Ackermann, geh du voran

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Cosmopolitan Resort, 3700 Las Vegas Boulevard South.

Banker sind wie Zocker, nur viel schlimmer, sagt man. Was bisher nur ein laxer Spruch war, wird nun in Stein gemeißelte Gewissheit. Die Deutsche Bank baut ein Casino in Las Vegas - aus Versehen, irgendwie. Es könnte ein Fiasko werden.

So kann man natürlich auch mit einer Wirtschaftskrise umgehen. Subventionen kassieren und dann vier Milliarden Euro in ein Casino pumpen. Da rede noch einer von Angst vor Investitionen. Optimistischen Schätzungen zufolge haben sich die Kosten in etwa 15 Jahren amortisiert. Natürlich nur, wenn sich die ökonomische Lage auch in der Wüstenmetropole wieder bessert.

Immerhin hat man für 2008 einen Nettoverlust von 5 Milliarden bilanziert, aber 12 Milliarden an Hilfen kassiert. Unterm Strich ist es also ganz gut gelaufen für die Deutsche Bank.

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Stephen Wynn - "bevorstehendes Desaster".

Der Umsatz in Las Vegas ist 2009 um 10,4 % gefallen, das ist der größte Rückgang seit Bestehen der Spielerstadt. Warum also sollte ausgerechnet die Deutsche Bank ausgerechnet dort so viel Geld sozusagen in den Sand setzen? Die fachmännische Antwort lautet: Es hat sich so ergeben.

Zunächst war da nämlich ein Kredit: Immobilienentwickler Bruce Eichner hatte die Idee für das Cosmopolitan Resort & Casino. Zur Verwirklichung nahm er mal eben einen Kredit von 750-900 Millionen Dollar (je nach Quelle) auf. Bei einer solch geringen Summe lohnt es sich ja kaum nachzufragen, und deshalb kamen nicht nur die Immobilienkrise, sondern auch die Flut von Rechtsstreitigkeiten (über 400 Kläger) mit den potenziellen Investoren völlig überraschend.

Eichner konnte schon 2008 die Zinsen nicht mehr bezahlen, und damit saß die Bank plötzlich auf dem Gebäudekomplex mit einem 3000-Zimmer-Hotel, Wohnungs-, Einkaufs- und Freizeitanlagen und 30 ha Land fest. Ein Käufer wollte sich nicht finden lassen, also beschloss man, das Projekt selbst weiterzuführen. Immerhin war ja alles gut geplant.

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DB-Vorstand Ackermann - 100.000 qm Casino.

Oder auch nicht, denn im November 2009 wurde versehentlich eine grundwasserführende Schicht angebohrt, was dazu führte, dass Wasser in den Rohbau eindrang. Der Zeitplan ist schon über zwei Jahre überzogen, das Budget um über zwei Milliarden überschritten. Man könnte denken, dies sei ein Artikel über Stuttgart21.

Steven Wynn, Betreiber des „Wynn" und „Encore" auf dem Strip, nennt das Projekt ein „bevorstehendes Desaster". Die Deutsche Bank erwähnt das Projekt zwar in ihren Geschäftsberichten und hat eine Milliarde bereits abgeschrieben, hält sich ansonsten aber möglichst bedeckt.

Jetzt steht die Eröffnung des 100.000 qm großen Cosmopolitan mit 83 Spieltischen und 1474 Automaten bevor. Am Silvesterabend soll die Premierengala eines der teuersten Casinos von ganz Las Vegas steigen. Als musikalische Gäste sind Jay-Z und Coldplay angesagt.

Wie man sich Atmosphäre und Ambiente in dem Vier-Milliarden-Projekt vorzustellen hat, soll dieser merkwürdige Werbespot beleuchten.

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