Phil Ivey Exklusiv (3)

Phil-Ivey
Ivey amüsiert. Photo: Severin Koller.

Phil Ivey ist eine der großen enigmatischen Persönlichkeiten des internationalen Pokerzirkus. Interviews mit ihm sind selten und auch wenn er eher öfter im Fernsehen zu sehen ist, gibt er dort kaum etwas über sein Wesen preis. Bei uns macht er eine Ausnahme.

Was denkst du über die Deutschen?

Phil lacht lauthals los. Er wurde jetzt gern was Verrücktes sagen. Oder eine Prop Bet abschliessen. So nach dem Motto: „Komm lass uns die nächste Person hier auf der Strasse in Salzburg fragen, was sie von den Deutschen hält. Ich sag das.......aber er reißt sich zusammen und bleibt politisch korrekt

Ich urteile nicht über Menschen. Oder sagen wir es so, ich versuche diesbezüglich mein bestes.

Kennst du deutsche Pokerspieler?

Hmm, yeah...Marcel ... Luske.

Der ist Holländer....

Markus Golser?

Österreicher....

Ah okay, jetzt hab ich einen: Eddy Scharf.

Okay, der ist tatsächlich deutsch. Aber noch mal zurück zum Film. Wer wird die Hauptrolle von Phil Ivey in der Verfilmung seines Lebens spielen?

What? ... (lacht) ... Barack Obama ganz klarer Fall. Das Format für diese Rolle hat nur er.

Wenn du nicht der größte aller Zeiten bis, wer könnte es sein?

Niemand. No, I am just kidding ... aber wenn ich wählen müsste, dann nur einen der Älteren. Also ich würde mich wahrscheinlich zwischen Doyle Brunson, Chip Reese und Barry Greenstein entscheiden.

Welcher junge Spieler hätte sich ein Coaching bei Phil Ivey verdient?

Kein Coaching bei Phil Ivey. Das ist etwas, was ich überhaupt nicht kann. Ich glaube ich wäre einfach zu brutal. Und ich mag mich lieber friedlich sehen.

Welcher anderweitig berühmte Mensch hat dir das beste Poker gezeigt?

Tobey Maguire. Der hätte tatsächlich das Zeug zum Pro.

Du bist Idol für Millionen Pokerspieler weltweit. Selber welche gehabt?

Nein, ich bin nicht der Idol-Typ.

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Böse zerlegt - Henry Orenstein (2. v. l.).

Okay, was fällt dir zu folgenden Spielern ein: Henry Orenstein?

Hmmm ... ja, da war was. Der hat mich wirklich böse zerlegt. Damals in den späten 90er Jahren. Ein richtig guter Pokerspieler, und diese vernichtenden Sessions mit ihm haben mich gelehrt, ruhig mit der Varianz im Poker umgehen zu können. Als ich mich das erste Mal auf die $400/$800 Limits gewagt habe, hat er mich jedes Mal fertig gemacht. Nur durch ihn war ich sechs Monate lang permanent pleite. Ich hab mich dann auf den $75/$150 Dollar wieder und wieder herangegrinded und er hat mich jedes Mal wieder nach unten geschickt. Ich glaube ich habe gegen ihn in sechs Monaten nicht eine einzige signifikante Hand gewonnen.

Andy Beal?

The banker....hab ich geschlagen.

Würdest du ihn gern noch mal spielen?

Jederzeit. Ich spiele gern hoch. Und er spielt, wenn er spielt, wirklich hoch. Der Unterschied wäre nur, dass ich diesmal mit meinem eigenen Geld antreten würde.

Was hast du am meisten vermisst, als es vorbei war?

Die Gespräche mit ihm. Er ist ein wirklich angenehmer Typ. Ein ausgezeichneter Pokerspieler, einer der wirklich den permanenten Wettkampf sucht. Und dabei extrem intelligent ist. Es besteht kein Zweifel, dass hätte er sich für Poker entschieden, er heute unter den Top 10 Spielern wäre.

(Anm.d. Red.:Die Geschichte von Andy Beal, der die Pokerelite von Las Vegas nacheinander zum Heads-up forderte, und von den Duellen, bei denen bis zu 20 Millionen Dollar auf dem Tisch lagen ist unter dem Titel The professor, the banker, and the suicide king erschienen.)

Gibt es überhaupt einen anderen Pokerspieler, der bereit wäre mit dir auf diese wahnsinnigen Limits zu klettern?

Leider nicht. Einige könnten es sich leisten, sind aber am Ende nicht bereit soviel Geld zu verlieren. Ich persönlich fühle mich bei $8.000/$16.000  noch richtig wohl. Auch weil ich mir sage: Egal, das macht Spaß, und das Risiko, ein paar Millionen zu verlieren, nehm ich in Kauf. Den meisten anderen fangen dabei aber die Hände an zu zittern.

Apropos Hände, wir reden hier über das Spiel um Millionen. Was war eigentlich der härteste Job, den du je mit deinen eigenen Händen erledigt hast?

Lange her. War bei McDonalds. In meiner Highschool Zeit. Ich war nicht wirklich gut darin. Nach einem Jahr hab ich das Grauen beendet. Seitdem weiß ich, dass ich mein eigener Chef sein muss.

Interview: Christian Henkel

Das letzte Buch, was du gelesen hast?

„The Power of Now" - von irgendeinem Deutschen. War ganz gut, obwohl ich mich nicht mehr an den Autor erinnern kann. (Anm. der Red.: Eckhart Tolle.) Hat mich übrigens darin bestärkt, beim Poker vor allem Spaß zu haben und darin nicht so sehr den Gelderwerb zu sehen.

Okay, du scheinst dich also für deine Spiritualität zu interessieren. Was war das letzte große Investment, was dich wirklich glücklich gemacht hat?

Zusammen mit Barry Greenstein habe ich in Französisch-Guayana, einem wirklich armen Land im Norden Südamerikas ein Krankenhaus gebaut. War übrigens die Idee meiner Schwester.

Hast du eigentlich irgendwelche anderen Talente? Sagen wir im Malen, Singen, Schreiben?

Nichts, da ist absolut nichts. Ich kann nur Poker spielen. Aber you never know, vielleicht kommt da ja noch was.

Man sagt im Haus von dir und deiner Frau Luciaetta gibt es riesige weiße Wände, die dafür gebaut wurden, um Kunstwerke zu zeigen. Welches Kunstwerk würdest du jemanden zeigen, der dich zu Hause besucht?

Ich hab keine Besucher. Ich bin an den Pokertischen dieser Welt ja eh permanent ansprechbar.

Warum sollte dann bitteschön jemand Phil Ivey besuchen?

Ich hab keine Ahnung. Also keine besonderen Kunstgegenstände in deinem Haus?

Hey, versuchst du vielleicht einen Einbruch vorzubereiten, oder was?

Letzte Frage: könnte dich irgendwas dazu bewegen darüber nachzudenken mit Poker aufzuhören?

Warum sollte ich mit Poker aufhören. Ich liebe es. Es macht mir immer noch extrem viel Spaß. Aber wenn ich keine Gegner mehr finden würde, dann müsste ich logischerweise aufhören. Aber das wird nicht passieren. Es wird immer ein paar geben, denen das Fell juckt. Und wenn sie erfolgreich sind, dann werden sich am Ende auch auf die Suche nach mir begeben. Und spätestens dann gibt es wieder ein Spiel.

Im ersten Teil: No Home Jerome und der Perfektionismus am Tisch.

Im zweiten Teil: Was Phil Ivey über Darvin Moon, Tilt und Autismus denkt und was er am Pokertisch überhaupt nicht leiden kann.

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