Das Ende einer Ära: Was halten Profis vom Aus der November-Nine?

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Der erste November-Nine-Sieger: Peter Eastgate

Erstmals seit fast einer Dekade wird der Poker-Weltmeister dieses Jahr Ende Juli gekürt.

Nach neun Jahren mäßigen Erfolges hat die WSOP annonciert, dass man zukünftig das Konzept der November-Nine in die Mottenkiste schieben werde und dass ab sofort das Finale des Main-Events nicht erst nach viermonatiger Wartezeit ausgetragen wird, sondern direkt im Anschluss an das restliche Turnier im Juli.

Der Däne Peter Eastgate war der erste WSOP-Weltmeister, der im November 2008 den Pokal mit dem damals neuen Konzept gewann. Zwar erhielt die Veranstaltung jede Menge Aufmerksamkeit, doch das generelle Konzept der November-Nine wurde nie so richtig in der Poker-Szene aufgenommen.

Fraglos war es für die Spieler auf eine gewisse Art und Weise vorteilhaft, diese viermonatige Zeit zwischen dem Erreichen des Final-Tables und dem Ausspielen des selbigen zu haben, aber immer wieder wurde das Argument vorgebracht, das Turnier verlöre so das komplette Momentum.

Beim jüngst ausgetragenen 888-Live-Festival in Barcelona haben wir neun Profis, darunter drei ehemalige November-Niner, gefragt, was sie von dem Ende der November-Nine halten.

Die Ergebnisse waren zwar nicht einstimmig, aber sehr deutlich.

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Bruno Politano - Nov-Niner 2014

Bruno Politano (Basilien): Ich bin zweigespalten. Zum einen ist das gut für das Pokerspiel. Es ist gut, dass das Turnier im Juli beendet wird, denn die Zuschauer wollen weiter schauen und nicht lange warten müssen.

Auf der anderen Seite ist es schlecht für die Finalisten. Denn diese verpassen die besten drei Monate ihres Lebens. Wenn man eine dieser Spieler ist, hat man sicherlich die aufregendste Zeit seines Lebens. Alles was man macht ist größer als sonst – Reisen, Zeit mit der Familie, die Vorbereitungen, einfach alles.

Kara Scott (Kanada): Für Poker ist das eine gute Entscheidung, denn so wird das Momentum des Turniers aufrechterhalten und das ist, was man bei einem Turnier haben möchte.

Sofia Løvgren (Schweden): Das ist eine gute Sache, denn jeder ist sowieso schon da und das Turnier läuft. Die Zuschauer sind auch da und es ist fantastisch, wenn sie einfach dabei bleiben können.

Alec Torelli (USA): ich persönlich sehe das eher negativ. Klar, es gibt zahlreiche Vorteile, wie etwa weniger Reisezeit, keine Visa-Probleme und ähnliches.

Aber jetzt gibt es keine Zeit mehr für externe Sponsoren, Aufregung zu verbreiten. Wenn Finalisten einen Deal machen wollen, haben sie jetzt kaum noch Zeit dafür. Aber klar, ganz unvernünftig ist die Änderung nicht.

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Michael Mizrachi- 2010 im Finale

Michael Mizrachi (USA): Ich kann das nur unterstützen. So kann niemand für drei oder vier Monate trainieren, sondern hat gleich und sofort den Druck.

Und ich glaube, die Spieler, die gerade heiß laufen, wollen sofort spielen und nicht vier Monate warten, bis ihr Lauf komplett ausgekühlt ist.

Patrik Antonius (Finnland): Meiner Meinung nach ist das eine fantastische Entscheidung. Wenn ich in dem Turnier wäre, wollte ich nicht gehen müssen, nur um sehr viel später wieder zu kommen.

Die Erwartungen wurden meiner Meinung nach ohnehin nie erfüllt und das Main-Event bekam nicht den extra Hype oder mehr Aufmerksamkeit.

Cate Hall (USA): Sollte ich in das Finale kommen, wären mir die November-Nine eigentlich lieber, aber für alle anderen ist dies eine gute Entscheidung. Ich persönlich ziehe es vor, mich drei Monate vorbereiten zu können und zu trainieren. Es geht um soviel Geld, dass es dumm wäre, dies nicht zu tun.

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Jesse Sylvia - Zweiter im Jahr 2012 - und Kara Scott

William Kassouf (UK): Es ist eine gute Entscheidung. Eine Pause von zwei oder drei Tagen vor dem Finale ist kein Problem, aber ein Turnier, das im Juli anfängt, sollte auch im Juli beendet werden.

Der Turnierfluss sollte nicht zu sehr unterbrochen werden.

Jesse Sylvia (USA): Ich sehe das zweierlei. Auf der einen Seite ist es schlecht. Ich fand den Hype und den Aufbau bis zum Finale sehr gut. Es ist so besonders und es bedeutet so viel.

Aber auf der anderen Seite ist es ein komplett anderes Turnier, wenn die Spieler drei Monate später wiederkommen. Zum einen hatte jeder Zeit, sich vorzubereiten und zu trainieren. Zum anderen liegt es an der Dauer des Turniers. An Tag sechs fingen viele Spieler an, völlig verrückte Sachen zu machen und es lag einfach nur daran, dass sie völlig erschöpft waren.

Sie sehen, dass noch 50 Spieler dabei sind und sie mehr Chips brauchen und deswegen fangen sie an, Sachen zu machen, die sie sonst nicht machen würden. Aber diese Verrücktheit ist eben auch Teil des Main-Events.

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