Das Spiel auf dem Flop (2/6): Jetzt wird's kompliziert

Allen Kessler
Potkontrolle ist komplizierter, als man denkt.

Führen wir unsere Gedanken zum Post-Flop-Spiel fort und erläutern ein paar fortgeschrittene Strategien.

Führen wir unsere Gedanken zum Post-Flop-Spiel fort und erläutern ein paar fortgeschrittene Strategien.

Kontrollieren Sie die Potgröße

Jetzt wird es kompliziert, sogar noch etwas komplizierter als Sie nun erwarten.

Zu Potkontrolle gehören natürlich zwei diametrale Elemente: den Pot klein halten oder aufbauen. Sind Sie auf einem Draw, tendieren Sie dazu, den Pot klein zu halten (natürlich kommt noch die Fold Equity dazu).

Es gibt ein paar kleinere Tricks dabei, vor allem, wenn man aus erster Position agiert. Dazu gehören Block Bets (Bets, die kleiner sind als die wahrscheinliche Bet des Gegners) und zeitlich angepasste Checks (Checks nach einer angemessenene „Bedenkzeit"), um einen Check des Gegners zu induzieren.

Außerdem sollten Sie in vielen Fällen den Pot klein halten, wenn Sie Top Pair haben, sogar wenn ein guter Kicker dabei ist. Jetzt runzeln Sie mal nicht die Stirn, ich meine das ganz ernst.

TPTK (Top Pair Top Kicker) verliert mehr Geld als jede andere gute Hand (ausgenommen vielleicht Bottom Two Pair). Wird der Pot zu groß, könnten Sie sich plötzlich als committed betrachten müssen und halten nur die zweitbeste Hand. Passiert Ihnen das auch nur einmal pro Session, sind Sie höchstwahrscheinlich bereits ein losing player.


Amnon Filippi
Klein halten oder aufbauen?

Haben Sie dagegen eine wirklich starke Hand gefloppt, möchten Sie den Pot aufbauen und müssen deshalb genau überlegen, was Ihr Gegner wahrscheinlich noch bezahlen wird. 2/3 oder 3/4 des Pots sind normalerweise ausreichend, um einen dominierten Gegner zu "committen" und zum finalen Call zu zwingen.

Manche Spieler werden gierig und überbetten einen Pot. In einigen Fällen funktioniert das sogar, aber man muss den Gegner sehr gut lesen und die Situation einschätzen können.

Kann man den nicht Gegner dazu bringen, einen Bluff anzunehmen, wird er in den seltensten Fällen bezahlen. Wenn der Gegner die schlechtere Hand foldet, weil man zuviel gesetzt hat, hat man sich das selbst zuzuschreiben.

Achten Sie auf die Größe der Stacks, Ihres und dem Ihres Gegners

Oft sitze ich am Tisch und studiere die anderen Spieler. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Spieler setzen, ohne nachzusehen, was der Gegner eigentlich vor sich liegen hat.

Es gilt, hier ein paar grundlegende Regeln zu beachten.

Bluffen Sie niemals einen Small Stack. Hat Ihr Gegner nur noch zehn oder weniger BBs und außerdem bereits bezahlt, um den Flop zu sehen, wird er seine Hand wahrscheinlich auch auf ein All-in nicht mehr wegwerfen - es sei denn, er hat den Flop komplett verpasst und würde auch auf eine kleinere Bet folden.

Vorsicht ist auch bei großen Stacks geboten. Diese fühlen sich meistens ziemlich wohl und bezahlen möglicherweise mit schlechteren Händen, als sie es normalerweise tun würden, nur um mal zu sehen, was Sie so haben.


Annette Obrestad
Vorsicht vor großen Stacks.

Manche Hände gewinnen an Wert, wenn sie gegen große Stacks gespielt werden, z. B. kleine Paare und Gut Shot Draws. Trifft man mit einer solchen Hand, ist diese meist sehr gut versteckt. Dagegen verlieren solche Hände an Wert gegen kleine Stacks.

Die Größe der Stacks gewinnt auch in Turnieren gelegentlich an Bedeutung, vor allem in kritischen Phasen wie auf der Bubble oder auf der Final Table Bubble.

Setzen Sie Ihre Gegner nicht auf eine Hand, sondern auf eine Handrange, die von Straße zu Straße kleiner wird

Eigentlich ist das ja so klar, dass man gar nicht darüber reden muss. Oder eben doch. Achten Sie einmal darauf, wie oft jemand am Tisch so etwas sagt wie „ich setze ihn auf einen Flush Draw" oder „ er muss Siebenen oder Achten gehabt haben".

