Die „No Talk Rule“ – Savage vs. Negreanu

daniel negreanu
Daniel Negreanu - Dumme Regeln, sture Turnierleitung?

In der Frage darum, wer was am Pokertisch sagen darf, streiten derzeit Profi Daniel Negreanu und Turnierleiter Matt Savage vehement um ihre gegensätzlichen Positionen.

Die so genannte „No-Talk-Rule“ ist bereits seit vielen Jahren in Kraft, wird aber nur selten explizit angewandt. Sie besagt, dass ein Spieler während einer Hand in einer Heads-up-Situation nicht über die Karten sprechen darf, die er gerade hält.

Prominentes Beispiel für einen Verstoß gegen diese Regel war Jamie Golds Verhalten während des Main Events 2006, als er einem befreundeten Spieler am Tisch während der Hand erklärte, er habe „Top Top“, was die Kurzform für „top pair, top kicker“ ist.

Während Gold damals nicht belangt wurde, musste sich z. B. Daniel Negreanu an Tag 3 des WSOP Main Events 2011 eine Verwarnung gefallen lassen, weil er während einer Hand gegen Sami Kelopuro auf dem River nach einer Bet des Finnen erklärte, er habe „auf dem Turn eine Menge Outs gehabt“ und dann seine Karten foldete.


matt savage
Matt Savage - keine Regeländerung vorgesehen.

Obwohl Negreanu weder angab, welche Karten er hielt, noch Kelopuro befragte, wurde ihm vom Floorman erklärt, er dürfe nicht über seine Hand sprechen. Negreanu regte sich schon damals am Tisch auf, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Matt Savage ist bzw. war Turnierleiter bei der WSOP, der WPT und der Poker Dome Challenge. Er ist außerdem Mitgründer der Tournaments Directors Association und wurde als erstes Mitglied in die Poker Room Manager’s Hall of Fame aufgenommen.

Savage und Negreanu lieferten sich telefonisch im Rahmen einer Sendung von QuadJacks am vergangenen Wochenende einen lebhaften gedanklichen Schlagabtausch. Daniel Negreanu ereiferte sich derartig, dass er die Regel als „stupid, really fucking stupid“ bezeichnete, „really retarded and stupid“.

Die Grundpositionen der beiden: Savage erklärte, das Verbot diene dazu, Kollusion zu verhindern, wie sie Gold seinerzeit ausgeübt hatte, während Negreanu zu erklären versuchte, dass Sprechen über die eigene Hand keineswegs Kollusion sein muss, und dass außerdem ein Sprechverbot kein geeignetes Mittel sei, um Kollusion zu verhindern, weil es ausreichend andere Möglichkeiten des Betrugs gebe.

Während die Grundidee des Verbots verständlich ist, kritisierte Negreanu vor allem, dass die Regel nicht nur falsch angewandt würde, sondern ein großer Teil der Turnierleiter auch nicht zwischen Kollusion und der Preisgabe von verwertbaren Informationen unterscheiden könne.

„Ich teste 20 Ihrer Turnierleiter mit einem Quiz, und ich wette, die Hälfte fällt durch“, rief der erboste Kanadier aus. „Sie fallen auch durch.“

Am Ende blieben die Positionen verhärtet: „Die Regel wird auf keinen Fall geändert“, erklärte Matt Savage. „Ich weiß, weil Sie stur sind und nicht zugeben können, dass sie dumm ist.“

Beide Parteien waren nicht bereit, von ihrem Standpunkt abzurücken, und deshalb wird die Regel auch in Zukunft für Gesprächsstoff sorgen. Aus Sicht der TV-Zuschauer ist ein Pokertisch, an dem nicht mehr gesprochen, auf jeden Fall eine extrem unattraktive Vorstellung, bliebe damit doch der gesamte Showaspekt des Spiels auf der Strecke.


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