schemion im selben Zeitraum, dann muss man sich mittlerweile fragen: Bestimmen deutsche Pokerspieler mittlerweile die Live-Turniere? 

Es hat eine Weile gedauert, bis das einwohnerstärkste Land Europas in Sachen Poker aus dem Tiefschlaf erwacht war. Während es vor fünf Jahren bereits zahlreiche Poker-Millionäre aus Skandinavien und England gab, ging es in Deutschland mit dem Profi-Poker gerade erst los.

Katja Thater
Katja Thater gehörte zu den Pionieren des deutschen Turnierpoker.

2007 holten sich Katja Thater und Michael Keiner bei der WSOP Bracelets und in der EPT Season 5 (2008/ 2009) gewannen die Deutschen drei der ersten vier Turniere.

Doch die Ära der Thaters, Strassmanns, Naujoks` und Ruthenbergs scheint endgültig der Vergangenheit anzugehören. Letzterer hat gerade eine Ausbildung zum Restaurant-Fachmann abgeschlossen und bekannte bei der EPT Berlin vor ein paar Wochen:

„Ich hab mich mit dem Spiel schon seit längerem nicht mehr intensiv beschäftigt. Und wenn ich mir meine ehemaligen WG-Kumpels ansehe, dann muss ich sagen: Ich habe den Anschluss verloren.“

Die Seminargruppe

Gemeint sind damit vor allem Tobias Reinkemeier, Philipp Gruissem, Igor Kurganov und Fabian Quoss. Wollte man die Cash Game-Spezialisten mit dazu nehmen, dann wären noch Niklas Heinecker, Nasr el Nasr und Cort Kibler-Melby zu erwähnen.

Doch für die Poker-Community sichtbar – oder besser gesagt: nicht mehr zu übersehen - sind die MTT-Spezialisten. Und die räumen seit zwei Jahren vor allem bei High Roller Turnieren, mit einem Buy In von mindestens $10.000 ab. 16,5 Millionen Dollar sind es seit Anfang 2011.

Richtig deutlich wurde die Dominanz der Deutschen bei den Aussie Millions Anfang dieses Jahres. Im $25.000 High Roller Event sprach unter den letzten Fünf nur Erik Seidel kein Deutsch (Sieger: Kurganov, Runner Up: Gruissem, Vierter: Niklas Heinecker, Fünfter: Fabian Quoss).

Philipp Gruissem
Philipp Gruissem ist ausgewiesener High Roller Spezialist.

Und beim $250.000 Super High Roller mussten Reinkemeier (Runner up), Kurganov (Dritter) und Quoss (Vierter) zwar dem englischen Counterpart Sam Trickett den Sieg überlassen.

Sieht man sich die Zahl der deutschen Spieler bei den High Roller Turnieren an, dann müssen sich manche geradezu umzingelt vorkommen.

Doch über Collusion hat sich noch keiner beschwert. Im Gegenteil: die Spielstärke der Deutschen wird bewundert. Und ihre Organisation. Bertrand Grospellier sagte dazu, dass die Deutschen inzwischen das wohl feinmaschigste Pokernetzwerk Europas aufgebaut haben.

Auch der älteste der „Phantastischen Vier“, Fabian Quoss, findet ähnliche Gründe für die plötzliche Leistungsexplosion. „Die deutschen Pokerspieler sind fast alle mehr oder weniger miteinander befreundet.

Auch Spieler, die man nicht so gut kennt, sind hilfsbereit und aufgeschlossen. Man hat den besten Content quasi in seiner Skypeliste und dadurch die Möglichkeit, sich auf einem Niveau, das weit über die gängigen Lehrvideos oder –bücher hinausgeht, ständig weiterzuentwickeln.

Auf dem höchsten Niveau ist es wichtig, seine eigene Study Group zu haben, in der man sich gegenseitig ins nächste Level bringt.“

Die deutsche „Union“

Beispiele für diese „Study Groups“ hat es immer gegeben. Schon in den frühen Tagen des Texas Holdem schlossen sich beispielsweise die Texas Road Gambler Doyle Brunson, Amarillo Slim und Sailor Roberts zur so genannten „Union“ zusammen.

Sie spielten mit einer gemeinsamen Bankroll und verbrachten Tage und Nächte damit über ihre gespielten Hände zu sprechen und an ihrem Spiel zu arbeiten. Nicht umsonst gehörte ihnen das erste Jahrzehnt der WSOP.

phil galfond acting 34545
Phil Galfond - den älteren Spielern schnellt enteilt.

