Phil Ivey Exklusiv (2)

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Ivey irritiert. Photo: Severin Koller.

Phil Ivey ist eine der großen enigmatischen Persönlichkeiten des internationalen Pokerzirkus. Interviews mit ihm sind selten und auch wenn er eher öfter im Fernsehen zu sehen ist, gibt er dort kaum etwas über sein Wesen preis. Bei uns macht er eine Ausnahme.

Interview: Christian Henkel

Wie man Spion für Phil Ivey wird...

Okay, wenn du in Sachen Poker ein Perfektionist bist, hattest du jemals daran gedacht einen Spion in die Wälder von Ohio zu schicken, zu Darvin Moon, der dort Bäume fällt und am Final Table des WSOP Main Events ungefähr siebenmal so viele Chips hatte wie du?

Ein kurzer fragender Blick, dann lacht Phil Ivey los. Das war der erste Big-Point....

Wow, das hatte ich bis jetzt nicht auf der Liste. Aber du kommst mit wirklich komischen Fragen um die Ecke. Vielleicht hättest du ja beim nächsten Mal Lust, den Job zu übernehmen?

(Okay, als Spion für Phil Ivey zu arbeiten, klingt wirklich interessant, zumal bei der zu erwartenden Bezahlung. Aber jetzt gilt es erstmal die laufende Partie erfolgreich zu gestalten. Also ja nicht einlassen auf das Spielchen.....)

Arbeitest du für einen so großen Tag wie den Main Event Final Table eigentlich an deiner äußeren Performance?

Komm schon. Ich denke über solche Dinge überhaupt nicht nach. Sehe ich so aus. Lass die anderen darüber nachdenken. Ich geh raus und spiel Poker.

Komm schon. Kein Übungs-Tisch mit Spielern, die deine Gegner simulieren? Mit all ihren angenommenen Eigenheiten?

Nochmal, du scheinst es nicht zu checken. Ich trainiere nicht. Alle anderen sollten besser trainieren. Ich geh einfach raus und spiele. Ich wusste ja, dass die anderen in der Vorbereitung eine Menge Mental-Trainer und Psychologen eingesetzt hatten. Aber ich hatte am letzten Tag des WSOP Main Events mit den meisten Spielern schon lange zusammengesessen. Glaub mir, ich hatte genügend Informationen, um sofort zu merken, wann und wie jemand seinen Stil ändert.

Phil Ivey Superfans!
Iveys größte Fans.

Okay, Phil, du bist der King. Gab es eigentlich einen Spieler an jenem Tisch, vor dem du wenigstens ein kleines bisschen Respekt hattest?

James Akenhead. Mit dem hab ich schon ab und zu mal gespielt. Ein richtig guter Mann.

Achtung, Phil zeigt zum ersten Mal sein berüchtigtes Gähnen. Jetzt muss was passieren...

Was war eigentlich deine gefährlichste Waffe in diesem Gefecht?

...längere Pause....wie oft hat er diese Frage schon versucht originell zu beantworten....aber er konzentriert sich....eine wichtige Frage also....auch für ihn....

Offensichtlich hab ich einen außergewöhnlichen Instinkt. Ich fühle einfach, was ein Spieler als nächstes tun wird. Es setzt sich in meinem Kopf zusammen und dann bin ich mir meistens ziemlich sicher. Ich kann Sachen einfach riechen. Und ich bin ein Marathon-Mann. Das heißt, meine Zeit ist vor allem dann gekommen, wenn bei anderen langsam die Müdigkeit einsetzt. Ich habe schon oft wirklich verrückte Sessions mit 50 Stunden oder mehr gespielt.

Das hört sich irgendwie ein bisschen autistisch an. Hast du dich eigentlich schon mal selber genauer in einer TV-Aufzeichnung betrachtet. Wie du da sitzt, mit offenem Mund und rollenden Augen...

Achtung, da ist er, der Ivey-Blick ... aber er lächelt ... er wird diese Frage also tatsächlich beantworten...

Ehrlich gesagt, hab ich mir lange überhaupt keine Aufzeichnungen von mir angesehen. Aber irgendwann hat mich ein Freund darauf hingewiesen. Er sagte, es sähe so aus, als würde ich unter Drogen stehen. Und tatsächlich, es schien, als wären meine Augen permanent an jedem Punkt des Tisches. Bewusst tue ich das nicht. Nenne es meinetwegen Autismus, wenn du magst.

Phil bleibt ganz relaxt. Man kann ihn offensichtlich nicht wirklich tilten ... dann fragen wir ihn eben einfach mal ganz direkt....

Phil, kann man dich denn überhaupt nicht auf Tilt bringen?

Es gibt viele Wege jeden einzelnen Spieler auf dieser Welt auf Tilt zu bringen. Und der einfachste ist der verbale. Mich hat allerdings schon lange keiner mehr aufs Korn genommen. Spieler versuchen dich immer an irgendeiner wunden Stelle zu treffen. Aber ich kann das weglächeln. Was immer man am Pokertisch mit mir versucht hat - es hat mich nicht wirklich gestört. Am Ende ist es so, dass in jeder Aktion, also auch in jeder Provokation Informationen stecken. Und die werden bei mir sofort gespeichert und später gegen den Absender wieder eingesetzt.

Jemals so etwas, wie Schadenfreude empfunden?

Nie. Wenn ich mit jemand eine offene Rechnung hatte, wurde die immer am Pokertisch beglichen. Und selten zu meinen Ungunsten.

Mal Trost gespendet?

Trost? Kenne ich nicht. Ich stehe auf, sage „thank you, nice play" und gehe nach Hause, ganz einfach.

Welches Verhalten stört dich bis heute an einem Pokertisch?

Rüde Attacken auf die Dealer. Da kommt für meine Begriffe eine echt schlechte Kinderstube durch.

Das nächste Gähnen. Jetzt wird's wieder eng. Vielleicht sollten wir noch mal ein bisschen persönlicher werden...

Phil, es heißt, du investierst momentan ein bisschen Geld in Hollywood. Welchen Poker-Film hättest du gern mitfinanziert?

Ich hab nicht so viele gesehen. Aber „Rounders" war glaub ich ganz brauchbar.

Im dritten Teil: Was Phil Ivey von deutschen Spielern hält bzw. wen er für deutsche Spieler hält, seine Vorbilder und das epische Duell gegen Andy Beal.

Im ersten Teil:No Home Jerome uind der Perfektionismus am Tisch.

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