Das Ende der alten Pokerschule

Von: Rainer Vollmar
07 Februar 2013
Geposted in: The Raise - Rainers Rückblick
german old school golf

Am vergangenen Sonntag endete die neunte Staffel der German High Roller und neben atemberaubender Action zeigten die acht Sendungen einmal mehr, dass ein bestimmter Spielertypus nicht mehr viel zu bestellen hat.

Als Vertreter der alten Schule oder in typischem Pokerdenglisch als Old-School-Player werden Spieler bezeichnet, die schon etliche Jahre in der Szene auf dem Buckel haben und einen, vorsichtig ausgedrückt, recht tighten Stil pflegen.

Sie achten peinlich auf gute Starthände und ihre Position, geben lieber eine Hand zu viel auf und hassen es zu bluffen.

Vor Jahren, als das Niveau in hiesigen Breiten noch ein ganz anderes war, konnte man damit zuverlässig Kohle machen und die vielzitierten Fische ausnehmen wie es im damaligen Buche (Harrington etwa) stand.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. In den heutigen Cashgames regiert die Aggression und die wirklich guten Spieler haben ein tiefes Verständnis von dem, was man „Balancing“ nennt.

Sie verschleiern ihre Raises mit guten Händen durch Bluff-Raises und achten schon vor dem Flop darauf, dass ihre Spektren ausgewogen sind, sprich neben guten Händen auch schlechte enthalten.

Auf diese Weise verweigern sie ihren Gegnern das kostbarste Gut, dass es beim Poker gibt: Information.

Für die Vertreter der alten Schule ist das ein Graus, denn sie wollen möglichst einfache Entscheidungen treffen und ihr Geld ohne allzu großen Kontrollverlust gewinnen.

Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem die alte Schule zu kämpfen hat. Fast noch schlimmer ist, dass keiner mehr mit ihr spielt.

Michael Keiner
Vertreter der klassischen Schule haben es heute schwer.
 

Raist ein Michael Keiner bei No-Limit Hold’em vor dem Flop, setzen die ersten Gespräche über Fernsehserien, Alkoholika und längst vergangene Hände ein und die Karten werden in einem Tempo von sich geworfen, als ob ein Rekord zu brechen sei.

Spielt doch mal einer mit, wartet er auf den großen Suck-Out, trennt sich aber anschließend ohne Umschweife von Händen, mit denen er einen Leon Tsoukernik bis zum River mühelos runtercallen würde.

Womöglich freut sich der Vertreter der alten Schule nach lauter Folds sogar, dass er mit seiner starken Hand dieses eine Mal nicht ausgesuckt wurde.

Meist jedoch sieht es eher so aus, als begänne das (innere) Wehklagen, wieder einmal mit einer starken Hand von den ganzen Verrückten am Tisch nicht ausbezahlt worden zu sein.

Der klassische Vertreter der alten Schule hat es also schwer, und daher ist er heutzutage vor allem in den Randbezirken des Live-Poker anzutreffen.

Im Internet wird sowieso nur betrogen, oder man hatte wieder einmal Pech, dass die Asse und Könige entweder nicht ausbezahlt oder geknackt wurden.

Übersehen wird dabei, dass dort bis an die Zähne mit Hilfsmitteln wie PokerTracker oder Hold’em Manager bewaffnete Leute sitzen, die gegen einen solchen Spieler gar nichts falsch machen können.

Dass die Erbsenzähler oder vulgo Old-School-Spieler dort mehr oder weniger ausgestorben sind, liegt daran, dass sie keine Lust mehr haben. Oder daran, dass sie Pleite sind.

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