Das Spiel auf dem Flop (3/6): Der Naked Raise und mehr

Pretty girl
Manchmal gern gesehen: der Naked Raise.

In den ersten beiden Artikeln dieser Serie haben wir acht grundlegende Spielzüge auf dem Flop diskutiert.

Hier sind vier weitere.

Der Naked Raise auf dem Flop.

Dieser Spielzug ist eine Variante des Floats (siehe Teil 2), denn man nutzt die Aggressivität eines Spielers aus, der den Flop wahrscheinlich verpasst hat.

Die Idee dahinter ist im Grunde dieselbe wie bei einem Float: In der Mehrzahl der Fälle verpasst man den Flop unabhängig von der eigenen Hand. Statt aber die C-Bet des Gegners flat zu callen, erhöht man.

Dieser Spielzug ist entweder ein Bluff oder ein Semi-Bluff, je nachdem, ob man selbst irgendetwas auf dem Flop getroffen hat oder nicht.

Wie bei einem Gambit hängt der Erfolg des Spielzugs maßgeblich von der Textur des Boards und der Range ab, die man dem Gegner für einen Pre-Flop-Raise gibt. Da es sich eigentlich um einen Steal handelt, eignen sich dafür am besten ungleichfarbige, unverbundene Boards.

Interessanterweise ist das eigene Tischimage dabei gar nicht so wichtig. Gilt man als looser Spieler, fragt sich der Gegner bei einem Flop T 8 5, ob man vielleicht zwei Paare getroffen hat.

Hat man sich dagegen ein tightes, konservatives Image aufgebaut, lässt der Spielzug den Gegner über ein möglicherweise geflopptes Set nachdenken.

Es gibt auch andere Boards, die zu diesem Spielzug einladen. Dabei handelt es sich um Boards, die auf den ersten Blick gar nicht geeignet scheinen, z. B. drei gleichfarbige oder drei verbundene Karten. Immerhin muss sich der Gegner fragen, ob man den Flop nicht sogar sehr gut getroffen hat.

Matt Woodward
Setzen Sie diesen Spielzug maßvoll ein, oder Sie werden schnell erwischt.

Wie hoch man erhöhen sollte, bleibt eine offene Frage, die nicht einfach zu beantworten ist. Faktoren wie Tischimage, gegnerische Spielweise, Position, Stackgröße und mehr kommen hier ins Spiel.

Grundsätzlich versucht man, den Raise gerade so niedrig zu halten, dass er noch funktionieren müsste, denn wenn man sich einem Call oder einem Re-Raise gegenübersieht, muss man in den meisten Fällen die Hand aufgeben.

Die Spieler links zeigen häufig durch Tells ihre geplanten Aktionen an.

Darüber ist schon viel geschrieben worden. Trotzdem vergessen überraschend viele Spieler, darauf zu achten, vor allem, wenn mehrere Spieler den Flop sehen.

Am teuersten wird es, wenn man erst einmal eine mittelmäßige Bet ansetzt, z. B. in halber Potgröße, und dann nach links schaut, um zu erfahren, wie die anderen Spieler darauf reagieren. Dann sieht man plötzlich, wie einer von ihnen bereits die Chips für sein All-in zusammen schiebt.

Solche Bets, die man anschließend aufgeben muss, können die Session schnell zu einem Minusgeschäft machen.

Die meisten Made Hands verlieren auf jeder Straße an Wert. Das ist zwar offensichtlich, wird aber unter Druck schnell vergessen.

Ich kann diese Aussage nicht durch empirische Daten belegen, aber wie bereits erwähnt (Teil 2) verliert man in NLHE am meisten Geld, wenn man entweder Top Pair Top Kicker oder Bottom Two Pair auf dem Flop trifft.

Lee Markholt
Mit keiner Hand verliert man mehr Geld in NLHE als mit Top Pair Top Kicker oder Bottom Two Pair auf dem Flop.

Diese Hände sind sehr verwundbar, denn sie verbessern sich selten, und es gibt immer eine ganze Reihe von Händen, die sie schlagen können - und wenn das passiert, wird es sehr schmerzvoll.

Das Problem ist, dass man sich von starken Händen sehr schwer trennt. Man spricht gern davon, mit einer Hand „verheiratet" zu sein. Die Lösung besteht darin, sich zu erinnern, dass die Stärke der Hand von Straße zu Straße abnimmt.

Denken Sie deshalb jede Situation genau durch. Wie wahrscheinlich ist es, dass Ihre Hand noch immer die beste ist? Floptextur, Setzverhalten, Position und die Handrange des Gegners könnten die Alarmglocken läuten lassen.

Wie begegnet man Standardspielzügen wie C-Bets, Fallen und Floats.

Winning Players kennen gemeinhin die grundlegenden Spielzüge und verstehen sie auch gewinnbringend einzusetzen. Allerdings wissen viele nicht, wie man diese Spielzüge kontert.

Es gibt keine Allgemeinformel, aber ein paar Tricks, die auch funktionieren. Wenn Sie z. B. davon ausgehen können, dass ein Call auf dem Flop für Ihren Gegner die Vorbereitung auf einen Float ist, checken Sie den Turn nicht, sondern feuern eine weitere Bet ab oder - was noch effektiver ist -- entscheiden Sie sich für den Checkraise.

Wait a minute!
Moment mal! Das sieht aus wie ein Standard-Gambit.

Der oben erwähnte „Naked Raise" kann auch als Gegenangriff auf eine C-Bet eingesetzt werden. Erhöht man die C-Bet eines gewissen Spielertyps, erreicht man damit gleich mehrere Dinge.

Zum Einen schärfen Sie Ihr Image als konzentrierteer und aggressiver Spieler. Sie machen dem Tisch klar, dass niemand mit einer C-Bet so einfach an Ihnen vorbeikommt.

Zum Anderen führen Sie damit ein Element ein, dass auf der Meta-Ebene des Spiels noch von Bedeutung sein wird. Sie erspielen sich eine freie Karte, die Ihnen ein aggressiver Spieler sonst nicht geben würde.

Zusätzlich können Sie auf diese Weise in manchen Fällen die Potkontrolle und die Inititative übernehmen.

In dieser Serie:

  1. Das Spiel auf dem Flop (1/6): Simple Psychologie
  2. Das Spiel auf dem Flop (2/6): Jetzt wird's kompliziert
  3. Das Spiel auf dem Flop (3/6): Der Naked Raise.
  4. Das Spiel auf dem Flop (4/6): Der "Sunk-Cost-Effekt".
  5. Das Spiel auf dem Flop (5/6): Was glaubt er, was ich habe
  6. Das Spiel auf dem Flop (6/6): Erkenne dich selbst

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