Das Spiel auf dem Flop (4/6): Der „Sunk-Costs-Effekt"

Nicolas Levi
Small Blind + Small Stack = Big Problem.

Auf dem Flop gibt es Situationen, in denen man zwei Dinge unbedingt vermeiden sollte - eines davon ist Ärger.

1. Vermeiden Sie problematische Situationen und problematische Hände.

Entscheidend sind hier die vorhergehende Action und die Position. Wenn sIe sichdas Leben gerne zur Hölle machen, dann limpen Sie doch einfach mit Händen wie K-J oder A-9 aus früher Position. Und erzählen Sie mir bitte nicht, dass es ja suited Karten waren!

Dierse Hände sind problematisch. Sie sehen ganz gut aus und können sich zu sher guten Händen entwickeln.

Das Problem ist: Der Unterschied zwischen der Wahrscheinlichkeit, eine starke Hand zu bekommen und der, nur irgenwie das Board zu treffen, ist gewaltig. Der erste Fall tritt nur selten ein, und wenn er es tut, sind die Profite selten groß genug, um die sonstigen Verluste auszugleichen, wenn man nur die zweitbeste Hand hält.

Hier ein Beispiel, wie wir es alle schon gesehen (gespielt!) haben: Aus mittlerer Position limpen wir mit A 9, werden aus dem BB auf das 2,5-fache geraist und zahlen widerwillig.

Der Flop kommt 9 7 2. Der BB setzt den halben Pot. Wir bezahlen. Auf dem Turn kommt die 4. Eine weitere Bet in halber Potgröße, ein weiterer Call. Der River blankt aus. Bet, ein crying Call. BB zeigt J-J. Also nachladen.

Sander Lylloff
Wer drawing dead ist, kann nicht pot-committed sein.

Sehen wir uns diese Situation genauer an und analysieren, wo die Probleme entstehen.

Der anfängliche Limp ist kein komplett falscher Zug. Machmal kommt man damit durch und kann billig den Flop sehen. Problematisch wird es, wenn wir vor dem Flop geraist werden und bezahlen, und wenn wir dann auch noch den Flop treffen und bis zum River durchzahlen.

Warum machen so viele Spieler diese Calls? Nun, ein Grund ist, dass in dieser Situation gerne etwas eintritt, was Verhaltensökonomen als „Sunk-Cost-Effekt" bezeichnen. Das bedeutet, dass man sich von einer Handlungsfolge mitreißen lässt, weil man ja sowieso schon Geld investiert („Kosten versenkt") hat.

Analog verhält es sich mit dem Begriff „pot-committed". Aber wir sind in dieser Situation gar nicht pot-committed, jedenfalls ganz sicher nicht vor dem Flop und nur selten danach.

Der Impuls, mit einer Hand mitzugehen, die Outs hat, ist jedoch emotional sehr stark, und das liegt daran, weil wir die potenziell positiven Ergebnisse überschätzen.

Das heißt, wenn man erst einmal in den Strudel des „Sunk-Cost-Dilemmas" geraten ist, neigt man dazu, die möglichen Gewinne zu hoch zu bewerten.

Prahlad Friedman
Passen Sie auf, sonst rutschen die Chips einfach weg.

Diese Problemstellung ist in der Wirtschaft und Finanz allgegenwärtig. Zufriedenstellende Lösungen wurden bisher nicht gefunden, also wundern Sie sich nicht, wenn Pokerspieler immer wieder in eine solche Lage geraten.

Leider gibt es noch mehr Probleme mit diesen Händen. Typische Action Junkies lassen sich gerne in solche Hände verwickeln, weil sie enorme „Verstärker" sein können (floppt man mit A-9 zwei Paare, kann man gegen A-K eine Menge Schaden anrichten).

Wie wir bereits mehrfach diskutiert haben, hat die Erwartung eines kräftigen Gewinns einen großen Einfluss auf unsere Emotionen und unsere Spielweise. Folgt man jedoch grundlegender Spieltheorie, dann hat diese Spielweise einen negativen Erwartungswert.

Noch schlimmer ist, dass diese Hände einen Informationsmangel mit sich bringen. Meistens weiß man nicht, wo man mit einer solchen Hand steht. Die Range des Gegners ist groß, wie so oft, wenn man nur in den Pot limpt.

Außerdem müssen Sie als erster agieren, was nie ein Vorteil ist.

Ersparen Sie sich eine Menge Kopfschmerzen (und finanzielle Verluste) und lassen Sie die Finger von solchen Händen. Auch die besten Spieler kommen damit in Schwierigkeiten. Wenn Sie keinen Flop sehen, müssen Sie sich auch keine Gedanken über Post-Flop Spiel machen.

2. Call oder Fold mit marginalen Händen aus dem SB pre-Flop

Dieses Problem wird seit Jahren heiß diskutiert. Das Standardargument für einen Call sind die guten Odds, vor allem, wenn es mehrere Limper gibt und im BB ein relativ passiver Spieler sitzt.

Das ist kein Quatsch, aber man muss sich dazu ein paar Gedanken machen.

Erstens: Man kennt seine Implied Odds eigentlich gar nicht. Wenn es drei Caller gibt und man sitzt da mit T 2, ist es höchst unwahrscheinlich, dass man die 9:1 bekommt, die man für einen Call (gegen eine zufällige Handauswahl) in dieser Situation benötigt - falls der BB nicht auch noch erhöht.

Zweitens: Man ist bis zum River out-of-position. Ich weiß ja nicht, wie Sie damit umgehen, aber ich fühle mich da immer etwas ungemütlich.

Florian Langmann
Soll man seinen Stack riskieren, um seinen Blind zu verteidigen?

Drittens: Hat man den ersten Call gemacht, verstrickt man sich schnell indas „Sunk-Cost-Problem". Und wenn man dann auch noch den Flop trifft, wird es immer schwieriger, loszulassen.

Übrigens habe ich die Hand T 2 nicht zufällig gewählt. Es handelt sich hier natürlich um „Doyles Hand", auch „Texas Dolly" genannt, der damit zweimal in Folge die WSOP gewann und sich deshalb emotional an sie gebunden fühlt (ein „Verstärker").

Wenn Sie im letzten Jahr die Serie „High Stakes Poker" verfolgt haben, dann konnten Sie einen magischen Moment erleben: Doyle Brunson sah seine Karten an, erblickte T-2 und warf die Hand mit einem Blick weg, wie ihn ein Vampir angesichts einer Knolle Knoblauch bekommt.

Später sagte er, er wisse gar nicht mehr, wie viel Geld er mit dieser Hand schon verloren hat.

Mit einer schwachen Hand zum Big Blind aufzufüllen, ist auf lange Sicht riskant. Halten Sie sich an eine einfache Regel: Callen Sie nicht mit einer Hand, mit der Sie aus früher Position keine ganze Bet bezahlen würden.

In dieser Serie:

  1. Das Spiel auf dem Flop (1/6): Simple Psychologie.
  2. Das Spiel auf dem Flop (2/6): Jetzt wird's kompliziert.
  3. Das Spiel auf dem Flop (3/6): Der Naked Raise.
  4. Das Spiel auf dem Flop (4/6): Der "Sunk-Costs-Effekt".
  5. Das Spiel auf dem Flop (5/6): Was glaubt er, was ich habe?
  6. Das Spiel auf dem Flop (6/6): Erkenne dich selbst

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