Manchmal ist eine solch konkrete Annahme richtig, aber meistens liegt man damit daneben. Oft liegt das daran, dass man sich nicht gut genug in das Spiel des Gegners einfühlen kann, gelegentlich aber auch daran, dass man zuviel Poker im Fernsehen gesehen hat.

Spieler haben sich reihenweise davon beeindrucken lassen, wie gewisse Topspieler wie Daniel Negreanu oder Mike Matusow gegnerische Hände mit geradezu unheimlicher Prazision lesen.


Late night last night?
Fernsehen ist Show.

Sieht ja auch toll aus, wenn Daniel über den Tisch herüber sieht und sagt, "ok, ok, du hast also die Neun zu deinem Paar Asse getroffen. Nice hand, I fold" - und dann zeigt uns die Hole Card Kamera tatsächlich A-9.

Bevor Sie allerdings ebenfalls versuchen, solche Wunder zu vollbringen, überlegen Sie Folgendes.

Erstens sind das absolute Spitzenspieler mit eine Unmenge Erfahrung. Zweitens sind ihre Gegner oft entweder Spieler, die sie gut kennen oder Amateure, deren Spiel recht durchsichtig ist. Und drittens handelt es sich um Fernsehen(!), und alle Szenen sind passend zurecht geschnitten.

In der wahren Welt ist es nicht nur unheimlich schwierig, Gegner auf eine Hand zu setzen, es ist sogar ein Fehler. Beginnen Sie lieber damit, ihn auf eine sinnvolle Reihe von Händen zu setzen und schließen Sie dann eine nach der anderen aus, wenn Sie mehr Informationen erhalten.

Merken Sie sich außerdem, dass jede Made Hand und überhaupt jede gute Hand auf dem Flop von Straße zu Straße an Wert verliert.

Eine Made Hand kann logischerweise nur an Wert verlieren, bei Drawing Hands verhält es sich entgegengesetzt. Bewerten Sie Ihre Hand deshalb auf jeder Straße neu.

Der Float

Dieser Post-FlopTrick hat in letzter Zeit zunehmend Aufmerksamkeit erhalten, sogar so viel, dass Sie ihn möglicherweise selbst gerne anwenden möchten.

Der Spielzug versucht, daraus Kapital zu schlagen, dass der Pre-Flop-Raiser den Flop wahrscheinlich verpasst hat.


Nasr El Nasr
Der Float ist ein gefährliches Spiel.

Angenommen, es gibt einen Raise aus früher Position auf vier BBs. Sie sitzen auf dem Button und bezahlen mit eher mäßigen Karten. Auf dem Flop kommen nur Karten, die ungefährlich aussehen, z. B. 9-3-5 Rainbow.

Der Raiser macht seine Continuation Bet, weil er (wahrscheinlich) damit rechnet, dass Sie den Flop ebenfalls verpasst haben. Sie bezahlen und zeigen damit, dass Sie den Flop entweder getroffen oder das Raise mit einem Pocket Paar bezahlt haben.

Spielt der Raiser ein starkes Ass, wird er den Turn wahrscheinlich checken. Nun setzen Sie etwa 2/3 des Pots. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie den Pot gewinnen, ist relativ groß. Ihre Karten sind dabei vollkommen irrelevant.

Allerdings ist dieser Spielzug bereits so zur Selbstverständlichkeit geworden, dass der ursprüngliche Raiser gerne mit einem Checkraise kontert. Die Lektion, die daraus zu lernen ist, lautet: Vorsicht ist geboten, vor allem, wenn Sie nicht genau wissen, wie trickreich Ihr Gegner ist. Einen Float sollten Sie nicht leichtfertig einsetzen.

In der nächsten Folge sehen wir uns einige weitere Post-FlopSituationen an und erläutern die entsprechende Spielweise.

In dieser Serie:

  1. Das Spiel auf dem Flop (1/6): Simple Psychologie.
  2. Das Spiel auf dem Flop (2/6): Jetzt wird's kompliziert.
  3. Das Spiel auf dem Flop (3/6): Der Naked Raise.
  4. Das Spiel auf dem Flop (4/6): Der "Sunk-Costs-Effekt".
  5. Das Spiel auf dem Flop (5/6): Was glaubt er, was ich habe?
  6. Das Spiel auf dem Flop (6/6): Erkenne dich selbst