Oder die „ShipitHollaBallas“. In dieser losen Vereinigung trafen sich um 2006 Spieler, wie Phil Galfond, Tom Dwan, David Benefield oder Andrew Robl. Ihr folgender Einbruch in die Online High Stakes glich einem Beben.

Noch heute sagt Phil Galfond: „Wir haben zwar unheimlich viel infantilen Blödsinn angestellt, aber eben auch pausenlos über Poker diskutiert. Theoretisch waren wir den älteren Spielern dadurch schnell enteilt.“

Und auch in London scheint sich nun ein solcher Think Tank unter deutschen Pokerspielern herausgebildet zu haben. Heinz Kamutzki sagte darüber bei einem Interview während der EPT Berlin: „Diese Intensität des Lernens nötigt einen wirklich Respekt ab. Es ist erstaunlich, wie vielschichtig innerhalb der Londoner Community über Poker und einzelne Szenarien und Aspekte nachgedacht wird.“

Kein Bock auf Öffentlichkeit (... außer es rechnet sich)

Die sich häufenden guten Ergebnisse bei High Roller Turnieren haben Reinkemeier, Gruissem, Kurganov und Quoss längst ins Rampenlicht katapultiert. Doch die vier Freunde, die gemeinsam in London leben haben eigentlich keine Lust mehr, in den Medien aufzutauchen.

Igor Kurganov
Igor Kurganov - ist Presse -EV?

Fabian Quoss, der kurz vor dem Black Friday noch bei FullTilt und zwar bei Full Tilt Poker – Academy.net untergekommen war, hat mittlerweile eine dezidiertere Meinung zu diesem Thema.

Die Präsenz in den Medien wäre nur notwendig, wenn man auf der Suche nach einem Sponsor sei. Ansonsten habe das einen begrenzten Reiz und ist partiell sogar schädlich.

Der kluge Pokerspieler versuche doch irgendwie immer, unter dem Radar der potentiellen Gegner zu bleiben.

Und zum Thema Sponsoring sagte auch der gebürtige Münchener Igor Kurganov: „Es gibt immer mal wieder engeren Kontakt.

Momentan ist Ivey-Poker an uns dran. Aber wir wägen das ganz genau ab. Am Ende muss für uns ein klar erkennbarer, monetärer Vorteil raus springen. Und das war bei den bisherigen Angeboten einfach nicht der Fall.“

Rettenmaier, Schemion – und kein Ende

Eine Änderung könnte allerdings schon bald die Öffnung des amerikanischen Pokermarktes mit sich bringen. Dann nämlich wird mit einer Wiederbelebung des – durch das Monopol von PokerStars momentan stagnierenden – Marketing-Segments gerechnet.

ole schemion neil stoddart
Mit Ole Schemioon steht schon der nächste deutsche Erfolggspieler im Rampenlicht.

Und die deutschen Spieler könnten dann schnell zu attraktiven Repräsentanten werden. Und dabei kämen bei weitem nicht nur die vier High Roller Könige in Frage. Auch andere deutsche Spieler haben in den vergangenen zwei Jahren die Live-Turniere aufgemischt.

Marvin Rettenmaier zum Beispiel. Quasi aus dem Stand gewann er seit Anfang 2011 sechs große Turniere, mit einem Buy-in von mindestens €1.800 und gewann allein durch diese Turniersiege 2,5 Millionen Dollar.

Aber es geht – Made in Germany – noch besser. Ole Schemion ist noch nicht mal 21 und doch schon mehrfacher Dollar-Millionär. In den vergangenen Jahren gewann er acht Turniere (darunter drei beim diesjährigen Grand Final in Monaco) und 2,5 Millionen Dollar. Beide Spieler haben lediglich ein paar Monate gebraucht, um sich in die Top Ten der German All Time Money List zu schieben.

Bei all diesen Titeln und Cashes ist Weltmeister Pius Heinz noch gar nicht erwähnt, und auch Spieler, wie der einstige EPT-London Champ Benjamin Spindler fallen fast durchs Raster. Die deutsche Wirtschaft boomt, in Wembley gibt es ein rein deutsches Champions League-Finale und auch im Live-Poker gilt ab sofort das Gütesiegel: Made in Germany.

