Daniel Negreanu – „Entspannt euch, Leute“

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Daniel "KidPoker" Negreanu.

Daniel Negreanu über Table Talk, Slowrolls, die nächsten Hall of Fame Spieler, giong broke, neue Online-Trends und „Runner Runner“.

Nachdem Daniel Negreanu an Tag 2 der EPT London ausgeschieden war, nahm er sich den Abend frei um das Nachtleben der Stadt zu erforschen.

Am nächsten Tag ist er trotzdem wieder da und spricht mit uns im Grand Connaught Rooms über die aktuellen Themen der Pokerszene.

PZ: Es gab in letzter Zeit Querelen mit ein paar Tischregeln der TDA. Worum geht es da genau?

DN: Es ist so: Die TDA (Tournament Directors Association, Anm. d. Red.) hat eine bestimmte Vorstellung davon, wie es am Tisch zugehen soll, und die ist falsch.

Sie ist falsch angedacht und sie ist auch nicht gut für Poker.

Die neuen Regeln, dass man etwa nicht über seine Hand sprechen darf, kreiert für die Spieler eine unangenehme Situation.

Letztlich wurde eine Regel eingeführt, von der man jetzt nicht weiß, wie man sie anwenden soll.

matt savage
TDA-Chef Matt Savage - der falsche Ansatz?

Weder die Spieler noch die Verantwortlichen wissen genau, was man darf und was nicht. Als Spieler lebt man ständig in der Gefahr, etwas falsch zu machen.

PZ: wie kommen wir da wieder heraus?

DN: Die WSOP hat den richtigen Weg gefunden. Sie wenden die Regel viel freier an und geben den Spielern damit mehr Raum.

Das Problem ist, dass die TDA versucht, Poker ernsthafter zu machen, aber das sit der falsche Ansatz. Die Atmosphäre muss stimmen, sie muss entspannt sein.

Aber jetzt hat man das Gefühl, jemand sagt zu einem „Setz dich hin, halt die Klappe, spiel Poker, nimm dein Telefon da weg, rede mit niemandem, schieb die Chips hier rüber usw.“.

Ich entgegne, „jetzt mal langsam, entspannt euch, was ist mit der angenehmen Atmosphäre passierrt, die wir früher hatten?“

PZ: Wird dadurch Table Talk unmöglich?

DN: Ich rede ja sehr viel am Tisch, und ich habe viel Erfahrung, und selbst ich weiß nicht, was ich sagen darf und was nicht. Wie sollen sich da unerfahrene Spieler fühlen?

Die Regeln vermiesen einem das Spiel.

PZ: Vor kurzem hat Shaun Deeb in einer TV-Sendung Mike Matusow publikumswirksam geslowrollt. Kann ein Slowroll überhaupt witzig gemeint sein?

DN: Es gibt kaum eine Situation, wo ein Slowroll keinen Bruch der Etiquette darstellt. Das kann man vielleicht machen, wenn man gegen einen Kumpel spielt und nichts dabei ist.

Shaun war aber in einer Situation, in der viel Geld auf dem Tisch lag, echtes Geld, und jemand war dabei, dieses Geld zu verlieren.

Deshalb hatte das nicht gerade Stil. Ich weiß, dass Shaun es nicht böse gemeint hat, aber es war eigentlich nicht witzig.

PZ: War das eine einmalige Sache oder Shaun Deeb ein spieler, der so etwas häufiger macht?

DN: Ein bisschen von beidem. Shaun ist definitiv jemand, der manchmal zum Angle-Shooting neigt.

Er hat das sogar mit mir mal versucht. Er war der Angle-Shooter, und gleichzeitig hat er mich genau dessen beschuldigt. Mehr sage ich dazu nicht.

John Duthie
EPT-Gründer John Duthie - zu wenig Respekt bei der WSOP?

PZ: Wer sollte deiner Meinung nach in diesem Jahr in die Hall of Fame aufgenommen werden?

DN: John Duthie und Bruno Futoussi.

PZ: Die beide aber...

DN: ... nicht nominiert sind, ich weiß. Das liegt daran, dass das Board, das die Spieler nominiert, zu sehr auf die USA fixiert ist.

Es fehlt an Respekt für die Entwicklung von Poker in Europa. Immerhin wird heutzutage mehr Poker in Europa gespielt als in Nordamerika.

John Duthie ist der Begründer der EPT, und Bruno Fitoussi  ist letztlich für den Pokerboom in Frankreich verantwortlich.

Er war derjenige, der Poker dort so interessant gemacht hat, dass auch Spieler aus Amerika herüberkamen, und die beiden verdienen einfach, dass man das anerkennt.

Wenn man sich ansieht, welchen Stellenwert Poker in Europa erreicht hat, verstehe ich einfach nicht, wie man die beiden ignorieren kann.

PZ: Andre Akkari hat sich kürzlich zur Poker als gesellschaftlichem Phänomen geäußert, von dem Farbige fast ausgeschlossen sind, weil sie arm sind. Aber der beste ist Phil Ivey. Ist Poker rassistisch?

