Phil Ivey Exklusiv

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Rätsel Ivey. Photo: Severin Koller.

Phil Ivey ist eine der großen enigmatischen Persönlichkeiten des internationalen Pokerzirkus. Interviews mit ihm sind selten und auch wenn er eher öfter im Fernsehen zu sehen ist, gibt er dort kaum etwas über sein Wesen preis. Bei uns macht er eine Ausnahme.

Interview: Christian Henkel

Die Arbeit mit den Medien - was auch immer darunter zu verstehen ist - sei ihm, das betont er immer wieder, eigentlich weder lästig noch besonders willkommen. Journalisten hielten ihn einfach davon ab wichtigere Dinge zu erledigen oder einfach eine Runde Golf zu spielen. Und weil selbst das Gespräch mit Phil Ivey einem psychologischen Verwirrspiel am Pokertisch gleicht, in dem die Höchststrafe wiederholtes und ausgiebiges Gähnen ist, haben wir versucht ihn mit ein paar überraschenden Moves aus der Reserve zu locken.

Die Cash-Games in Bobbys Room müssen in letzter Zeit unwiderstehlich gewesen sein in den letzten Monaten, denn Phil trägt unverkennbar ein paar Kilos zuviel spazieren. Vielleicht genießt er auch nur die wiedergewonnene Freiheit nach der Vegetarierwette mit Tom Dwan.

Dabei ist er weit größer, als man sich ihn gemeinhin vorstellt. Die Taktik, die der bekannte Medienmuffel für den heutigen Tag gewählt hat, ist die eines kleinen Jungen, der nur widerwillig die Anweisungen seiner Mutter befolgt. Deren Rolle spielt seine PR-Beraterin - eine hochgeschossene, dunkelhäutige Mittdreißigerin, die uns gegenüber auftritt wie eine englische Gouvernante.

Ihrem widerborstigen Schützling gegenüber zeigt sie sich allerdings recht milde: „Please Phil, do this.....please Phil, come over here ... common Phil, please touch the shining ball one more time...!" Das ganze Theater hat was von einem Possenspiel und Phil Ivey, der nun übertrieben oft die wohlwollende Zustimmung seiner Ersatz-Mutter einholt, scheint sich langsam richtig zu amüsieren. Endlich mal nicht selber nachdenken und keine Entscheidungen treffen müssen - und dabei die Anwesenden durch gut dosierte Renitenz zur Weißglut bringen - ein großer Spaß.

Als das Fotoshooting endlich vorbei ist, scheint Phil Ivey sich wirklich wohl zu fühlen. Das Spiel kann also beginnen:

Mr. Ivey, so weit weg von zu Hause. Dürfen wir Sie „No Home Jerome" nennen?

Ach komm. Niemand hat mich je so genannt. Das ist eine Kreation des Internets. Jerome war der Name, den ich mir selbst gegeben hatte, als ich minderjährig die Casinos in Atlantic City unsicher gemacht habe. Andere haben mich nie so genannt. Also nenn mich einfach Phil.

Okay, Phil, ist der wirkliche Jerome Graham immer noch stolz auf die Geschichte?

Ich hab keine Ahnung. Ich bin ihm schon seit Jahren nicht mehr begegnet.

Hast du damals, mit 17, 18 eigentlich gegen ihn mit seinem Namen Poker gespielt?

Mit 17, 18 hab ich vor allem Black Jack, Roulette und Craps gespielt. Als ich entschieden habe mit Poker Geld zu verdienen war ich bereits volljährig und wieder Phil Ivey.

Phil Ivey
No more Jerome.

Du bist seit deinen Teenagerjahren mit deiner Frau Luciaetta zusammen. Denkst du, dass sie immer noch glücklich ist, mit einem Full-Time Gambler zusammenzuleben?

What? Du hast vielleicht Ideen. Frag sie. Ich hab keine Ahnung, in welcher Stufe des Glücks sie sich gerade befindet. Wir reden nicht gern über den jeweils anderen. Also frag sie selbst.

Phil Ivey ändert seine cool gelangweilte Sitzposition. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Gut, vielleicht können wir sie mal selber fragen. Aber nun zurück zum Gambling. Roulette oder Craps?

Craps.

Kein Roulette?

Nie. Okay, fast nie.

Was bedeutet es, wenn jemand im leeren Bellagio früh um sechs Uhr an einem Craps-Tisch steht und um tausende von Dollar Craps spielt?

Soll ich das gewesen sein? Kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich spiele gern Craps, das kann ich nicht verleugnen.

Ist Craps ein Glücksspiel?

Ja.

Da kann man ja eigentlich nicht dauerhaft gewinnen. Ist das keine Beleidigung für deinen Verstand?

Es ist Erholung. Du magst doch sicherlich auch Dinge, die völlig sinnlos sind. Und ich mag einfach Craps. Aber du hast Recht, es gibt da Grenzen. Zum Beispiel hab ich mein sport-betting rigoros zurückgeschraubt. Man setzt einfach zu hohe Summe auf Dinge, die durch nicht vorhersehbare Kleinigkeiten entschieden werden.

Wann hast du das letzte Mal betrunken gespielt?

Wenn du Poker meinst, hab ich es so selten getan, dass ich mich nicht wirklich erinnern kann. Beim Poker ist es mir einfach zu wichtig, der Beste zu sein. Außerdem bin ich einfach nicht der Alkohol- oder Drogentyp.

Würdest du dich als Gambler bezeichnen?

Ja. Einige sind bestimmt gute Pokerspieler, aber ich gewinne gegen sie, weil ich der bessere Gambler bin. Um es vielleicht genauer zu definieren: es gibt eine Menge Spieler, die von sich behaupten würden, sie sind gute Pokerspieler, aber auf gar keinen Fall Gambler. Sie konzentrieren sich auf alle möglichen berechenbaren Komponenten des Spiels und sind darin wirklich exzellent. Aber ich warte möglicherweise ab, bis sie müde werden, unkonzentriert. Oder ein Telefonanruf sie stört. Wenn du Poker spielst, gerade in Live-Games, dann jonglierst du mit tausend Kleinigkeiten. Und ich habe den meisten voraus, dass ich - egal ob ich Black Jack, Craps oder Poker gespielt habe - immer ein Auge darauf hatte.

Dann bist du ein Perfektionist?

In anderen Bereichen des Lebens eher nicht. Im Poker aber in jedem Fall. Ich versuche perfektes Poker zu spielen.

Im zweiten Teil: Was Phil Ivey über Darvin Moon, Tilt und Autismus denkt und was er am Pokertisch überhaupt nicht leiden kann.

Im dritten Teil: Was Phil Ivey von deutschen Spielern bzw. wen er für deutsche Spieler hält, seine Vorbilder und das epische Duell gegen Andy Beal.

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