Der Pokerschreck - Wie sich Amateure am Pokertisch als Anfänger outen

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28 Januar 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand
Der Pokerschreck - Wie sich Amateure am Pokertisch als Anfänger outen

Der legendäre Peter Sellers spielte im Film „Der Partyschreck“ einst einen tollpatschigen indischen Komparsen, welcher durch Zufall auf eine Hollywood-Party gerät und sich in jeder seiner Handlungen als Außenseiter verrät.

In der Poker-Community kennt man solcherlei Charaktere ebenfalls zur Genüge. Anfänger, die schon nach wenigen Minuten als solche erkennbar sind. In einem imaginären Film „Der Pokerschreck“ würde Peter Sellers einen Poker-Anfänger spielen und auf die folgenden Aktionen auf gar keinen Fall verzichten:

1. Big Blind folden, obwohl es kein Raise vorher gab

Ein echter Klassiker. In diesem Falle müsste man lediglich „Check“ sagen und bliebe auch ohne zusätzlichen Einsatz in der Hand. Weil der Amateur aber denkt, er müsse stets bezahlen, um weiter mitmachen zu dürfen, wirft er seine schlechte Hand lieber weg. Sehr zur Freude der Mitspieler, die in diesem Fall eher Mitleid zeigen, als über den Anfänger-Move böse zu sein.

hill spencer
Der Film mit Terence Hills FAstroll.

2. Karten hochheben

Auch dieser Move wird immer wieder gesehen. Das Poker-Greenhorn hebt die Karten vom Tisch, um sie sich dann ganz nah vors Gesicht zu halten. Soll bloß keiner sehen, was man hat. Dabei ist es ungeschriebene Weisheit, dass man die Karten am besten mit Kontakt zum Tisch vor neugierigen Blicken schützt.

 

Einer, der das auf die Spitze getrieben hat, war Terrence Hill als er im Film „Zwei sind nicht zu bremsen“, seine vier Könige gleich umgedreht, mit den Bildern nach vorn vors Gesicht gehalten hat.

 

3. Gleich unter jede Karte sehen, wenn sie vom Dealer ausgeteilt ist

Die versierteren Pokerspieler behalten ihre Augen so lange, wie möglich auf den anderen Spielern, um Informationen zu erhalten. Die eigenen Karten werden so spät wie möglich eingesehen, um den Mitspielern keine zusätzlichen Informationen zu geben. Beim Anfänger hingegen ist die Neugier größer als alles andere. Und hat er seine Hole Cards erstmal inspiziert, verteilt er die Informationen über deren Wert wie Weihnachtsgeschenke an seine sachkundigen Mitspieler.

 

4. Nach jeder gegebenen Karte (Flop, Turn, River) noch mal unter die Karten gucken

Nach jeder Karte auf dem Tisch könnte sich ja die ein, oder andere Kombination vervollständigt haben. Ist das der Fall wissen es die Anderen anhand des sich ständig verändernden Gesichtsausdrucks vielleicht früher als man selbst.

 

5. Ruhig bleiben bei Bluffs. Zittern bei Big Hands.

Die größte Aufregung erzeugt beim Poker-Rookie nicht etwa der Bluff, sondern im Gegenteil das Halten einer starken Hand.

loriot skat
"Aber ich zack! - mit der Herz Neun."

Ganz außer sich vom bevorstehenden Triumph und dem erwarteten Einstreichen eines großen Gewinns ist der Anfänger von den ihm zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen überfordert und bewegt seine Mitspieler zu einem viel zu frühen Fold.

 

6. Beware of the speech – der ruhigste Spieler wird auf einmal zum Schwätzer, wenn er ein Monster hält

Ähnliches gilt für plötzliche Mentalitätswechsel. Bei richtig starken Händen fängt selbst der größte Phlegmatiker unter den Poker-Amateuren an zu schwitzen und der Schweiger redet auf einmal, wie ein Wasserfall.

 

7. Kann man mit drei Paaren gewinnen?

Für Irritationen sorgt immer wieder der Umstand, dass man mit sieben Karten theoretisch ja auch drei Paare haben könnte. Schwer wird das eben nur, wenn man nur fünf miteinander kombinieren darf.

Zugegeben mit solcherlei Ideen outet man sich wohl eher als Vollidiot, denn als Poker-Anfänger. Anders sieht es da schon bei der so genannten „round a corner straight“ aus.

Warum zum Teufel kann man eigentlich A-2-3-4-5 als Straight verkaufen und K-A-2-3-4 nicht? Besser man stellt sich die Frage vorher Zuhause, als später den verzweifelten Mitspielern.

tilly-elizabeth
Nicht für jeden sind die Karten das Wichtigste.

8. In der Gegend umherschauen wenn man weiß, dass man foldet

Unter Garantie kann man seine Mitspieler so zur Weißglut bringen. Einmal an der Reihe wird kein erfahrener Livespieler die Action durch zu spätes Folden aufhalten wollen.

Nur dem Einsteiger ist ein Blick auf die Slot Machines oder in den Ausschnitt der Dealerin manchmal wichtiger. Noch schlimmer ist allerdings das andere Extrem...

 

9. Permanentes Folden von Händen bevor man an der Reihe ist.

Komischerweise ist diese Aktion jene, die von Anfängern trotz mehrfacher Ermahnung am häufigsten wiederholt wird. Es ist eben nicht einfach zu begreifen, dass hinter jeder Handlung am Tisch für die übrigen Spieler eine Information steckt.

Genau deshalb ist es wichtig, dass alle Aktionen nach einer klar festgelegten Reihenfolge ablaufen.

Für diese Aktion wird man vom Dealer zunächst verwarnt. Bei Wiederholung drohen Sanktionen.

 

10. Den Dealer fragen: „Was muss ich jetzt zahlen?“

Bei diesem klassischen Anfängerfehler freuen sich die Mitspieler ausnahmsweise mal. Denn der Dealer wird auf diese Frage nie antworten: „Sie müssen gar nichts zahlen“, sondern immer den Betrag zum Call nennen.

Und wie es dann bei aufgeregten Newcomern so ist. Sie zahlen natürlich. Zur Freude der Mitspieler meist auch mit absoluten Trash Hands.

phil hellmuth
Nur Anfänger lassen sich zu größeren emotionalen Ausbrüchen hinreißen.

11. Schon 90% des eignen Stacks liegen im Pot, aber All In sein will der Neuling nicht.

Der Neuling callt bei Blinds von 5/10 das Raise auf 800 weil er ja 5000 Chips hat. Auch die Conti-Bet von 3.000 zahlt man noch gern.

Aber das All-in am Turn für 1.200, nein das ist zu viel, denn dann wäre man ja quasi selber all-in und vielleicht schon schnell raus aus dem Turnier.

Na ja, lange wird’s bei der Spielweise eh nicht mehr dauern. 

 

12. Man hat seine Karten bereits gefoldet, signalisiert aber mit lautstarken Aaaahhh und Oooohhh welche Karten getroffen hätten.

Wenn es zu einer scharfen Rüge bis jetzt noch nicht gereicht hat, mit dieser Aktion schafft man es unter Garantie.

Der Newcomer muss seiner Faszination für das Spiel Ausdruck verleihen und lässt den ganzen Tisch wissen, wie gut doch sein Blatt gewesen wäre, hätte er nicht gefoldet.

Für die noch im Gefecht befindlichen Kontrahenten enthalten die Aussagen des Neulings allerdings eine Menge Informationen. Und einer wird über deren Vermittlung am Ende auf Garantie nicht erfreut sein.

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