Und hier noch die beeindruckenden Zahlen in Tabellenform:

Igor Kurganov

2013 Aussie Millions

$25.000 Challenge

1. Platz

$290.317

 

$250.000 Challenge

4. Platz

$527.849

 

$100.000 Challenge

2. Platz

$643.976

2012 Master Classics of Poker

€10.000 High Roller

2. Platz

$113.427

2012 EPT San Remo

€10.000 Eight-Max

7. Platz

$42.480

2012 WPT Paris

€15.000 High Roller

2. Platz

$65.266

2012 Deep Stack Extravaganza

$10.000 High Roller

1. Platz

$128.520

2012 Monte-Carlo® Casino EPT Grand Final

€25.000 High Roller

1. Platz

$1.425.874

2011 EPT London

£20.000 High Roller

2. Platz

$497.499

2011 EPT Tallinn

€10.000 High Roller

3. Platz

$58.210

2011 EPT Grand Final

€10.000 High Roller

2. Platz

$182.560

Total

 

 

$3.975.978

 


 

Tobias Reinkemeier

2013 Aussie Millions

$250.000 Challenge

2. Platz

$1.319.623

2013 PCA

$25.000 High Roller

7. Platz

$129.940

2012 WSOPE

€50.000 Majestic High Roller

5. Platz

$260.930

2012 EPT Barcelona

€10.000 High Roller

3. Platz

$147.021

2012 GCOP

€10.000 High Roller

2. Platz

$115.382

2012 Monte-Carlo® Casino EPT Grand Final

€100.000 Super High Roller

2. Platz

$1.404.750

2012 EPT Berlin

€10.000 Eight-Max

5. Platz

$60.398

2011 EPT Grand Final

€10.000 Main Event

57. Platz

$29.685

2011 WPT Wien

€10.000 High Roller

2. Platz

$148.662

2011 Aussie Millions

$10.000 Main Event

17. Platz

$69.232

Total

 

 

$3.685.623

 


 

Philipp Gruissem

2013 Aussie Millions

$25.000 Challenge

2. Platz

$197.416

2013 PCA

$100.000 Super High Roller

5. Platz

$400.700

2012 EPT San Remo

€10.000 Eight-Max

6. Platz

$53.196

2012 WSOPE

€50.000 Majestic High Roller

4. Platz

$358.778

 

€10.000 Main Event

29. Platz

$29.983

2012 Macau High Stakes Challenge

$258.000 Super High Roller

10. Platz

$587.778

2012 Monte-Carlo® Casino EPT Grand Final

€25.000 High Roller

3. Platz

$483.213

2011 EPT Prag

€10.000 Re-Entry

3. Platz

$91.850

2011 EPT San Remo

€10.000 Eight-Max

4. Platz

$94.030

2011 EPT London

£20.000 High Roller

1. Platz

$703.657

2011 EPT Barcelona

€10.000 Single Reload

1. Platz

$337.838

2011 WSOP

$10.000 Main Event

28th

$242.636

2011 EPT Berlin

€10.000 Eight-Max

3rd

$95.355

Total

 

 

$3.676.430

 


 

Fabian Quoss

2013 Aussie Millions

$25.000 Challenge

5. Platz

$53.841

 

$250.000 Challenge

3. Platz

$791.774

2012 EPT Prag

€10.000 High Roller

2. Platz

$274.880

2012 WPT Paris

€15.000 High Roller

1. Platz

$108.776

Total

 

 

$1.229.271


 

Marvin Rettenmaier

2013 EPT Grand Final

€2.000 NLHE Turbo

1. Platz

$56.908

2012 EPT Prag

€10.000 High Roller

1. Platz

$477.479

2012 WPT Zypern

$4.000 Main Event

1. Platz

$287.784

2012 WPT Championship

$25.000 Main Event

1. Platz

$1.196.858

2012 EPT Grand Final

€2.000 NLHE

1. Platz

$156.186

2011 France Poker Series Paris

€1.800 Main Event

1.Platz

$332.470

Total

 

 

$2.504.685

 


Ole Schemion

2013 EPT Grand Final

€10.000 6-Max Turbo

1. Platz

$133.092

 

€1.000 Win the Button

1. Platz

$15.342

 

€5.000 PLO

1. Platz

$77.626

2013 Lebanese Poker Tour Zypern

$5.000 Main Event

1. Platz

$201.206

2012 Master Classics

€5.000 Main Event

1. Platz

$368.895

2012 PPT Grand Final Cannes

€8.500 Main Event

1. Platz

$1.474.671

2012 EPT Berlin

€1.000 NLHE

1. Platz

$90.075

2011 EPT Berlin

€1.000 NLHE

1. Platz

 $77.138

Total

 

 

$2.438.045

 

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare