Dan Heimiller – der Irrwitzige

Dan Heimiller, WSOPE 2013
Wirkt harmlos - Dan Heimiller.

Heimiller ist ein Wolf im Schafspelz der, wenn er sich in seinem Lämmerkostüm im Spiegel ansieht, selbst nicht so genau weiß, was er davon halten soll.

„Erst gestern habe ich 12.000 Dollar verloren, die ich auf ein Baseball-Match gesetzt hatte. Mann, bei Sportwetten habe ich schon mindestens 300.000 Dollar verloren. Dazu kommen 200.000 an der Börse.

Er legt die hohe Stirn in Falten. „Ich muss definitiv mein Spielverhalten ändern.“

Dann grinst er: „Natürlich lerne ich auch aus solchen Verlusten. Zum Beispiel, dass ich in Zukunft unbedingt mehr auf die Gewinner setzen muss.“

Der Mann, der diese Lebensweisheiten von sich gibt, ist Dan Heimiller. Ein Kuriosum in der Pokerszene. Ich habe ihn erst drei Minuten zuvor kennen gelernt und noch nicht viel mehr als „hallo“ gesagt.

Eigentlich will ich ihn fragen, ob er mir ein Interview gibt. Aber dazu kommt es nicht.

„Andere sind da noch viel schlimmer. Leute wie Michael Mizrachi haben Millionen an Dollar gewonnen, aber sie verwetten so viel Geld, dass ich mich nicht wundern würde, wenn sie beinahe broke sind.“

Bei Heimiller ist das anders. Heimiller geht nicht broke. Er hat nur manchmal wenig Geld.

„Meine Reisen nach Europa waren insgesamt nicht besonders erfolgreich. Ich schätze, ich bin ungefähr 150.000 im Minus“, fährt er ungerührt fort.

„Aber der Grund, warum ich schon längere Zeit nicht mehr in Europa war, sind Sportwetten. Zeitweise habe ich so viel verloren, dass ich niedriger spielen  musste und nicht mehr reisen konnte.“

Dan Heimiller
"Ich muss einfach mehr auf Gewinner setzen."

Erinnern Sie sich noch an den Film Invasion der Körperfresser mit Donald Sutherland? Wo die Außerirdischen so ganz normal aussehen und darum auch schwer zu erkennen sind?

So einer ist Dan Heimiller. Einen Typ wie ihn haben Sie schon in tausend amerikanischen Filmen gesehen, aber er hatte nie die Hauptrolle. Er war der freundliche Nachbar, der nur in ein paar Szenen auftaucht und danach nicht mehr.

Nur dass dieser Nachbar Dinge sagt, die in keinem Amistreifen zu hören wären.

„Meinen letzten regelmäßigen Job habe ich vor zwölf Jahren aufgegeben. Nein, vor zehn. Oder elf. Ich war Ingenieur, habe für Intel, IBM und Ford gearbeitet.

Das Gute war, dass ich ein regelmäßges Einkommen hatte. Das Schlechte war, dass es mir nihct reichte. Ich habe irgendwann auf meinen Gehaltsscheck geschaut und gedacht, scheiß drauf, ich gehe wieder Poker spielen.“

Wieder?  „Ich spiele schon seit dem College. Meine Laufbahn war College, Abschluss, Poker, Taxi fahren.“

Dan Heimiller preist seinen Twitter-Account so an: Schaut euch an, wie meine Bankroll aus dem Nichts auf $613.000 anwächst, dann wieder auf null fällt, dann auf $2.234.879 wächst und dann auf -$87.057 fällt.

Der Mann lebt das Leben eines Rockstars, sieht aber aus, als wäre er dessen Buchhalter.

Ob er wohl deutsche Spieler kennt? Ja, sicher. Wen denn? Wen gab’s denn da noch?

Rettenmaier, Reinkemeier, Gruissem, Quoss, sage ich und sehe dabei zu, wie Heimillers Gesicht immer leerer wird, so als frage er sich, warum ich plötzlich Sanskrit mit ihm spreche.

Dan Heimiller, WSOPE 2013
Fabian Quoss? Nie gehört...

Oh, well, sage ich, die Deutschen halt so allgemein. Da springt Heimillers Motor wieder an:

„Die Deuschen haben zuerst gelernt, sich ihre Wahrscheinlichkeiten auszurechnen. Und als sie das kapiert hatten, begonnen sie, bluffen zu lernen.“

„Bluffen“, fährt er fort, „ist die hohe Kunst des Pokerns. Spielen ist einfach, aber bluffen lernen dauert ein ganzes Leben. Ich lerne es immer noch. Beim Bluffen kommt es auf einen selbst und den Gegner an, wie man sich fühlt, wie er sich fühlt, was schon so passiert ist uund so weiter. Hier, mach ein Photo von mir und meinem Kumpel. Danke, muss los.“

Und bevor ich ihn fragen kann, ob es denn nun was wird mit dem Interview, ist er wieder weg. In der Nacht schaue ich auf die Spielerliste.

Am ersten Tag des WSOPE Main Events war Heimiller nach ein paar Stunden schon auf ein Zehntel des Anfangsstacks von 30k gefallen. Am Endes Tages hielt er fast 60.000.

Zwei Tage später sehe ich ihn wieder. Aus dem Main Event ist er ausgeschieden. „Muss zum Omaha ruft er mir im Vorbeilaufen zu. „Mein Geld zurückgewinnen.“

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