DN: Auf keinen Fall! Das spiel ist für jeden zugänglich, das ist ein zentrales Element von Poker.

Am Pokertisch sind alle gleich. Unabhängig davon, ob man groß oder klein, dick oder dünn ist, schwarz oder weiß, homo- oder heterosexuell.

Wenn man ausreichende Fähigkeiten besitzt, hat man auch Erfolg. Genauso könnte man Fragen, warum so wenige Frauen Poker spelen.

PZ: Warum spielen so wenige Frauen Poker?

DN: Das ist eine Frage der Einstellung. Generell mögen die meisten Männer Sport, und Frauen gehen lieber Schuhe kaufen.

doyle brunson jack binion
Doyle Brunson und Jack Binion - in der alten Zeit ging jeder broke.

Das ist keine Wertung, sondern nur eine Beobachtung. Männer und Frauen sind eben verschieden, und Männer werden von Spielen stärker angezogen.

PZ: Doyle Brunson hat einmal gesagt, „jeder Spieler geht irgendwann broke“. Stimmt das?

DN: Es stimmte, solange es kein Internet gab. Ich selbst war bestimmt 20 oder 30 Mal broke.

PZ: Laut Wikipedia passierte dir das nur einmal, und da warst du 22.

DN: Oh, aber ich war schon vorher broke. Ich war oft völlig bankrott. Un dich glaube, dass war gerade zu Doyles Zeiten der Normalfall.

Aber heute, da es das Internet gibt, muss man nicht mehr broke gehen. Die jungen Spieler sind dafür zu klug.

Heute fängt man an zu spielen, gewinnt ein bisschen Geld, investiert dieses Geld, spielt 20 Tische gleichzeitig, klettert langsam in den Stakes, und wenn plötzlich alles schiefgeht, dann geht man eben wieder runter.

In der alten Zeit musste man irgendwann sein Geld verlieren. Man musste den Mut haben, alles zu riskieren, und das ging eben nicht immer gut.

PZ: Hieß den „broke“ in dieser Zeit wirklich,  dass man seine komplette Bankroll in einer Nacht verlor?

DN: Es hieß sogar, dass man alles verlor, und dann versuchte, andere Spieler um 500 oder 25.000 Dollar anzupumpen – je nachdem-, damit man weiterspielen konnte.

ept-vienna
Fürs Fernsehen auf Dauer interessanter - Texas Hold'em.

PZ: High Stakes Online-Poker hat sich in den letzten Jahren von Hold’em zu Omaha, dann zu 2-7 und zuletzt zu Fixed Limit Omaha Hi-Lo verschoben. Was kommt als Nächstes?

DN: Ich war immer ein großer Freund der Mixed 8-Games. Ich spiele online fast nichts Anderes. Das ist einfach viel interessanter als nur Hold’em.

Man muss isch vor Augen halten, dass vor dem Pokerboom praktisch ausschließlich Mixed Games gespielt wurden. Und das waren alles Mixed Games.

Dann erschien No Limit auf der Bildfläche und explodierte. Was das Fernsehen betrifft, wird auch in Zukunft keine andere Variante mithalten können, weil No Limit einfach am interessantesten zum Anschauen ist.

Als Speler schaut man sich aber früher oder später andere Spele an und denkt, he das ist toll, das macht Spaß, also spielt man auch etwas Anders.

Online werden Mixed Games die Zukunft bestimmen.

PZ: In der jüngeren Vergangenheit bist du mehrmals in High Roller Events trotz Chiplead nur Zweiter geworden. Sind das Siege oder Niederlagen für dich?

DN: Es sind verlorene Titel. Ich war auch bei der WSOP und anderen Events ein paar Mal Zweiter, und das ict ziemlich frustrierend.

Zu Beginn meiner Karriere habe ich die ersten acht Finaltische, die ich erreicht habe, alle gewonnen.

Runner Runner 2
Wissen, wenn man wegschauen muss - neue Plakatwerbung.

Ich schätze, ich ging davon aus, dass es immer wo weitergeht, deshalb schmerzt es mich jetzt besonders.

PZ: Hattest du schon die Gelegenheit, den neuen Film „Runner Runner“ zu sehen?

DN: Nein. Soweit ich sehe, hat der Film nicht wirklich vie mit Poker zu tun, und die Kritiken sind ziemlich negativ.

In der Filmbranche wird generell der Fehler gemacht, Pokerhände zu sehr in den Vordergrund zu stellen.

Wenn ich einen Pokerfilm machen würde, kämen überhaupt keine Hände darin vor. Die Figuren sollten viel mehr im Fokus stehen.

PZ: Dein Lieblings-Pokerfilm?

DN: „Rounders“. Das ist ein toller Film, weil er eine gute Geschichte erzählt. Es geht gar nicht so um die Hände.

Die Figuren sind interessant, und die Schauspieler sind gut. Deshalb ist „Rounders“ ein geiler Film.

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